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E-Zigaretten: Was erlaubt ist

Einsteins Dampfbar setzt Trend zum Nichtraucherlokal der Zukunft - 140 verschiedene E-Zigaretten kostenlos probieren
(c) Einstein - das geniale Lokal.
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Dampfen statt rauchen wird immer beliebter, weil Rauchverbote für E-Zigaretten nicht gelten. Trotzdem gibt es Einschränkungen. Während New York die E-Zigarette verboten hat, wird in Österreich (vorerst) der Status quo bleiben.

Wien. Johnny Depp macht es. Leonardo DiCaprio auch. Und Charlie Sheen wurde von den kanadischen Behörden bei seinen öffentlichen Auftritten zuletzt sogar dazu gezwungen, damit er nicht zur Zigarette greift. Sie rauchen E-Zigarette. Besser gesagt, sie dampfen – wodurch viele negative Effekte der herkömmlichen Zigarette wegfallen, die Nikotinsucht aber trotzdem befriedigt wird.

Dampfen statt rauchen wird immer beliebter. Auch bei Nichtrauchern, die E-Zigaretten ohne Nikotin, dafür in verschiedenen Geschmacksrichtungen, verwenden. Aber dürfen E-Zigaretten wirklich in Nichtraucherbereichen gedampft werden? Sind sie unbedenklich? Leiden Passivraucher?

Rechtlich sei die Lage klar, heißt es im Gesundheitsministerium. E-Zigaretten ohne Nikotin unterliegen keinen Beschränkungen, dürfen frei in Österreich verkauft und ohne gesetzliche Einschränkungen in Nichtraucherzonen verwendet werden. Dasselbe gilt für E-Zigaretten mit Nikotinersatzstoffen, wie sie in Österreich verkauft werden, beispielsweise in der neuen „Dampfbar“ im Lokal Einstein beim Rathausplatz, wo seit Kurzem 140 verschiedene E-Zigaretten und Füllungen getestet werden können – bis zu 60 E-Zigaretten werden dort täglich verkauft.

Komplizierter wird es bei E-Zigaretten mit Nikotinfüllungen, wie es sie im Internet oft zu kaufen gibt. In diesem Fall gilt die E-Zigarette als Inhalator (Medizinprodukt), die Nikotinfüllung als Arzneimittel. Diese E-Zigaretten müssen für den Verkauf in Österreich ein Zulassungsverfahren durchlaufen – was kein Hersteller bisher unternommen hat. Diese E-Zigaretten sind oft im Internet erhältlich, in Österreich aber illegal. Was bleibt: E-Zigaretten dürfen laut Tabakgesetz überall, auch in Nichtraucherbereichen, verwendet werden. Außer ein Unternehmer besteht auf seinem Hausrecht und verbietet sie explizit. In der Praxis stoßen sich Wirte nicht an der E-Zigarette im Nichtraucherbereich, es gibt nach „Presse“-Erfahrungen kaum Probleme weil der Dampf geruchlos ist und E-Zigaretten (im Gegensatz zu Zigaretten) nur dampfen, wenn sie benutzt werden. Wilhelm Turecek, Wiener Spartenobmann der Gastronomie, weiß nur von Einzelfällen, in denen es Diskussionen gab – weil Wirte bzw. Nichtraucher den Dampf mit Zigarettenrauch verwechselt hatten. Jeder Unternehmer müsse selbst entscheiden, ob er E-Zigaretten zulasse, so Turecek.

 

In Verkehrsmitteln verboten

Trotzdem gibt es Einschränkungen. De facto alle Fluglinien, die ÖBB und die Wiener Linien haben die Benutzung von E-Zigaretten an Bord verboten – weil Rauch in der Kabine grundsätzlich verboten ist, heißt es bei der AUA. Die ÖBB argumentieren, dass „der Wasserdampf (der E-Zigarette, Anm.) mitfahrende Fahrgäste stören“ könnte. Bei den Wiener Linien herrscht überhaupt ein totales Rauchverbot, dort wird die Vorbildwirkung des Nichtrauchens betont. Mit demselben Argument verbieten die Wiener Bäder die E-Zigarette künftig in allen Hallenbädern. Hintergrund dieser Verbote: Niemand kann sofort sehen, ob die aufsteigenden Rauchschwaden von einer Zigarette, einer E-Zigarette oder von einem Feuer kommen. Die ständige Kontrolle, etwa an Bord eines Verkehrsmittels, wäre also ein enormer Aufwand und für das Personal zeitlich nicht administrierbar.

Während New York die E-Zigarette verboten hat, wird in Europa und Österreich (vorerst) der Status quo bleiben: Derzeit gebe es wissenschaftlich widersprüchliche Studien über die Risken von E-Zigaretten, heißt es im Ministerium. Sobald es klare Erkenntnisse gebe, ob E-Zigaretten wirklich gesundheitsgefährdend sind, werde man sich dieses Themas annehmen.

Die Österreichische Ärztekammer will den Trend zur E-Zigarette nicht kommentieren, „weil es noch keine ausreichenden Erfahrungen damit gibt“. Im Herbst werden Lungenfachärzte bei einem Treffen darüber diskutieren.

Fakt ist: E-Zigaretten enthalten kein Teer, durch das Verdampfen dürften viele Giftstoffe nicht entstehen, die beim Verbrennen von Tabak freigesetzt werden, Studien weisen auch auf keine Gesundheitsgefährdung für Passiv-Dampfraucher hin. Das führt dazu, dass nach „Presse“-Recherchen nicht wenige Ärzte rauchenden Patienten zum Umstieg raten – falls diese es nicht schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Wobei der Trend zur E-Zigarette als Lifestyle-Produkt immer skurrilere Züge annimmt. Eine niederländische Firma brachte nun eine Design-E-Zigarette auf den Markt, mit der man auch telefonieren und Musik hören kann. (stu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2014)