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Ein Arbeitsloser kostet 19.000 Euro im Jahr

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt konstant an, vor allem schlecht Ausgebildete sind gefährdet. Für ihre Aus- und Weiterbildung fließen in den nächsten Jahren zusätzliche Millionen.

Wien. Die Arbeitslosigkeit ist im Juni erneut angestiegen. Ende des Monats hatten 314.407 Menschen in Österreich keine Arbeit. Das sind um elf Prozent mehr als im Juni des Vorjahres. 72.165 davon waren in Schulungen des Arbeitsmarktservice (AMS). Dabei zeigte sich ein für Krisen typischer Trend: Randgruppen, die sich bei der Arbeitssuche ohnehin schwertun, waren überdurchschnittlich betroffen. Bei Ausländern stieg die Arbeitslosigkeit um 18 Prozent, bei Behinderten ebenfalls und bei älteren Arbeitnehmern um 16 Prozent. Die Hälfte der Arbeitslosen hatte keinen formalen Schulabschluss. Die Arbeitslosenquote (nationale Definition) betrug 6,5 Prozent.

Wer keine oder nur eine niedrige Ausbildung hat, ist am meisten gefährdet, arbeitslos zu werden – und es zu bleiben. So hat in der Regel die Hälfte aller Arbeitslosen nur einen Pflichtschulabschluss. Das geringste Risiko haben Universitätsabsolventen. Laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) zahlt ein Beschäftigter durchschnittlich 18.200 Euro Steuern pro Jahr, jeder Arbeitslose „kostet durchschnittlich 19.000 Euro“.

Um Niedrigqualifizierten zu höherer Bildung zu verhelfen gibt es seit gestern, Montag, die Möglichkeit zur „Bildungsteilzeit“: Dabei können Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit um die Hälfte oder ein Viertel reduzieren und neben ihrem Beruf eine Ausbildung machen. Sie erhalten vom AMS ein Weiterbildungsgeld von 442 bzw. 221 Euro.

Die Bildungsteilzeit wird zusätzlich zur Bildungskarenz eingeführt. Für die Bildungskarenz legt man seinen Job für zwei bis zwölf Monate komplett auf Eis. In dieser Zeit erhält man Arbeitslosengeld, also 55Prozent des früheren Nettoeinkommens. Da das den Arbeitgeber nichts kostet, wurde die Bildungskarenz im Krisenjahr 2009 vermehrt als Alternative zur Kurzarbeit eingesetzt, bei der die Unternehmen einen Teil des Einkommens weiter bezahlen müssen.

 

25 Millionen Euro für neue Fachkräfte

Im Vorjahr waren laut Angaben des Sozialministeriums im Jahresdurchschnitt rund 8000 Menschen in Bildungskarenz. Davon hatten 22 Prozent eine akademische Ausbildung, 28Prozent eine höhere Ausbildung wie Matura und knapp sieben Prozent eine mittlere Ausbildung. 20 Prozent waren Lehrabsolventen, 13Prozent hatten nur die Pflichtschule abgeschlossen.

Die Bildungsteilzeit soll vermehrt Niedrigqualifizierte ansprechen. „Das Weiterbildungsgeld in der Bildungsteilzeit ist fix, egal wie viel man vorher verdient hat“, sagt Beate Sprenger, Sprecherin des AMS. Somit sei die Teilzeit für Menschen mit einem geringeren Einkommen – die in der Regel auch eine geringere Ausbildung haben – interessanter als die Karenz. Laut Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer, sei der Vorteil der Bildungsteilzeit, „dass man mit einem Fuß in der Beschäftigung bleiben kann“, weil es für manche schwierig sei, mehrere Monate komplett auszusteigen. Die Arbeiterkammer (AK) bemängelt, dass das Weiterbildungsgeld zu niedrig ist – auch wenn sie das Modell grundsätzlich gut findet: „Wenn man die Niedrigqualifizierten erwischen will, muss man das Weiterbildungsgeld anheben“, sagt Josef Wallner, Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt in der AK Wien.

Mit 1. Juli wird auch das „Fachkräftestipendium“ eingeführt. Damit werden Ausbildungen in Bereichen finanziert, in denen ein Mangel an Fachkräften besteht – zum Beispiel Elektrotechnik oder Pflege. Das Stipendium fließt so lange, wie die jeweilige Ausbildung dauert – jedoch mindestens drei Monate und maximal drei Jahre. Für das Fachkräftestipendium sind in den Jahren 2013 und 2014 jeweils 25 Mio. Euro für etwa 2500 Fälle im Jahr budgetiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2013)