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Heimat ohne Töchter

Seit Jänner 2012, also doch schon seit einiger Zeit, gilt in Österreich die neue Bundeshymne. Seit Jänner 2012 werden nicht nur die großen Söhne, sondern auch die großen Töchter besungen.

Seit Jänner 2012, also doch schon seit einiger Zeit, gilt in Österreich die neue Bundeshymne. Seit Jänner 2012 werden nicht nur die großen Söhne, sondern auch die großen Töchter besungen. Damals wurde die Änderung der Textzeile kontrovers und ernst diskutiert, doch auch diese Debatte schlief irgendwann ein. Bis der Volks-Rock'n'Roller Andreas Gabalier kam, die Töchter ignorierte und die hitzige Diskussion über die Hymne wieder anzündete.

Die Folgen sind durchaus bemerkenswert. Ein Facebook-Posting von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, mit dem sie auf die Töchterzeile hinweist, hat einen beispiellosen Shitstorm ausgelöst. Über 15.000 Kommentare wurden hinterlassen, wobei die Ministerin auch beschimpft und beleidigt wurde. Die Morddrohungen wurden inzwischen gelöscht.

Man muss sich fragen, ob diese Hasswelle tatsächlich mit der Änderung der Hymnenzeile zusammenhängt. Wie viele dieser Facebook-Helden haben sich ernsthaft mit der Hymne beschäftigt? Der Shitstorm zeigt doch viel eher die mangelnde Sensibilität und das Ignorantentum der Social-Media-Nutzer gegenüber den Töchtern ihres Landes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2014)