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Strafverfahren gegen Ex-Dayli-Chef Haberleitner

(c) EPA (HERBERT NEUBAUER)
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Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Linz führt Ex-Dayli-Chef Rudolf Haberleitner als Beschuldigten. Er soll Geld aus dem Unternehmen entnommen haben.

Linz/Wien. Es war eine der größten Pleiten der Republik, im Handel die größte Pleite seit jener des Konsums 1995. Der Niedergang der Drogeriekette Dayli (ehemals Schlecker) hinterließ einen Schuldenberg von 110 Mio. Euro und kostete 3500 Mitarbeiter ihren Job. 500 Filialen wurden allein in Österreich letztes Jahr zugesperrt.

Jetzt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Pleite für Ex-Dayli-Chef Rudolf Haberleitner ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Die Staatsanwaltschaft Linz führt Haberleitner seit einigen Wochen offiziell als Beschuldigten in einem Ermittlungsverfahren wegen betrügerischer Krida: „Derzeit wird geprüft, ob Herr Haberleitner Geld aus der Firma entnommen hat. Da geht es auch um die verschwundene Million“, sagt die Staatsanwältin Elisabeth Tavernaro.

Zur Erinnerung: Haberleitner behauptet, die Million sei seinem damaligen Geschäftsführer Martin Zieger in einer Bar in Udine entwendet worden, als jener sich dort mit einem angeblichen Investor getroffen habe. Im laufenden Verfahren geht es aber nicht nur um die verschwundene Million: „Wir ermitteln in alle möglichen Richtungen“, sagt Tavernaro. Die Anzeige, die Anlass für die Ermittlungen gegeben habe, sei bei der Staatsanwaltschaft anonym eingegangen, und zwar über die Whistleblower-Homepage des Justizministeriums.

 

„Gemeine Heuchelei“

Haberleitner, der vor zwei Wochen von der Staatsanwalt Linz um eine Stellungnahme zu den Beschuldigungen gebeten wurde, bereitet laut eigenen Angaben gerade mit seinen Anwälten einen umfassenden Gegenangriff vor: „Wir wollen die wirklichen Täter dingfest machen. Deshalb werden wir gegen fünf Personen Anzeige erstatten, die Dayli mit gemeiner Heuchelei mutwillig sabotiert haben“, sagt Haberleitner. Die Namen der betroffenen Personen nennt er nicht.

Der Vorwurf, Haberleitner habe den Kofferraub in Udine inszeniert, um sich das Geld selbst unter den Nagel zu reißen, sei infam. Auch schlechte Unternehmensführung könne man ihm nicht vorwerfen, findet Haberleitner – Gläubigerschützer und der Masseverwalter Rudolf Mitterlehner hatten mehrmals laut über den Vorwurf der Konkursverschleppung nachgedacht. „Für den operativen Bereich waren andere zuständig. Ich war immer nur als Sprecher des Unternehmens aktiv“, rechtfertigt sich Haberleitner.

Trotz allen Ungemachs verfolgt Haberleitner immer noch beharrlich den Plan eines Relaunches von Dayli. Er hat sich die Unternehmensanteile, die er Martin Zieger abgetreten hatte, wieder zurückgeholt und ist somit wieder Eigentümer der insolventen Drogeriekette. Das bringt ihm allerdings wenig, die operativen Rechte liegen gänzlich beim Masseverwalter Rudolf Mitterlehner. Dieser ist laut Haberleitner einer der Übeltäter, die Dayli zugrunde gerichtet haben: „Wir haben ihm immer wieder attraktive Angebote gemacht, aber er ist nicht darauf eingegangen. Er hat gefordert, dass wir das Geld überweisen, bevor der Deal abgeschlossen ist. Das ist doch unmöglich.“

 

Warten auf Beweismittel

Mitterlehner sieht diese Anschuldigungen gelassen: „Ich warte jetzt erst einmal ab, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben und welche Beweismittel wir dann in der Hand haben.“

Eine ungefähre Vorstellung, worum es sich da handeln könnte, hat Mitterlehner natürlich, will sich aber nicht öffentlich dazu äußern: „Ich bin für die zivilrechtlichen Belange zuständig, laufende strafrechtliche Ermittlungen kommentiere ich nicht.“ Inzwischen arbeiten Mitterlehner und sein Team weiter an der Abwicklung von Dayli. Die Mietverhältnisse für die Standorte sind mehrheitlich aufgelöst. Einer der Käufer der Ladeneinrichtung war übrigens Haberleitner selbst. Dazu hat er sich noch etliche Mietoptionen gesichert: „Ich habe 380 Mietoptionen von ehemaligen Dayli-Standorten beisammen und auch Inventar aus der Masse gekauft.“

 

Neuer Geschäftsführer

Haberleitner glaubt nach wie vor an das Konzept des Allround-Greißlers in strukturschwachen Orten. Schweizer und deutsche Investoren stünden schon in den Startlöchern, um Dayli neues Leben einzuhauchen. Dass der Ruf der Marke Dayli ein für alle Mal kaputt ist, findet Haberleitner nicht.

Als neuen Geschäftsführer hat Haberleitner Mitte Februar Peter Gerdl eingesetzt. Gerdl ist Geschäftsführer der „100% Quality Erzeugung und Vertrieb GmbH & Co. KG“ in Neusiedl am See und der EU.Innovation GmbH in Wien.

AUF EINEN BLICK

Dayli-Insolvenz. Mit Schulden von 110 Millionen Euro, 5500 gekündigten Mitarbeitern und 500 geschlossenen Filialen war die Pleite von Dayli 2013 eine der größten der Republik. Ex-Dayli-Chef Rudolf Haberleitner wird jetzt von der Staatsanwaltschaft Linz als Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren wegen betrügerischer Krida geführt. Er soll Gelder aus der Firma entnommen haben. Unter anderem die Million, die in Italien verschwand.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2014)