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Personalreigen in Österreichs Kirche mit Konflikt-Potenzial

Bischof Paul Iby ist einer von vier, die demnächst zurücktreten werden.
(c) APA (Robert Jaeger)
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Vier heimische Bischöfe gehen in den nächsten drei Jahren in den Ruhestand. Nach der Ernennung von Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz werden neue Konflikte befürchtet.

Nach der Ernennung Gerhard Maria Wagners zum Linzer Weihbischof stehen der römisch-katholischen Kirche in Österreich weitere heikle Besetzungen bevor. Vier Bischöfe erreichen in den kommenden Jahren die Altersgrenze von 75 Jahren und müssen daher ihr Rücktrittsgesuch im Vatikan einreichen. Als erstes trifft es den Eisenstädter Diözesanbischof Paul Iby. Es folgen der Grazer Egon Kapellari, sein Vorarlberger Kollege Elmar Fischer und schließlich der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser.

Eine gewichtige Rolle bei der Nachbesetzung der vier Ämter spielt vor allem ein Mann, den der Vatikan eben erst nach Österreich entsandt hat: der neue apostolische Nuntius Peter Stephan Zurbriggen. Als diplomatischer Vertreter des Vatikans und "Headhunter" des Papstes ist er auch dafür zuständig, sich ein Bild der Lage in den Diözesen zu machen und die Kirchenspitze am Laufenden zu halten. Verbindliche Vorschläge kann der Nuntius nicht machen, gerade Benedikt XVI. lässt sich, so ist allgemein bekannt, nur ungern bei Personalentscheidungen dreinreden.

Nicht jeder will in Ruhestand

Am 23. Jänner kommenden Jahres wird Iby 75 Jahre alt, womit ein Brief nach Rom fällig wird. Er ist seit 1992 im Amt und genießt den Ruf, gute Kontakte zur kroatischen Minderheit sowie zur Roma-Bevölkerung im Burgenland zu pflegen. Als potenzieller Nachfolger gilt der in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung tretende Ägidius Zsifkovics, derzeit Generalsekretär der Bischofskonferenz und Leiter der kroatischen Sektion. Er soll es auch sein, der sich für die Kirche Am Hof als Startpunkt des Papstbesuchs eingesetzt hat. Das Haus ist auch der Sitz der großen kroatisch-katholischen Gemeinde in Wien.

Im Jänner 2011 erreicht Kapellari, derzeit Bischof von Graz-Seckau, die Altersgrenze von 75. Er zeigt allerdings keine Motivation, sein Engagement zurückzustellen. Der kunstsinnige und mediengewandte Bischof, der zudem für zahlreiche Modernisierungsschübe in den bisher von ihm betreuten Diözesen verantwortlich ist, muss allerdings nicht gehen, wenn dies der Papst nicht will. "Es gibt Fälle, wo Bischöfe bis 80 im Amt waren", so Erich Leitenberger, Pressesprechers der Erzdiözese Wien. Kapellari leitet seit 2001 die Grazer Diözese, davor jene in Kärnten.

Als nächster an der Reihe wäre im Oktober 2011 der Vorarlberger Bischof Fischer. Auch er hat bisher keine Ermüdungserscheinungen gezeigt und mischt sich immer wieder gerne in gesellschaftspolitische Angelegenheiten ein. Zuletzt hat er mit der Aussage, Moscheen mit Minaretten seien eine Provokation, aufhorchen lassen. Auch Beziehungstipps an Jugendliche und Briefe an ausgetretene Katholiken gehören zu Fischers Engagement. Am ehesten amtsmüde soll laut Kirchenkreisen Kothgasser sein, der aber erst im Mai 2012 sein Ruhestands-Gesuch einreichen kann. Ihm werden immer wieder gesundheitliche Probleme nachgesagt.

(APA)