Verdis 200. Geburtstag: Der Ohrwurmkönig

Giuseppe Verdi
Giuseppe Verdi(c) imago stock&people (imago stock&people)

Mit seinen Opern schrieb Giuseppe Verdi Musikgeschichte, seine einprägsamen Melodien sind weltbekannt. Am 10. Oktober jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.

Die Melodien von Giuseppe Verdi kennt jeder. Der Komponist schuf zahlreiche der beliebtesten Opern der Musikgeschichte und von vielen ihrer einprägsamsten Melodien, darunter die jüdischen Gefangenen aus "Nabucco", der forsche Freier im "Rigoletto", die tragische Kurtisane in der "Traviata". Am 10. Oktober jährt sich Verdis Geburtstag zum 200. Mal. Wobei: Möglicherweise wurde der Komponist am 9. Oktober geboren. Die Opernwelt fiebert schon seit Monaten - nicht nur weil im selben Jahr mit Richard Wagners 200er der zweite große Operngigant des 19. Jahrhunderts gefeiert wurde.

Früh Begabung erkannt

Giuseppe Verdis genaues Geburtsdatum ist Subjekt von Spekulationen: Im Taufregister trug man am 11. Oktober ein, er sei am Vorabend geboren, Verdi selbst betrachtete allerdings nicht den 10., sondern den 9. Oktober als seinen Geburtstag. Sein Heimatdorf La Roncole, auf halbem Weg zwischen Mailand und Modena, wird heuer Schauplatz zahlreicher Pilgerreisen und eines Festivals sein.

Die musikalische Hochbegabung Verdis wurde früh erkannt und von einem Mäzen gefördert, im nahe gelegenen Bussetto machte der junge Verdi rasch an der Orgel Karriere. Heute ziert seine Statue die Kleinstadt.

Knick in der Opernkarriere

Verdis Opernkarriere erlitt zunächst einen Knick: Zwar wurde "Oberto, conte di San Bonifacio" an der Mailänder Scala im Jahr 1839 mit großem Erfolg aufgeführt, das zweite Werk 1840 ("Un giorno di regno") allerdings ausgepfiffen. Zur selben Zeit starben sowohl seine beiden Kinder kurz nach der Geburt als auch seine erste Frau.

Aber mit "Nabucco" meldete er sich 1842 zurück und eine Opernsensation war geboren. Auch eine neue Liebe kam: Die Abigaille der Uraufführung, Giuseppina Strepponi, wurde später seine zweite Frau. In den Folgejahren produzierte Verdi viel und investierte seine Einkünfte in sein Landgut Sant'Agata nahe seiner Geburtsstadt, auf dem er sich bald zurückzuziehen hoffte.

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Obwohl die Forschung bis heute nicht belegen kann, ob Verdi politisch tatsächlich interessiert war, wurde der Komponist durch seine hohe, bald auch internationale Bekanntheit als Symbolfigur der italienischen nationalen Einheit und des Risorgimento gefeiert. Stilistisch begann er allerdings, mit Konventionen zu brechen. Zwar blieb er den Grundgedanken des Belcanto stets verbunden, seine eigene musikalische Ästhetik und auch sein Interesse für Figuren am Rande der Gesellschaft setzte sich aber spätestens mit der "Trilogia populare" durch: "Rigoletto", "Il Trovatore" und "La Traviata" markierten in den 1850er Jahren eine besonders produktive Schaffensphase.

Dass urmenschliche, oft widersprüchliche Gefühle, ausweglose Situationen, schicksalhafte Verwicklungen und bittersüßer Humor nicht anhand von Protagonisten zumindest königlicher Abstammung, sondern an Hofnarren, Prostituierten und Aufständischen dargelegt werden, sorgte bei den Uraufführungen der Werke nicht selten für Unmut. Aber dem Charme und der Rührung von Arien wie "La donna e mobile" oder "Addio del passato" konnte auch die feine italienische Gesellschaft nicht widerstehen.

Realismus und Romantik

Realismus und Romantik verbanden sich zu einer Opernkonzeption, die heute noch gültige Maßstäbe setzte. Bei seinen literarischen Vorlagen war Verdi wählerisch und bevorzugte Shakespeare ("Macbeth", "Otello", "Falstaff") oder Schiller ("Don Carlos", "Luisa Miller").

Einen rauschenden Erfolg brachte Verdi die Uraufführung von "Aida" als Auftragswerk für die Kairoer Oper im Jahr 1871. Danach wollte er sich eigentlich von der musikalischen Bühne zurückziehen. 1873 komponierte er anlässlich des ersten Todestages seines Freundes, des Schriftstellers Alessandro Manzoni, sein bekanntestes Werk jenseits der Opernbühne, die Messa da Requiem.

Keine Ruhe im Ruhestand

Er errichtete ein Altenheim für ehemalige Musiker in Mailand, wurde zum Senator des Königreichs Italien ernannt und widmete sich seinem Landgut - doch sein Verleger ließ ihm keine Ruhe und überredete ihn zu einer späten, aber fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Librettisten Arrigo Boito für die beiden letzten Opern, "Otello" und "Falstaff".

Giuseppe Verdi starb am 27. Jänner 1901 im Alter von 87 Jahren nach tagelangem Todeskampf. Ebenso wie seine Frau, die wenige Jahre zuvor verschieden war, liegt er in der Kapelle des von ihm gegründeten Altenheims Casa di Riposo in Mailand begraben.

Lebensdaten

1813: Giuseppe Verdi kommt vermutlich am 10. Oktober als Sohn eines Kaufmanns bei Busseto in der Provinz Parma zur Welt. Erster Orgelunterricht mit sieben Jahren.
Ab 1825: Kompositionsunterricht in Busseto.
1832: Das Konservatorium in Mailand, das später seinen Namen tragen wird, verweigert ihm die Aufnahme. Verdi wird Privatschüler des Mailänder Konzertmeisters und Komponisten Vincenzo Lavigna.
1836: Heirat mit Margherita, Tochter seines wohlhabenden Gönners Antonio Barezzi. Das Paar hat zwei Kinder, die jedoch ebenso wie die Mutter schon bald sterben.
1839: Verdis erste Oper "Oberto" wird an der Mailänder Scala uraufgeführt.
1842: Sensationserfolg mit "Nabucco" in Mailand; die Oper macht Verdi auch international berühmt. "Rigoletto" (1851), "Il Trovatore" (1853) und "La Traviata" (1853) gehören bis heute zu den beliebtesten Opern.
1859: Verdi heiratet die Opernsängerin Giuseppina Strepponi, mit der er schon länger zusammenlebt. Beide lassen sich auf einem Gut bei Busseto nieder.
1861: Er wird als Abgeordneter in das neue italienische Parlament in Turin gewählt, dem er bis 1865 angehört.
1871: "Aida" wird in Kairo uraufgeführt. Weitere Höhepunkte seines Schaffens sind "Don Carlos" (1867), "Otello" (1887) und "Falstaff" (1893).
1874: In der Mailänder Kirche San Marco kommt Verdis "Requiem" zur Uraufführung, sein bedeutendstes Werk jenseits der Oper.
1897: Tod Giuseppinas.
1901: Der Komponist stirbt am 27. Jänner in Mailand an einem Schlaganfall.

(APA/dpa)

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