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Hundstorfer: "Alpine-Pleite kostet mindestens 2000 Jobs"

Construction site of Allianz-Arena
Hundstorfer: Alpine-Pleite kostet mindestens 2000 JobsEPA
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Gemessen an den Passiva ist die Insolvenz die größte seit Bestehen der Zweiten Republik. Beim Handelsgericht Wien wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Wie viele Stellen bei den Zulieferern wackeln, ist noch unklar.

Für den Baukonzern Alpine wurde heute, Mittwoch, das Insolvenzverfahren eröffnet. Es handelt sich um eine der größten Pleiten in Österreich seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Verbindlichkeiten der Alpine betragen laut Kreditschutzverbänden 2,6 Milliarden Euro. Bei der bisher größten Pleite in Österreich, jener des Konsum, betrugen die Passiva 1,9 Milliarden Euro. Die Überschuldung, also die Differenz zwischen Aktiva und Passiva, liegt bei der Alpine laut ersten Schätzungen bei 1,9 Milliarden Euro.

Als Interessent für das insolvente Unternehmen hat sich im Ö1-Mittagsjournal Konkurrent Porr gemeldet. Porr-Chef Karl-Heinz Strauss sagt gegenüber dem Wirtschaftsblatt, "die Porr steht bereit, das gesamte Österreich-Geschäft oder Teile davon zu übernehmen". Am Auslandsgeschäft ist Porr dagegen nicht interessiert.

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Sozialminister Hundstorfer rechnet damit, dass mindestens 2000 Mitarbeiter in Österreich ihren Job verlieren werden. Insgesamt beschäftigt die Alpine im In- und Ausland etwa 15.000 Menschen. Laut Hermann Haneder, Chef des Alpine-Betriebsrats, dürften die etwa 7500 Mitarbeiter im Ausland ihren Job verlieren. Für Österreich rechnet er damit, dass etwa 4000 bis 5000 Mitarbeiter bleiben können. Minister Hundstorfer hat die Gründung von acht Arbeitsstiftungen für die Betroffenen der Alpine angekündigt. Diese sollen auch den Arbeitnehmern von durch Folgekonkursen betroffenen Unternehmen offen stehen. Wie viele Stellen bei den Zulieferern wackeln, ist noch unklar. Man könne noch nicht abschätzen, in welchem Ausmaß die Unternehmen von der Alpine abhängig seien, so Hundstorfer.

"Zahlreiche Gesellschaften nicht betroffen"

"Heute wurde der Insolvenzantrag für die Alpine Bau GmbH eingebracht - zahlreiche Gesellschaften wie etwa die Alpine-Energie AG, die Hazet und die Alpine Bemo Tunneling GmbH sind davon nicht betroffen", betonte Unternehmenssprecher Johannes Gfrerer.

Der Baukonzern Alpine

Der insolvente Baukonzern Alpine hat eine fast 50-jährige Unternehmensgeschichte hinter sich. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erfolgte eine dynamische Expansion: Was als Baumaschinenhandel mit 28 Mitarbeitern begann, endete als internationaler Großkonzern mit über 15.000 Mitarbeitern im In- und Ausland.

Das Unternehmen mit Sitz in Wals bei Salzburg entwickelte sich zum zweitgrößten Baukonzern in Österreich - hinter der Strabag, aber noch vor der Porr. Die Alpine beschäftigt hierzulande rund 7.500 Mitarbeiter ist aber kein österreichischer Baukonzern mehr, sondern ein spanischer - er gehört seit 2012 zu 100 Prozent zur spanischen FCC-Gruppe.

Auf der Gläubigerliste der Alpine stehen laut dem Kreditschutzverband AKV rund 8000 Gläubiger. Den Gläubigern wird im Sanierungsplan eine Quote von 20 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren geboten. Die Alpine beabsichtigt die Fortführung und eine Sanierung des Unternehmens. Vom beabsichtigten Verkauf von Unternehmensperlen wie der Alpine-Energie, der Hazet und einiger Tiefbauspezialisten wie etwa der GPS hatte sich der Baukonzern bis zuletzt Erlöse in Höhe von 200 Millionen Euro erhofft.

Mitarbeiter der Alpine können sich nun an den Insolvenzschutzverband der Arbeitnehmer wenden. Dort erhalten sie Beratung über die Auswirkung der Insolvenz. Die Löhne werden nach Antrag durch die Arbeitnehmer bis zur Insolvenzeröffnung vom Insolvenzausgleichsfonds bezahlt. Auch eine Zwischenfinanzierung für Lohnfortzahlungen ist möglich.

>>> Reaktionen zur Alpine-Pleite

Die Republik Österreich hängt mit 150 Millionen Euro an Haftungen im Baukonzern Alpine. Wie es mit den Haftungen weitergeht,  bleibt laut Finanzministerium aber noch abzuwarten. "Das hängt von der Quote ab, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststeht", hieß es dazu aus dem Büro von Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP).

Anleihen der Alpine Holding GmbH wurden heute an der Wiener Börse vom Handel ausgesetzt.

(md)