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IV will pädagogische Hochschulen abschaffen

Kapsch, President of the Federation of Austrian Industry addresses a news conference in Vienna
(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Das IV-Hochschulkonzept sieht Studiengebühren, Zugangsbeschränkungen und das Aus für Pädagogische Hochschulen vor.

Wien. Mit ihrer Idee für ein neues Schulsystem hat die Industriellenvereinigung (IV) Mitte November die bildungspolitische Debatte bestimmt. Nun legt die IV nach und präsentiert ihre Hochschulstrategie. „Die Presse“ hat sich die interessantesten Punkte angeschaut:


Studiengebühren einführen: „Wir sind der Meinung, dass ein System, das keine Studiengebühren hat, das asozialste ist, weil es von denjenigen finanziert wird, die nicht beziehungsweise deren Kinder zu einem großen Teil nicht auf die Unis gehen“, sagt IV-Präsident Georg Kapsch. Deshalb plädiert er für Gebühren, die „etwas höher“ sind als die derzeit in Ausnahmefälle vorgesehenen 363,36 Euro.


Darlehen und Stipendien:Gleichzeitig müsse es aber ein Darlehensmodell geben. Es soll sich am australischen Konzept orientieren. Dort muss man Studienkredite erst im Erwerbsleben zurückzahlen. Die Raten orientieren sich am Einkommen. Zudem sollen die Stipendien ausgebaut werden. Deren Höhe soll sich am Studienfach orientieren. So könne man etwa für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) höhere Stipendien auszahlen und damit Studierendenstörme in wirtschaftlich gefragte Fächer lenken.


Zugangsbeschränkungen: Derzeit stellt sich für die IV die Frage, „ob wir wirklich so viele Betriebswirte – hier könnte man auch andere Fächer anführen – brauchen.“ Deshalb plädiert sie für den Ausbau der Studienplatzfinanzierung – bei der es für die Unis Geld pro Studenten und damit auch eine fixe Platzvorgabe gibt. Wie viele Plätze in einem Fach angeboten werden, soll sich nicht nur an den Kapazitäten der Unis orientieren, sondern auch an dem erwarteten Bedarf der Gesellschaft und der Wirtschaft.


Fakultäten zusperren: Überschneidungen von Studienangeboten sollten vermieden werden. „Wir brauchen nicht an jeder Uni jede Fakultät. Wenn jemand Theologie studieren will, dann soll er in Wien studieren.“ Ähnliches gelte für betriebswirtschaftliche Fächer, für technische aber weniger. Heftige Kritik übt die IV an der neuen Medizin-Fakultät Linz: Diese habe „in Wahrheit kein Mensch gebraucht“.


Ausbau der Fachhochschulen:Starken Verbesserungsbedarf sieht die IV bei der Abgrenzung zwischen FH und Uni. „Die FH haben versucht, die besseren Unis zu werden, die Unis haben versucht, FH-Kompetenzen zu übernehmen.“ Damit solle Schluss ein. Generell wünscht sich die IV einen Ausbau der FH zur Entlastung der Unis.


PH abschaffen: Einem anderen Hochschultyp wurde der Kampf angesagt: den Pädagogischen Hochschulen (PH). Sie sollen geschlossen werden und die Lehrerausbildung nur an den Unis stattfinden.


Rot-Weiß-Rot-Karte ausbauen:Dass nur wenige Nicht-EU-Bürger nach dem Studium in Österreich bleiben, sei eine „Vergeudung der Mittel“. Deshalb will die IV, dass die Rot-Weiß-Rot-Karte auch für Bachelor-Absolventen zugänglich wird.


Uni-Räte: Veränderung wünscht sich die IV auch bei den Uni-Räten. Kritik übte sie am Nominierungsrecht der Regierung und an der sozialpartnerschaftlichen Besetzung.

 

Von den Rektoren gab es für die IV-Ideen Applaus, aber auch Kritik: Der Vorschlag, ganze Theologie-Fakultäten aufzulösen, mute „eher wie ein Schuss aus der Hüfte an“. Die IV hat sich nicht das letzte Mal zur Bildung zu Wort gemeldet. Anfang April werden die Ratschläge für den Kindergarten präsentiert. (j.n.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2015)