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„Heute“-Fest: Nicht nur Applaus

Dichand Jansky
(c) Die Presse - Clemens Fabry
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Das Gratisblatt „Heute“ ist zehn Jahre alt. Die halbe Republik gratulierte bei einem Fest, die Plattform „Dossier“ beleuchtet die Zeitungsgründung in einer kritischen Serie.

Es hätte ein rundum feierlicher Tag für Eva Dichand und Wolfgang Jansky werden sollen. Die Ehefrau von „Krone“-Herausgeber Christoph Dichand und der ehemalige Pressesprecher von Werner Faymann führen das Gratisblatt „Heute“ seit seiner Gründung 2004. Auf den Tag genau heute vor zehn Jahren wurde das Kleinformat erstmals in den Wiener U-Bahn-Stationen verteilt und hat mittlerweile eine nationale Reichweite von 13,8 Prozent und eine Million Leser. Am Donnerstag wurde das Jubiläum mit einer „geilen Geburtstags-Party“ (© Eva Dichand via Twitter) im Belvedere gefeiert, bei der sich mit Kanzler Werner Faymann, sieben Ministern, drei Landeshauptleuten, allen Parteichefs und der Nationalratspräsidentin auffallend viel Politprominenz zum Gratulieren einstellte. Nicht wenige posierten auch für ein Selfie mit Eva Dichand.

 

Jansky: „Feigenblattjournalismus!“

Doch die Feierstimmung wurde getrübt: Kurz vor dem Geburtstagsfest erreichte Dichand und Jansky ein E-Mail von der Rechercheplattform „Dossier“ mit der Bitte um Stellungnahme zu den Recherchen, die man am nächsten Morgen veröffentlichen wolle. Wolfgang Jansky sagt, dies sei „Feigenblattjournalismus“, erst kurz vor der Veröffentlichung einer Geschichte um eine Stellungnahme zu bitten. Die „Dossier“-Journalisten dokumentieren aber auch schon frühere Korrespondenzen zwischen Dichand und ihnen. Seit Freitagvormittag jedenfalls ist der erste Teil des „Heute“-Dossiers online, in der das Netzwerk der Gratiszeitung beleuchtet wird und „die bis heute unbekannten Hintermänner“, die bei der Gründung des Blattes nachgeholfen haben sollen. Wirklich neue Informationen sind darin nicht enthalten. Für Nicht-Medien-Insider gibt das Dossier aber einen interessanten Überblick über die durchaus verschachtelte Gründungsgeschichte des Gratisblattes.

Stinksauer sind hingegen Eva Dichand und Wolfgang Jansky. Letzter sagt zur „Presse“: Man sei verärgert, „dass immer nur rund um einen Marktteilnehmer gebetsmühlenartig Verschwörungstheorien aufgebracht werden“. Und er rät: „Die sollen sich einmal die Konstruktionen anderer Zeitungen ansehen.“ Tatsächlich wird das Blatt schon seit seiner Gründung von Spekulationen rund um die wahren Besitzverhältnisse begleitet. 2011 wurde „Heute“ vom Mitbewerber bei der Bundeswettbewerbsbehörde angezeigt. Der Verdacht: wettbewerbsrechtlich relevante Verflechtungen mit der „Krone“. Doch die Behörde stellte 2012 fest, dass es keine kartellrechtlichen Probleme gegeben hat. Darauf ging „Heute“ siegessicher in die Offensive und veröffentlichte seine Eigentümerstruktur: Heute hält 74 Prozent die Pluto Privatstiftung – eine Familienstiftung, in der Eva Dichand und ihr Bruder Georg Kriebernegg als Stifter fungieren – und 26 Prozent die Periodika Privatstiftung. Eva Dichand machte damals unmissverständlich klar: Wer nun noch behaupte, „Heute“ stehe im Eigentum der SPÖ oder einer SPÖ-nahen Organisation oder der Mediaprint, werde vorbehaltlos auf Verleumdung und Schadenersatz geklagt.

 

SP-Nähe „nicht zu überblättern“

Der mehrfach preisgekrönten Rechercheplattform „Dossier“ reichen diese Informationen aber nicht. Und es sind nicht die heute im Firmenbuch ersichtlichen Eigentumsverhältnisse, die das Rechercheteam interessieren, sondern die Eigentümer- und Gründungskonstruktion im Jahr 2004. Eine Nähe zur SPÖ sei bis heute „nicht zu überblättern“, so „Dossier“. Sei doch die bis Ende 2010 von der SPÖ allein regierte Stadt Wien gemeinsam mit ihren Unternehmen der größte Anzeigenkunde der Gratiszeitung, der in zehn Jahren rund 41,5 Millionen Euro in Form von Inseraten geschaltet habe.

Für Jansky ist vieles von dem, was „Dossier“ schreibt oder in Grafiken fasst, entweder „falsch“ oder einseitig dargestellt. Immerhin würden auch andere Medien Inserate von der öffentlichen Hand bekommen. Ihn persönlich ärgere zudem, dass ihm immer noch ein Naheverhältnis zu Faymann unterstellt werde, nur weil er vor mehr als zehn Jahren sein Sprecher war. Die „Dossier“-Recherchen werde man erst einmal ignorieren. Aber vermutlich trotzdem streng beobachten. Bis Donnerstag folgen noch sechs weitere Teile.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2014)