Auktion

Millionengebote für Freddie Mercurys Nachlass in London

Immer wieder brandete im Auktionsraum euphorischer Applaus auf, wenn der Hammer fiel. 
Immer wieder brandete im Auktionsraum euphorischer Applaus auf, wenn der Hammer fiel. Reuters/SUSANNAH IRELAND
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Ein Klavier mit viel Historie, handgeschriebene Notizen, Schmuck und Kostüme brachten bereits mehr als 14 Millionen Euro ein.

Im dicht gefüllten Auktionsraum von Sotheby‘s in London ging es Mittwochabend ausgelassener als üblich zu. Hunderte Menschen klatschten lautstark zum Takt des Queen-Klassikers „We Will Rock You“. Zuvor waren in einem viereinhalbstündigen Marathon 59 Gegenstände aus dem Nachlass von Sänger Freddie Mercury für umgerechnet mehr als 14 Millionen Euro unter den Hammer gekommen. Noch bis zum kommenden Mittwoch kann man auch online auf mehr als 1.000 Lose mitbieten.

„Das war ‚A Kind Of Magic‘ heute“, schwärmte Franka Haiderer aus dem Sotheby‘s-Vorstand in Anspielung auf den Queen-Song. Doch der erste Auktionsabend stand im Zeichen des Welthits von Queen: „Bohemian Rhapsody“. Für einen silbernen Schlangenarmreif, den der 1991 gestorbene Mercury im Musikvideo dazu getragen hatte, kamen die Gebote im Sekundentakt und übertrafen schon nach kurzer Zeit die Erwartungen. Am Ende erzielte das Schmuckstück umgerechnet rund 813.000 Euro (698.500 Pfund) - fast das Hundertfache des Schätzwerts.

Ein altes Blatt Papier mit Mercurys handgeschriebenen Notizen für „Bohemian Rhapsody“ wurde für sage und schreibe 1,6 Millionen Euro (1,38 Millionen Pfund) versteigert. Entwürfe für weitere Lieder, darunter „We Are The Champions“ und „Don‘t Stop Me Now“ erzielten ebenfalls Hunderttausende Euro. Das höchste Gebot des Abends bekam der Stutzflügel, auf dem Mercury „Bohemian Rhapsody“ und viele andere Songs komponiert hatte. Das Yamaha G2 Baby Grand wechselt für rund zwei Millionen Euro (1,74 Millionen Pfund) den Besitzer.

61 Länder registriert

Immer wieder brandete im Auktionsraum euphorischer Applaus auf, wenn der Hammer fiel. Auktionator und Sotheby‘s-Chairman Oliver Barker, der mit großem Durchhaltevermögen pausenlos die Bietenden animierte, war anschließend begeistert. „Heute Abend hat die Freddie-Mania London gepackt“, sagte Barker. „Und die Welt.“ Bieter aus 61 Ländern hatten sich registriert. Rund 2.000 Menschen waren im Internet dabei.

Die rund 1.400 Gegenstände, die noch bis Mittwoch versteigert werden, stammen aus Freddie Mercurys Privathaus in London, der „Garden Lodge“. Der Sänger hatte sie seiner langjährigen Freundin Mary Austin (72) vermacht, die sich nun von fast allem trennt. Ein Teil der Erlöse soll an gemeinnützige Stiftungen gehen, darunter der Mercury Phoenix Trust. Da Mercury selbst regelmäßig bei Sotheby‘s Dinge ersteigert habe, sei eine Auktion ganz in seinem Sinne, schrieb Austin im Vorwort eines Buchs zur Auktion.

Kritik an der Auktion

Doch nicht jeder ist begeistert. Queen-Gitarrist Brian May meldete sich kurz vor der Auktion bei Instagram zu Wort. Dass „intimste persönliche Gegenstände und Schriften“ von Freddie Mercury unter den Hammer kommen und „für immer verstreut“ werden, mache dem 76-Jährigen zu schaffen. „Ich kann mir das nicht anschauen“, schrieb May. „Für uns, seine engsten Freunde und seine Familie, ist es zu traurig.“

Für viele Fans hingegen war es faszinierend, einen Einblick in das Privatleben ihres Idols zu bekommen. In einer Ausstellung hatte Sotheby‘s zuvor den gesamten Nachlass präsentiert. 140.000 Menschen kamen, um sich die beeindruckende Sammlung von Kunst, Geschirr, edlen Möbelstücken, Kostümen und allerlei teuren Gegenständen anzusehen. „Freddies Leben zu zeigen, sein Privates und sein Öffentliches, das war unser Ziel“, sagt Vorstandsmitglied Franka Haiderer.

Nun solle laut Haiderer jeder die Möglichkeit bekommen, „ein Stück von Freddie zu erwerben“. Ein brasilianischer Unternehmer und Queen-Fan ersteigerte für rund 740.000 Euro (635.000 Pfund) die Krone und den Umhang, den Mercury bei der „Magic Tour“ und dem letzten Queen-Konzert in Knebworth 1986 trug. „Wenn die Leute sagen, dass Freddie Großbritannien gehört, ist das, glaube ich, ein Missverständnis“, so der neue Besitzer. „Er gehört der ganzen Welt.“ (APA/dpa)

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