Mehraufwand oder lohnender Umweg

Warum Siebenmeilenstiefel auf der „Extrameile“ nicht helfen.

Von Mitarbeitern wird oft verlangt: „Du musst die Extrameile gehen.“ Dabei könnten Führungskräfte animierendere Worte finden, wenn sie Zusatzleistungen fordern. Sie könnten, statt ihre Hoffnungsträger auf die „Extrameile“ zu schicken, ihnen vor dem nächsten Aufstieg auf der Karriereleiter noch eine Seitwärtsbewegung auf gleicher Ebene empfehlen. Dieser Zwischenschritt kann ein lohnender, lehrreicher Umweg zu mehr inhaltlicher Breite sein. Und er will ausgekostet werden. Siebenmeilenstiefel bringen auf dieser „Extrameile“ nichts.

Unklar ist, welche Wegstrecke die „Extrameile“ beschreibt. Geht die Phrase tatsächlich auf das Matthäus-Evangelium zurück („Und wenn dich jemand zwingt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei.“), dann sind es (zweimal) 1482 Meter. Die Distanz bemisst sich an der römischen Meile. Oder ist die internationale Meile gemeint? Sie entspricht 1609 Metern. Arm dran war, wer zur Zeit der Donaumonarchie eine (Post-)Meile absolvieren musste. Sie maß 7585 Meter.

Übrigens: Die „Extrameile“ ist der Phrase entsprechend zu „gehen“. Ein feiner Dienstwagen hilft da nicht.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.11.2013)