Mit Rückenwind und E-Antrieb

Schlemmerreise Alpen 'Von Venedigs Lagune in die Dolomiten'
(c) ORF

Venetien. Mit dem E-Bike durch weniger bekanntes Terrain: Von Abano Terme nach Arquà Petrarca, Padua, Chioggia oder die Insel Pellestrina radelt man fast immer an weitverzweigten Wasserwegen entlang.

Man hört Venetien, denkt sofort an Venedig, aber nicht an die knapp 60 Kilometer entfernte kleine Schwester, die Lagunenstadt Chioggia, die erste Salzgewinnungsstätte der Republik Venedig. Doch gerade in diese interessante Stadt führen uns Radferien mit dem E-Bike, und hier gleich ins Herz Chioggias, den Fischmarkt. Dieser hat täglich außer montags geöffnet – „am Sonntag gehen die Fischer zur Messe und fahren daher nicht aufs Meer hinaus“, erklärt Guide Michaela, die in der Stadt selbst alle Wege mit dem Fahrrad erledigt.

Der ausgeschilderte Stadtradweg führt über Brücken und Kanäle nach Sottomarina, wo noch vor 75 Jahren die Wellen an die alte Hafenmauer brandeten und heute Wohnhäuser stehen. „Zeitzeugen wie mein Vater haben seit 1935 beobachtet, wie sich das Meer immer weiter zurückzieht und einen 500 Meter breiten, fünf Kilometer langen feinen Sandstrand formt“, schildert sie das Naturphänomen.

Chioggia hat die Form einer Fischgräte, deren Zentrum der 800 Meter lange Corso del Popolo bildet, wo am Donnerstag Markttag ist und von dem 70 Calli, kleine Gassen, wegführen. Hier spielt sich buntes Stadtleben ab, hier gibt es die Cafés zu entdecken, in denen die Fischer ab zehn Uhr ihr Seemannsgarn spinnen. Also Zeit für eine kurze Kaffeepause; und während wir unsere Espressi und Cappuccini genießen, fällt der Blick auf die älteste Uhr der Welt.

 

Kleiner Antrieb um die Insel

Nach der verdienten Siesta besteigen wir am späteren Nachmittag mit den E-Bikes das Vaporetto und setzen auf Pellestrina über. Jetzt soll es auf der Uferpromenade ans andere Ende der Insel und zurück (18 Kilometer) gehen. Also: Power on, schon hilft einem der Motor. Den Grad der Unterstützung – Eco, Auto oder High – bestimmt man am besten selbst. Treten muss man in jedem Fall, denn von selbst fährt das Fahrrad nicht, und bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h schaltet sich der Motor automatisch ab. So radelt man an typischen Häusern vorbei, vor der Kirche spielen ein paar Buben Fußball, Fischer reparieren in der Abendsonne ihre Netze und im Gegenwind duftet Jasmin – bei der Gangart kann man die Landschaft genießen. Wer schon frühmorgens in Chioggia aufbricht, kann die Tour via Pellestrina auch als Tagesausflug planen und sich vom Vaporetto bis zum Markusplatz oder bis zum Lido bringen lassen.

 

Petrarcas Katze

In Abano Terme besteigen wir wieder unsere Räder, Rückenwind treibt uns entlang der alten venezianischen Wasserwege an – vorbei an der renovierten Villa Draghi und dem Castello del Catajo nach Arquà Petrarca. Drei Kilometer vor unserem Ziel fällt der spontane Beschluss, noch einen kleinen Umweg nach Valsanzibio zur Villa Barbarigo zu machen, um einen Blick in einen der schönsten Gärten Italiens zu werfen. Er ist ein Universum aus Fontänen, fantasievollen Wasserspielen und 98 Steinstatuen, umrahmt von geometrisch geschnittenen Buchsbaumhecken.

Zurück auf der Hauptstraße führt die Route nun in die Euganeischen Hügel, hinauf zur Casa di Francesco Petrarca, wo der Schriftsteller die letzten vier Lebensjahre verbrachte. Im Schlafzimmer steht die Urne mit einer Rippe des Dichters. Zu den skurrilen Reliquien des Hauses gehört Petrarcas Katze, die in einem barocken Rahmen im Erdgeschoß wacht: Einer Überlieferung nach handelt es sich um die Reste seines einbalsamierten Haustiers, das dem Dichter bei seinen Studien Gesellschaft leistete.

Vor der Rückfahrt nach Abano Terme sollte man hier noch in die Pasticceria am Fuße des Ortes einkehren und einen der köstlichen Eisbecher mit frischen Früchten probieren. Dann folgen längere Radkilometer – von denen man sich schließlich im 36 Grad warmen Thermalwasser-Außenpool entspannt und seine Muskeln mit einer Düsenmassage lockert.

Nächster Tag, nächste Tour: 16 Kilometer entlang einer von 1000 venezianischen Wasserstraßen bis ins Zentrum von Padua – direkt zur Basilika des heiligen Antonius. Wenig bekannt ist, dass sie nicht auf italienischem Staatsgebiet liegt, sondern im Vatikanstaat. Jährlich pilgern drei Millionen zum heiligen Antonius, um seinen Beistand zu erbitten. Neben 700 Jahre alten Malereien birgt die Kirche seine Reliquien: den Unterkiefer, die Zunge und den Knorpel der Stimmbänder. Zudem versteckt sich hinter dem Hauptaltar Donatellos „Grablegung Christi“.

Absolutes Highlight in Padua aber ist der Besuch der eher unscheinbaren Cappella degli Scrovegni, die einen der größten Kunstschätze der Welt, einen vollständig erhaltenen Freskenzyklus von Giotto, enthält. In einer kurzen Führung erfährt man Details wie jenes vom schwarzen Heiligenschein der Apostel: „Giotto hat, um Geld zu sparen, kein Gold verwendet, sondern Silber mit Zinn gemischt, das über die Jahrhunderte oxidierte.“ Aus dem Nichts läutet eine Glocke, das Zeichen, dass wir die Kapelle verlassen müssen, da die Besichtigungszeit auf zwölf Minuten beschränkt ist – zu viel Feuchtigkeit schadet der Malerei.

Entlang der Kanäle geht es in Richtung Piazza delle Erbe, um sich in dem bekannten Caffè Pedrocchi eine Pause vom Sightseeing zu gönnen. Hier treffen sich Künstler und Intellektuelle. Und wir lassen die Streckenabschnitte noch einmal Revue passieren, bevor wir den letzten antreten – vorbei an der Villa Molino retour nach Abano Terme.

VENETIEN PER E-BIKE

Tour: Eigenanreise nach Abano Terme, Bustransfer von Abano nach Chioggia. Auf ebenen, teils asphaltierten oder hart gesandeten Radwegen bzw. kaum befahrenen Landstraßen entlang von Wasserläufen nach Arquà Petrarca oder Padua sowie mit Vaporetto und Fahrrad von Chioggia nach Venedig. Tourenkarte und Tipps von Donau Touristik.

Abano Terme: Kleine Stadt, bekannt für Fango-Heilschlamm.

Radverleih: Gangräder (55 €/Woche) oder E-Bike (120 €). Aus-/Rückgabe im gebuchten Hotel in Abano Terme.
Hotel: Grande Italia/Chioggia, renovier-ter Palazzo mit originaler Stuckdeko. www.hotelgrandeitalia.com
Lokaltipps: Pizzeria Tiffany, Chioggia, Sottomarina, T +39/(0)41/491 720
Ristorante Zair, Padua, www.zairo.net
Caffè Pedrocch, Padua, www.caffepedrocchi.it
Cappella degli Scrovegni in Padua: Besichtigung maximal zwölf Minuten,

Voranmeldung obligatorisch, www.cappelladegliscrovegni.it
Anbieter: Trauni's Radferien & mehr, www.radferien.com
Die Autorin wurde unterstützt von Donau Touristik, den TVB Chioggia und Padua, den Tourismusregionen Venetien und Euganeische Hügel sowie Enit Italia.