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Comeback: Karin Kraml ist jetzt wirklich Wirtin

Comeback Karin Kraml jetzt
Karin Kraml(c) APA (Helmut Fohringer)
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Nach Politik und Babypause hat Karin Kraml ein neues Lokal eröffnet: Im Eastend bekocht sie (wieder) das Media Quarter Neu Marx.

Das Wiener Eastend liegt ein wenig versteckt: An der südöstlichen Ecke des Media Quarter Neu Marx, schräg gegenüber der immer noch leeren alten Rinderhalle und neben jener Brachfläche, auf der einst die Fleischmarkthalle stand und wo der ORF hätte stehen sollen. Das klingt trister, als es ist: Von der Decke des Eastend hängen Bücher (der Form halber: inspiriert vom britischen Künstler Richard Wentworth), die Vintagemöbel sind bunt und handverlesen, im Hintergrund tönt Loungemusik. Ein paar Leute sitzen im Gastgarten, die übrigen sind, kurz nach fünf, wohl noch arbeiten. Karin Kraml, vormals Resetarits, hat also gerade ein bisschen Zeit.

Seit Ende Mai führt die Ex-ORF-Journalistin und Ex-Europapolitikerin das Eastend – eine Art doppeltes Comeback: eine Rückkehr aus der Babypause, und eine Rückkehr nach St.Marx, wo sie schon 2004 das erste Lokal aufgemacht hatte. Das Jahr zuvor war ihr „Bruchjahr“ gewesen: Sie gab ihre öffentlich-rechtliche Karriere auf, wechselte kurz zu Kronehit – und wollte überhaupt etwas ganz anderes machen. Es wurde die Marx Restauration, doch als das Lokal fertig war, kam die Politik dazwischen. Kraml zog, bis zum Bruch, für Hans-Peter Martin nach Brüssel. Wieder zurück wurde sie schwanger, bekam mit 48 ihr fünftes Kind. Drei Jahre blieb sie bei ihrer Tochter, genoss Muttersein und niederösterreichisches Landleben. „Aber irgendwann“, konstatiert sie, „war es zu viel der Idylle.“

Weshalb sie nun in Wien-Landstraße am Herd steht – wörtlich. Sie habe, erklärt sie, mit der Marx Restauration „viel gelernt – nämlich wie man es nicht macht“. Wichtigste Erkenntnis: „Wenn man als Wirt nicht selber drinnen steht, wird es nix.“ Nie wieder, sagt sie, wolle sie außerdem auf einen Koch ganz angewiesen sein. „Köche sind die größten Diven, die man sich vorstellen kann.“

Stattdessen kochen mit ihr drei Frauen über 40, die sie übers AMS gesucht hat. Die stammen aus Brasilien, Thailand und der Türkei und kochen, was ihnen schmeckt. Brasilianische Kibe stehen bei den Gästen hoch im Kurs – Röllchen aus Bulgur und Faschiertem. Was gut zu Kramls Inspiration passt – Lily Bretts Roman „Chuzpe“, in dem der betagte Vater der Protagonistin in New York ein Klopserestaurant eröffnet. Vom eigenen Lokal in New York träumt Kraml immer noch. Von weiteren Lokalen in Wien vorerst nicht. Vor ein paar Jahren plante sie noch, mit drei Restaurants die „Platzhirschkuh“ des Neu Marxer Areals zu werden. Heute hütet sie sich, von Expansion zu sprechen.

Gedacht ist das Eastend für die arbeitende Masse des Medien- und Technologieareals, die Kraml „schnell, aber persönlich“ versorgen will. Bestseller auf dem ehemaligen Schlachthofgelände sind ausgerechnet die vegetarischen Tagesgerichte, auch wenn es natürlich auch eines für die „Omnivoren“ gibt, wie Allesesser hier fachlich korrekt heißen. Nebenan öffnet nächste Woche das dritte Neu-Marx-Lokal, Peter und Paul genannt – ein „Bistro und Deli“. „Nicht so exklusiv wie die Marx Restauration, nicht ganz so bobo wie wir.“ Ziemlich bobo ist das Eastend tatsächlich: Es gibt englisches Rude-Health-Müsli, Kusmi Tea aus Paris, Pizza aus Dinkelteig und Zucchini aus dem eigenen Garten.

Ihre Klientel, schwärmt Kraml, sei jedenfalls fantastisch – „jung, experimentierfreudig und weltoffen“. Und sie tröstet sie ein wenig darüber hinweg, dass sich für sie selbst im Journalismus zuletzt keine Möglichkeiten mehr aufgetan haben. Was vorhersehbar gewesen sei und auch ihre „eigene Schuld“, Stichwort Bewerbung als ORF-Generaldirektorin. „Aber das habe ich ja nicht aus Jux und Tollerei gemacht, sondern weil vieles nicht richtig läuft.“ Die Privatsender wiederum würden nicht gerade auf Leute ihrer Altersklasse warten, „obwohl ich auch da Ideen gehabt hätte“. Selbst ihre Moderationstätigkeit sei eingeschlafen. „In die Politik einzusteigen heißt, ein bisschen zu einem Paria zu werden.“ Im Media Quarter hat Kraml die Medienleute nun zumindest als Gäste. „Mir gefällt, dass ich da als Wirtin viel mitkrieg.“


Ein wenig auf der Strecke bleibt derzeit indes das Familienleben. Um sechs, spätestens halb sieben Uhr, verlässt Kraml das Haus, „und vor 23 Uhr bin ich nicht daheim“. Das werde – müsse – sich noch einpendeln. „Das Ziel ist, dass mein Mann und ich von Montag bis Donnerstag hart reinarbeiten – und dann ein langes Wochenende mit den Kindern haben.“

Zur Person

Karin Kraml (geb. 1961), früher bekannt als Karin Resetarits (sie war mit Journalist Peter Resetarits verheiratet), war Journalistin (ORF, Kronehit-Radio), Politikerin (LIF und Hans-Peter Martin) und zuletzt Gastronomin. Derzeit betreibt die Mutter von fünf Kindern das Eastend (www.eastend.at) auf dem Gelände des Media Quarter Marx in Wien-Landstraße.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2013)