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Wer weiß, woher das Wort Gschnas kommt?

Der Tiger King war eine Zeit lang beliebt als Kostüm für ein Gschnas.
Der Tiger King war eine Zeit lang beliebt als Kostüm für ein Gschnas.Viktoria Riegler
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Sagen Sie niemals Faschingsparty dazu: Über die Wurzeln eines urwienerischen Begriffs.

Sagt man das heute eigentlich noch? Ein bisschen Patina schwingt schon mit, wenn man heute davon spricht, dass man auf ein Gschnas geht. Allerdings ist das Wort einfach um so viel aussagekräftiger als etwa Kostümball oder Faschingsparty. Bei Gschnas weiß man, dass es nicht um Etikette geht, sondern dass man einfach ungezwungen den Fasching begeht. Allein, warum sagt man eigentlich Gschnas dazu? Gut, dass Sie fragen, darüber wollte ich ohnehin gerade dozieren.

Manche erinnern sich vielleicht noch an die Zeit, als man im Mittelhochdeutschen mit „sneise“ eine Reihe von gleichartigen Dingen bezeichnete. Daraus entwickelte sich das „Geschneise“, das vor allem wertloses Zeug bezeichnete, etwa Baumreisig, aber auch Schnüre oder Fäden. Das umgangssprachliche „Gschnas“ wurde in der Wiener Mundart später unter anderem für wertlose Kunsterzeugnisse verwendet, aber auch für Blendwerk oder unechtes Zeug.

Gut und schön, aber was hat das mit einem Faschingsfest zu tun? Die naheliegendste Variante ist die, dass man sich eben mit allerlei zerschlissener, abgetragener Kleidung kostümiert hat und so zum Gschnas gegangen ist – der ebenfalls sehr österreichische Begriff Fetzenball beschreibt dasselbe Phänomen.

Die ersten Gschnase fanden in Wiens Künstlerszene statt. So lud die Genossenschaft der Bildenden Künstler Wien am 24. Februar 1868 zum Fest und verwendete dafür auf der Eintrittskarte den Begriff „Gschnas“. Prominente wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Kokoschka und viele mehr warfen sich dafür in Kostüme. Bis in die 1960er-Jahre war das Künstler­gschnas im Künstlerhaus ein gesellschaftliches Highlight, ehe es 1984 zum letzten Mal begangen wurde – mit dem kurzen Versuch eines Revivals 2011. Tja, und wer geht heute noch auf ein Gschnas? Und sagt man das heute eigentlich noch?

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

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