Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Mode, intern: Neue Plattform, alter Streit?

(c) Plastic Media
  • Drucken

Mit Mitte September stellt sich das neue Designer-Netzwerk „Austrian-Fashion.Net“ vor – mit Buch und Homepage. Nicht alle sind darüber begeistert.

Man wusste es schon länger, aber jetzt ist es also raus: Es gibt – konkret ab Mitte September – ein handliches Büchlein namens Austrian Fashion Guide. Und es gibt allerhand Aufregung darum. Warum? Das versteht keiner, der nicht ein bisschen mit der heimischen Modeszene zu tun hat. Denn was ist dabei? Die von der Wirtschaftskammer, Kulturministerium, Wien-Tourismus und Departure gesponserte Publikation präsentiert einige (eigentlich recht viele: 23) der österreichischen Designer, die in Paris bei den Prêt-à-porter-Femme-Schauen ausstellen. Das Buch, erschienen im plastic-media-Verlag (Indie-Magazin) soll als Wegweiser für internationale Presse und Kunden vor Ort funktionieren.

Das Pikante dabei ist das Netzwerk im Hintergrund, die neue Designer-Plattform AustrianFashion.net, die nun in die Öffentlichkeit tritt. Pikant deswegen, weil es mit der Modeförderstelle Unit F., die auch das Fashion-Festival ausrichtet, ja schon eine offizielle Organisation gibt, die sich um Designer kümmern soll. Und die jetzt den Aufbau von Parallelstrukturen fürchtet: „Das wäre unsinnig, Geldverschwendung“, sagt Katrin Seiler von Unit F. Wobei: „Natürlich stimmt es auch, dass wir nicht alles abdecken können. Insofern ist diese neue Plattform schon wieder gut“ (Obwohl: Die Idee mit dem Fashion Guide hätte man auch gehabt – aber zu spät).


Tatsächlich will Unit F. zwar alle Designer beraten, fördert aber bewusst selektiv – keine Gießkanne, heißt das Motto. Der Schwerpunkt liegt – zumindest bei den jährlichen Preisen – auf international tätigen Designern, die auf einem hohen Niveau arbeiten. Das gefällt nicht allen, ein schon alter Konflikt in der Modeszene.

AustrianFashion.Net hingegen positioniert sich basisdemokratisch „offen für alle“. „Wir fühlen uns auch ohne Selektion wohl“, betont einer der Ko-Initiatoren, Schmuckdesigner Florian Ladstätter. Entwickelt hat sich das Netzwerk aus Designertreffen, die der Verein „we showroom paris now“ (Ladstätter, Eva Blut, Sonja Bischur, Claudia Rosa Lukas, Wolfgang Langeder, Simone Springer) vor einem Dreivierteljahr gestartet hat.

In Wiener Cafés kamen alle zwei Monate zirka 50 Leute zusammen, um „job-relevant“ zu plaudern. Ladstätter: „Da geht's einerseits um eine Art Familiengefühl, anderseits um wirtschaftliche Sachen, zum Beispiel, wie man Kunden erreicht, wo man produziert, Dinge, die Leute wirklich interessieren.“ Ziel ist, dass sich die Designer gegenseitig helfen, für Projekte zusammenfinden. „Wir vergeben keine Mittel, sondern wollen zur Selbsthilfe anregen“, sagt Ladstätter. Und: „Da werden keine coolen, sexy Ideen umgesetzt, eher praktische, unspektakuläre.“


Institutionalisiert werden diese Treffen durch einen E-Mail-Verteiler und ab Mitte September durch eine Homepage. Geplant sind ein Blog, eine Suche-Biete-Funktion und ein redaktioneller Teil. Ob es wirklich zu einem Austausch der Designer kommt, wird von Seiler bezweifelt: „Das sind Informationen, die sich Designer teilweise sehr hart erarbeiten. Ich weiß nicht, ob zum Beispiel ihre Produktionsstätten weitergegeben werden. Ich denke, dass dieses Netzwerk eher etwas für noch junge Designer ist.“

Dass auf der Guide-Launch-Party im September die „Konkurrenz“ vorbeischaut, darf derzeit jedenfalls bezweifelt werden. Aber vielleicht klappt es ja mit friedlicher Ko-Existenz. Denn dass die Designer nun selbst zwischen den Stühlen sitzen, kann wohl nicht im Sinne der vielen alten und neuen Förderer sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2007)