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Raumfahrt: Krebsgefahr auf Mars-Flug

(c) EPA (Stefan Zaklin)
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Stephen Hawking träumt dennoch von Eroberung des Weltraums.

WASHINGTON/WIEN. Mit einer großen Vision meldet sich der legendäre britische Astrophysiker Stephen Hawking zu Wort: Die Menschheit sei reif für eine neue Ära der Eroberung des Alls, er verglich sie mit Kolumbus' Reise nach Amerika: „Die Lage heute ist wie vor 1492“, sagte Hawking (66), den das Nervenleiden ALS seit Jahrzehnten an den Rollstuhl fesselt und der sich nur durch einen Sprachcomputer äußern kann.

„Viele mäkelten, dass es ein teurer Spaß sei, Kolumbus auf Wildgans-Jagd zu schicken, aber die Entdeckung der neuen Welt hatte massive Folgen auf die alte. Die Ausbreitung im All wird einen noch größeren Effekt haben: Sie wird die Zukunft unserer Rasse verändern und vielleicht bestimmen, obwir eine haben“, so Hawking, der an den Bau von Antrieben für Flüge außerhalb unseres Sonnensystems binnen 300 Jahren glaubt.

Freilich stehen schon die ersten Schritte (so planen Nasa und ESA bemannte Flüge zum Mars) vor einem großen Problem: Laut Studie der Georgetown University (Washington) drohen Astronauten auf Langstreckenflügen ein hohes Risiko von Krebs (vor allem im Dickdarm) und rasche Alterung. Grund: Die hochenergetische Partikelstrahlung im All aus Elektronen, Neutronen, Protonen und Atomkernen (z. B. Eisen), die von Supernovaexplosionen und der Sonne emittiert wird. Sie schädigt die DNA und schlägt Elektronen aus Atomen bzw. Molekülen, sodass diese zu zellschädigenden „Radikalen“ werden, die man auch über bestrahltes Essen und Luft aufnimmt. Die Gefahr war bekannt, ist nun aber näher bestimmt: In der Studie wurden Mäuse der Strahlung ausgesetzt; viele hatten danach massive Radikalen-Konzentrationen vor allem im Darm –, und ihr Fell wurde weiß.

Bisher kamen nur die „Apollo“-Astronauten der 70er-Jahre für wenige Tage in diese Partikelstrahlung, da sie am Weg zum Mond das Erdmagnetfeld verließen, das sie abblockt; gesundheitliche Folgen wurden nie klar bewiesen. Laut Nasa könnte aber auf einer Mars-Expedition (Dauer 1,5 Jahre) das Risiko, an Krebs zu sterben, auf 40% steigen.


Alte Astronauten als Pioniere?

Leider sind Raumkapseln schwer strahlenfest zu machen, da Aluminium maximal die Hälfte „schluckt“. Besser wären Kunststoffe, da sie Wasserstoff enthalten, der Partikelstrahlung besser bremst. Man könnte Raumschiffe mit Tanks aus Wasser oder flüssigem Wasserstoff umgürten, doch würden sie dann extrem schwer. Daher wird überlegt, ob zumindest der erste Marsflug nicht von eher alten Astronauten absolviert werden soll: Sie stünden dem Tod sowieso näher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2008)