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Finanzdebakel: Telekom im Visier der Finanzmarktaufsicht

A woman makes a phone call behind a sign of Telekom Austria in Vienna
REUTERS
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Hat die Telekom zu spät über die Probleme in Bulgarien, die einen hohen Verlust verursachen, informiert? Das untersucht die FMA genauso wie einen möglichen Verstoß von Aufsichtsratsvize Ronny Pecik.

Wien. Das riesige Finanzloch in Bulgarien, das einen Wertberichtigungsbedarf bei der Mobilfunktochter Mobiltel von 400 Mio. Euro erfordert, beschert der Telekom Austria heuer nicht nur einen Bombenverlust von bis zu 300 Mio. Euro. Das Debakel hat auch ein rechtliches Nachspiel. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat umgehend eine Untersuchung wegen der mutmaßlichen Verletzung der Ad-hoc-Pflicht durch die Telekom eingeleitet. Dies bestätigte FMA-Sprecher Klaus Grubelnik der „Presse" am Donnerstag. Die FMA geht der Vermutung nach, dass die Probleme in Bulgarien nicht erst seit Anfang dieser Woche bekannt sein können und die Telekom deshalb viel früher hätte informieren müssen.

In der Tat ist es kein Geheimnis, dass die Wirtschaftskrise in Osteuropa, so auch in Bulgarien, der Telekom seit Längerem zu schaffen macht. Schon im Vorjahr fiel die Zahl der Mobilfunkkunden um 7,4 Prozent, das operative Ergebnis (Ebitda) sank um 23,5 Prozent, der Umsatz um 14,8 Prozent. Konzernchef Hannes Ametsreiter zog schon im Herbst erste Konsequenzen und tauschte den ganzen Mobiltel-Vorstand aus.

Zu spät informiert?

Ein Impairment - die nach den Bilanzierungsregeln IFRS vorgeschriebene Überprüfung der Werthaltigkeit von Anlagen und Vermögensgegenständen sowie Beteiligungen - wurde zwar schon für den Jahresabschluss 2013 vorgenommen. Es war aber möglicherweise nicht tiefgreifend genug. Heuer setzt sich die Erosion in Bulgarien nämlich fort. Dazu kommt, dass sich die Kapitalkosten erhöht haben. Weil inzwischen klar ist, dass auch der Businessplan für die Mobiltel nicht zu halten ist, hat der neue Finanzvorstand, Siegfried Mayrhofer, nun Alarm geschlagen und zu Wochenbeginn den Aufsichtsrat informiert. Im Konzern selbst wird kolportiert, dass von Problemen schon im Februar die Rede gewesen sei. Damals war noch Hans Tschuden Finanzvorstand. Es wurde allerdings gerade über seine vorzeitige Ablöse verhandelt, die letztlich Ende Mai vollzogen worden ist. Die Telekom hätte übrigens angesichts solcher Schwierigkeiten einen Aufschub der „unverzüglichen Veröffentlichung" beantragen können, erklärt Grubelnik. Der Konzern hat das dem Vernehmen nach allerdings nicht getan.

Die Telekom steht aber nicht nur wegen des Bulgarien-Desasters unter Beschuss: Eine zweite Untersuchung der FMA richtet sich gegen Investor Ronny Pecik, den Aufsichtsrats-Vizepräsidenten der Telekom. Pikanterweise geht es um jenes Schreiben Peciks an Regierungsvertreter, in dem er über den Zustand der Telekom schrieb, sie befinde sich in einer „Todesspirale". Diese Einschätzung untermauerte er mit Zahlen, die erst später veröffentlicht worden sind. Die FMA prüft daher, ob eine Verletzung der Verschwiegenheitspflicht und die Weitergabe von Insiderinformationen vorliegen. Routinemäßig würde laut Grubelnik bei allen Fällen auch ein Insiderhandel überprüft. Am Mittwoch und Donnerstag bewegte sich der Telekomkurs nur marginal.

Pecik, dessen Einschätzung jetzt angesichts der Mobiltel-Zores mehr als zutreffend scheint, hat seit Beginn seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat den Finger auf die Wunden des Konzerns gelegt. So kritisierte er die hohen Dividenden scharf und setzte schließlich eine drastische Kürzung durch - obwohl er selbst als Aktionär von einer hohen Ausschüttung profitiert hätte.

Syndikatsvertrag unter Beschuss

Dann läuft noch ein drittes Verfahren bei der FMA: Die Arbeiterkammer (AK) Wien hat, wie von Direktor Werner Muhm angekündigt, eine Anzeige gegen die Telekom bei der FMA eingebracht. Dabei geht es um den Vorwurf einer unvollständigen Ad-hoc-Meldung - diesmal zur ÖIAG-Aufsichtsratsentscheidung über den Syndikatsvertrag mit America Movil. Wie berichtet ist der Beschluss nur zustande gekommen, weil Aufsichtsratschef Peter Mitterbauer aus dem Urlaub zurückgeholt worden war. Damit seien sieben der 15 Aufsichtsräte anwesend gewesen - aus Sicht der ÖIAG genügend, nach Meinung der AK nicht. Sie sieht die Beschlussfähigkeit erst bei acht Mitgliedern und stützt sich auf ein Gutachten der Kanzlei Gahleitner. Die Telekom steht in diesem Fall nicht direkt im Schussfeld, sondern die ÖIAG, aber sie ist der betroffene börsenotierte Konzern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2014)