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Buch: Rosenkranz' MenschInnen

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die FPÖ-Politikerin arbeitet sich am Gender-Begriff ab.

Gender-Mainstreaming, meint Barbara Rosenkranz, diene nicht der Gleichstellung von Mann und Frau, sondern der Erschaffung eines neuen, geschlechtsneutralen, ja geschlechtslosen Menschen. Die FPÖ-Politikerin hat ein Buch geschrieben: „MenschInnen“ (Ares-Verlag). Es reaktionär zu nennen, wäre Unfug. Rosenkranz argumentiert aus einer konservativen Weltsicht heraus. Und wenn sie die Auswüchse des Gender-Mainstreaming im Uni-Betrieb aufs Korn nimmt, wird man ihr sogar recht geben müssen.

Das Buch ist ganz gut geschrieben, anfangs vielleicht ein wenig blumig („Gaukelnde Schmetterlinge zeigen, dass das Leben ein Kreislauf ist, der sich von Generationen zu Generationen erneuert“), später wird der Ton fast wissenschaftlich. Rosenkranz hat viel Material – Studien, Gender-Theorien, Zeitungsberichte (ihr Lieblingsblatt scheint die „FAZ“ zu sein) – zusammengetragen, um sich am Gender-Mainstreaming und dessen Wegbereitern Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer und Wilhelm Reich abzuarbeiten.

 

Auflösung der Geschlechter

Ein Begriff, für den es übrigens keine deutsche Entsprechung gebe, und das nicht ohne Grund, wie Rosenkranz findet. Denn so soll verschleiert werden, was sich hinter Gender-Mainstreamining wirklich verbirgt: die Auflösung der Geschlechter, vorangetrieben von sexuellen Randgruppen. Mit „Gender“ sei nicht das biologische Geschlecht gemeint, sondern lediglich das „soziale“. Oder in den Worten Simone de Beauvoirs: „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“

Die FPÖ-Landesrätin leitet die Gender-Idee vom Marxismus her. Ein wenig schimmert bei ihr der Verdacht der Weltverschwörung durch. Eine Minderheit versuche, der Mehrheit ihre Ideologie aufzuzwingen. Rosenkranz' Conclusio: Frauen, insbesondere Mütter, wissen besser, was für sie gut ist, als sogenannte ExpertInnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2008)