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Wiener Bank Medici verkaufte „Madoff-Fonds“ in Milliardenhöhe

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Zu den Kunden der exklusiven Wiener Privatbank gehören Banken, Fonds-Gesellschaften, Versicherungen und Pensionskassen.

Wien (höll). Der Betrugsfall Madoff nimmt immer größere Dimensionen an: Die kleine Wiener Privatbank Medici gab am Dienstag zu, dass sie sogenannte „Herald-Fonds“ im Gesamtvolumen von 2,1 Mrd. Dollar verkauft hat. „Der Großteil der Gelder wurde bei Madoff veranlagt“, räumte Medici-Vorstand Peter Scheithauer im „Presse“-Gespräch ein. Den genauen Betrag könne er noch nicht sagen. Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren. „Es ist nicht gesagt, dass das ganze Geld weg ist“, so der Vorstand. Die Bank stehe in Kontakt mit den betroffenen Kunden und führe Gespräche mit HSBC, der Depotbank für die Herald-Fonds. Auch Anwälte wurden eingeschaltet. Welche rechtlichen Schritte konkret unternommen werden, steht noch nicht fest.

 

Finanzmarktaufsicht ermittelt

Die Medici-Manager hatten früher in diversen Anlegermagazinen damit geworben, man könne mit den Herald-Produkten am Investmentansatz von Madoff teilhaben. Der Wall-Street-Banker galt einst als Börsenstar. Nun stellt sich heraus, dass er mit einem Pyramidensystem Anleger weltweit um 50 Mrd. Dollar geprellt haben soll. Dabei handelt es sich um den größten Betrugsfall aller Zeiten. Laut Medici-Vorstand Scheithauer ist die Bank selbst bei Madoff investiert. Auch hier wollte er keinen Betrag nennen. Das Institut sei aber „aufgrund der soliden Eigenmittelstruktur in keiner Weise gefährdet“. Selbst einen Totalausfall könne Medici locker verkraften.

Am Freitag treffen sich die Aufsichtsräte der Bank. Im Kontrollgremium sitzen Exfinanzminister Ferdinand Lacina und der ehemalige Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner. Mit 25 Prozent ist die Bank Austria an Medici beteiligt, der Rest gehört der Wienerin Sonja Kohn. Die Finanzmarktaufsicht nahm Ermittlungen auf. Laut Medici wurden 93 Prozent der Herald-Fonds an internationale institutionelle Anleger verkauft – meist an Banken, Versicherungen und Pensionskassen.

Die Notenbank bezifferte jüngst den möglichen Schaden für österreichische Privatanleger mit 350 Mio. Euro. Rechnet man noch institutionelle Investoren dazu, könnte Österreich mit über einer Milliarde Euro involviert sein.

In den USA halten es Anlegerschützer für unwahrscheinlich, dass bei Madoff Vermögenswerte gerettet werden können. Der Exbanker selbst sagte nach Angaben der Behörden, in seiner Firma seien nur noch 200 bis 300 Mio. Dollar verlieben. Zu den prominenten Opfern zählen Hollywood-Regisseur Steven Spielberg und seine Shoa-Stiftung sowie Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel.

In Österreich müssen im Zuge des Skandals immer mehr Fonds vom Handel ausgesetzt werden. Bei der Investmentgesellschaft Primeo (Eigentümer: Bank Austria, UniCredit) trifft es die Produkte „Primeo Select Fund“ und „Primeo Executive Fund“. Die Constantia Privatbank hat aus Anlegerschutzgründen den „Absolute Return“-Fonds vorübergehend geschlossen. Dem Vernehmen nach ist der Fonds mit unter zehn Prozent indirekt vom Betrugsfall betroffen.

Inzwischen häufen sich die Zweifel an der Rolle der US-Aufsichtsbehörden. Analysten hatten in der Vergangenheit mehrmals Zweifel an den Geschäftspraktiken von Madoff geäußert. In einem Brief an die US-Börsenaufsicht SEC ist schon 1999 der Vorwurf erhoben worden, bei den Investments würde es sich um ein Schneeballsystem handeln.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2008)