Der Superlativ ist niemals genug

Warum es keine Auszeichnung ist, ein aktiver Mensch zu sein.

Es gibt Adjektive, die können sinnvollerweise nicht gesteigert werden: einzig etwa. Menschen oder Dinge werden nicht einzigartiger, nur weil sie superlativisch als die „einzigsten“ tituliert werden. Daneben gibt es Eigenschaftswörter, die gleichsam übersteigert werden: Aus aktiv wurde proaktiv. Wer proaktiv ist, gilt als aktiv und ist obendrein pro, also für etwas. Das impliziert Dynamik, Energie und Entschlossenheit.

Tatsächlich ist proaktiv eine Worthülse und damit ein Fall für die „Sprechblase“. Bewerber müssen auf ihre Aufgaben proaktiv zugehen, verlangen Stelleninserate. Wer lediglich aktiv ist, wirkt beinahe schon passiv. Auch in Politik und Unternehmen reicht Aktivität nicht aus: Alles muss proaktiv sein – vieles davon endet in Aktivismus oder Aktionismus.

Viktor Frankl hat das Wort proaktiv eingeführt, damit aber etwas ganz anderes gemeint: Verantwortung für sich, sein Leben und seine Handlungen zu übernehmen. Davon sind vorgeblich proaktive Mitarbeiter und Führungskräfte oft weit entfernt.

Die abschließende Empfehlung ist zwar nicht ganz neu, aber dringend: Proaktiv sollte nicht in den aktiven Wortschatz übernommen werden.

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