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Mord, Vergiftung, Bestechung: Bulgariens Kirche im Chaos

(c) EPA / VASSIL DONEV
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Die bulgarischen Bischöfe sind vor allem mit sich selbst beschäftigt: Ein mächtiger Bischof wird des Mordauftrags bezichtigt.

Die bulgarische Kirche sieht sich erneut mit zahlreichen Skandalen konfrontiert. Nachdem im Vorjahr elf von 15 Bischöfen als Stasimitarbeiter enttarnt worden sind, tauchen nun in Bulgariens Medien ständig neue wüste Vorwürfe auf - darunter Bestechungen bei Kirchenwahlen, und nichts weniger als die Erteilung von Mordaufträgen und eine Vergiftung, wobei sich die Bischöfe teils gegenseitig beschuldigen.

Begonnen hatte das neue Ungemach für die bulgarisch-orthodoxe Kirche vergangene Woche mit einer Bischofswahl in Varna. Amtsinhaber Kiril war im Sommer im Schwarzen Meer ertrunken. Bei der Wahl für seinen Nachfolger in der "Heiligen Versammlung" - der bulgarischen Bischofskonferenz - protestierten Priester gegen angebliche Wahlmanipulationen und Wählerbestechungen. Die Wahl wurde daraufhin ohne Begründung abgesagt und auf Ende Dezember vertagt.

Kurz darauf sahen sich die Bischöfe Ende der Woche mit weiteren schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Zunächst behauptete der Vorsitzende der größten Gewerkschaft in Bulgarien, Konstantin Trentschew, dass der ertrunkene Bischof ihm von Morddrohungen berichtet hätte. Bischof Nikolaj von Plovdiv soll dem später ums Leben gekommenen Bischof Kiril gedroht haben. Auch in den Reihen der Bischöfe werden Mordverdächtigungen ausgesprochen. Weihbischof Ignatij beschuldigt ebenfalls den Bischof von Plovdiv, Auftraggeber des angeblichen Mordes an Kiril gewesen zu sein. Täter sollen laut dem Weihbischof mehrere Mönche gewesen sein sollen. Nikolaj wies sämtliche Vorwürfe in mehreren Zeitungsinterviews als grundlos zurück.

Bischof vergiftet?

Es ist nicht der einzige Verdacht, denn der Gewerkschafts-Chef äußerte. Auch ein anderer Bischof soll Opfer eines Mordkomplotts geworden sein. Der Bischof von Stara, Zagora Galaktion, sei vergiftet worden. Der zuständige Bischof von Plovdiv - jener Nikolaj, der selbst kirchenintern unter Mordverdacht steht - schaltete daraufhin die Oberstaatsanwaltschaft ein, um über eine mögliche Vergiftung zu ermitteln. Diese lehnte es jedoch ab, sich in Kirchenfragen einzumischen. Das Krankenhaus in dem Galaktion behandelt wird, erklärte am Montag allerdings, dass der Bischof keine Symptome einer Vergiftung aufweise und lediglich an einer schweren Lungenentzündung leide.

Während die Bischofskonferenz zu den Mord- und Vergiftungsvorwürfe keine offizielle Stellungnahme abgab, reagierte sie rasch in einer weiteren Causa - der Veröffentlichung eines pikanten Videos. Ein junger Mönch, der demnach bezahlten Sex mit jungen Burschen gehabt haben soll, wurde von der Bischofskonferenz vorübergehend suspendiert und eine interne Untersuchung wurde eingeleitet.

(APA)