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EZB: Zinssenkung praktisch fix

EZB, Leitzins
(c) APA/EPA/MAURITZ ANTIN (MAURITZ ANTIN)
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Euro-Leitzins dürfte nicht ganz auf null sinken. IWF-Chefin verlangt Einsatz des „gesamten Werkzeugkastens“, um Deflation zu verhindern.

Lissabon. Am kommenden Donnerstag tritt die EZB in Frankfurt zu ihrer nächsten Sitzung zusammen – und dass es diesmal Bewegung bei den Zinsen geben wird, steht jetzt so gut wie fest. Gestern, Montag, wies EZB-Chef Mario Draghi bei einer Notenbank-Konferenz in Sintra nahe Lissabon erneut auf das Risiko niedriger Inflationsraten hin. Die EZB werde sich „nicht damit abfinden, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt“, sagte Draghi.

Aus der schwurbeligen Notenbanker-Sprache übersetzt heißt das: „Wir müssen handeln, und zwar schnell.“ Die Inflation ist im Euroraum seit Monaten sehr niedrig. Zuletzt betrug die Teuerung über den gesamten Euroraum gerechnet 0,7 Prozent. In Österreich ist sie allerdings mehr als doppelt so hoch. Die EZB befürchtet ein Abgleiten in die Deflation. Einige südeuropäische Krisenstaaten stecken praktisch schon in einer Deflationsspirale. Das Inflationsziel der Euro-Notenbank liegt bei zwei Prozent.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sagte bei der Tagung, die Notenbanken müssten zur Stabilisierung der Lage nun „den gesamten Werkzeugkasten ausschöpfen“. Ganz plant das die EZB zwar offensichtlich noch nicht, Draghi dürfte aber doch sehr tief in die Kiste greifen.

So gut wie fix ist eine Senkung des Euro-Leitzinssatzes, der gerade noch bei 0,25 Prozent liegt. Allerdings dürfte die EZB hier noch nicht das ganze Pulver verschießen und nicht auf null, sondern auf 0,15 Prozent gehen. Das wäre eher ein symbolischer Schritt.

Eingeführt werden dürften aber erstmals auch Strafzinsen für Einlagen bei der EZB. Derzeit bunkern die europäischen Banken trotz Nullzinsen dreistellige Milliardenbeträge bei der Zentralbank. Künftig werden sie dafür etwas zahlen müssen. Die EZB hofft, so die europaweit schwer lahmende Kreditvergabe der Banken wieder in Schwung zu bringen. Besonders in Südeuropa ist es für Unternehmen weiterhin sehr schwer, an Kredite zu kommen. Allerdings ist in vielen Ländern konjunkturbedingt auch noch die Kreditnachfrage relativ schwach. Dies sei „in konjunkturellen Frühphasen nicht ungewöhnlich“, so der Chef der Euro-Notenbank.

Weiter im Köcher behalten dürfte die EZB das Instrument der Staatsanleihenkäufe, mit dem beispielsweise die Amerikaner Unsummen an Liquidität in das System pumpen. (red./ag.)