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Arme Ärzte, reiche Ärzte

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Wie viel verdienen Mediziner wirklich? Technische Fächer sind lukrativer.

WIEN(mon/c.d.) Richtiggehend läppisch wirken die Einzelhonorare, die niedergelassene Ärzte den Kassen für ihre Leistungen verrechnen dürfen: oft nur einstellige Euro-Summen, selten mehr als eine zweistellige Zahl.

Doch die Summe macht's. Mediziner zählen in der österreichischen Bevölkerung zu den Top-Verdienern, wie erst kürzlich der Einkommensbericht des Rechnungshofes nachgewiesen hat. Geschätzt wurde das steuerpflichtige Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit. Innerhalb der Mediziner führen Fachärzte diese Liste mit 113.184 Euro Bruttogehalt an. (Wobei übrigens Männer doppelt so viel Einkommen haben wie ihre weiblichen Kolleginnen in diesem Segment). Das durchschnittliche Zahnärzte-Bruttoeinkommen beträgt 96.141 Euro, das der Allgemeinmediziner 78.763 Euro.

Betrachtet man die Umsatzzahlen der niedergelassenen Ärzte, sind die technischen Fächer am lukrativsten (sie haben aber natürlich auch höhere Aufwendungen, mehr Personal, mehr Geräte): Am meisten zahlen die Kassen für Labors, physikalische Therapie und Röntgen. Ein Labor-Vertragsarzt hatte 2006 1.369.170 Euro Umsatz, ein Augenarzt zum Beispiel 288.549 Euro, ein Praktiker 230.834 Euro (ohne Nebentätigkeiten).


43,63 Euro pro Fall

Pro Fall erhielt ein Allgemeinmediziner 2006 von Gebiets-, Betriebs- und Bauernkassen im Österreich-Schnitt 43,63 Euro überwiesen, in Wien am wenigsten, in Niederösterreich am meisten. Fachärzte verdienen pro Fall am besten in Vorarlberg (65,68 Euro), am wenigsten in Oberösterreich (49,76 Euro).

Vergleiche mit Umsatzzahlen seien aber mit Vorsicht zu genießen, meint Günther Wawrowsky, Vorsitzender der Kurie der niedergelassenen Ärzte in der österreichischen Ärztekammer. „Ich als Internist habe meinen Umsatz durch ein großes Angebot.“ Er müsse allerdings auch sechs Angestellte und einige Praktikanten bezahlen. Andere Ärzte hätten weniger Personal und eine geringere technische Ausstattung, weniger Umsatz, aber deswegen vielleicht auch nicht weniger Einkommen. Das hänge alles vom Geschick und Organisationstalent des Arztes ab. „Ich habe alle zehn Minuten jemand anderen mit seinen Sorgen vor mir sitzen, länger kann ich mir nicht Zeit nehmen. Sonst schaff' ich den Umsatz nicht.“

Wawrowsky sieht allerdings auch strukturelle Probleme, durch die es in manchen Regionen schwer werde, als Arzt ein gesichertes Einkommen zu erlangen. Das hängt von den Verträgen mit den einzelnen Kassen und auch vom Einkommen und der Dichte der Bevölkerung ab. „Für Allgemeinmediziner ist die Struktur in Niederösterreich zum Beispiel besser als in Wien“, so Wawrowsky. Dennoch könnte ein Praktiker im nördlichen Waldviertel ohne Hausapotheke nicht überleben. Aber auch in Wien sieht's nicht überall gut aus. „Im bevölkerungsreichen zehnten Bezirk ist es sicher leichter als im neunten, wenn nur Büros um einen sind.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2008)