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Wie Brasilien den Urwald retten will

Amazonas
Amazonas(c) ORF (National Geographic)
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Brasilien ist es gelungen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und die Rodung des Regenwalds im Amazonas für immer größere Anbauflächen zu verlangsamen.

Wien. Noch bevor nächste Woche die Fußball-WM in São Paulo angepfiffen wird, ist Brasilien bereits Weltmeister: Kein anderes Land hat es in den vergangen Jahren geschafft, seine Treibhausgasemissionen so erfolgreich zu verringern wie das Land am Amazonas.

Brasiliens Bauern und Viehzüchter haben seit 2004 weitgehend auf weitere Rodung im Amazonasgebiet verzichtet – und trotzdem ihre Produktion, in erster Linie von Soja und Rindfleisch, gesteigert. Die existierenden Produktionsflächen konnten besser genutzt werden. Das geht aus einer Studie hervor, die von 17 Wissenschaftlern aus den USA und Südamerika erstellt und in Science (344, S.1118) publiziert wurde.

Seit 2004 konnten in Brasilien 86.000 Quadratkilometer Regenwald – das sind laut Studie 14,3 Millionen Fußballfelder bzw. entspricht mehr als der Fläche Österreichs – vor Abholzung bewahrt werden. Das bedeutet ein Minus der Rodungen von 70 Prozent. Dadurch wurde die Emission von 3,2 Milliarden Tonnen CO2 verhindert. Der Rückgang der Schlägerungen bewirkte im Jahr 2013 eine Verringerung der globalen Kohlendioxidemissionen um 1,5 Prozent. „Zum Erfolg hat ein Mix an Maßnahmen geführt“, erklärt Toby McGrath, einer der Studienautoren.

Bis 2004 wurden in Brasilien große Flächen Regenwald gerodet, um für den Sojaanbau Platz zu machen. Der boomende Sojamarkt ließ die lokale Wirtschaft gedeihen. Zwar gab es Auflagen und Gesetze gegen die rasch voranschreitende Schlägerung, eingehalten wurden diese aber nicht. Als zwischen 2005 und 2007 Soja weniger profitabel wurde, war die Zeit für neue Strategien reif: Die großen Konzerne, die Sojabohnen aus dem Amazonasgebiet kauften, verständigten sich auf das „Amazonas-Abkommen“; sie verlangten von ihren Lieferanten, nur jene Anbauflächen zu nutzen, die schon vor 2006 existierten. Die Bauern wurden so angehalten, ihr Land effektiver zu bestellen.

2008 ging die Regierung einen Schritt weiter: Nicht nur einzelne Bauern sollten auf Rodungen verzichten, Agrarsubventionen wurden an die Performance einer ganzen Kleinregion gekoppelt. Gleichzeitig wurden Kontrollen durchgeführt, aber auch mehr Waldflächen unter Schutz gestellt. Der Erfolg: Die Rodung des Regenwalds konnte innerhalb von acht Jahren um 70 Prozent verlangsamt werden.

 

Neue Anreize nötig

Auch wenn die Maßnahmen der vergangenen Jahre Erfolg zeigen, warnen die Studienautoren: Der Hunger nach Soja und Rindfleisch wird größer. Daher seien weitere, innovative Anreizmodelle nötig, um die Amazonasbauern vom Kahlschlag der Wälder abzuhalten. (zoe)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2014)