Vassilakou: "Kein Altbau-Abriss mehr ohne mein Okay"

Archivbild: Maria Vassilakou
Archivbild: Maria VassilakouClemens Fabry / Die Presse

In Wien wird Wohnraum weniger, die Immobilienspekulation vor allem bei Gründerzeitbauten nimmt zu. Nach einem „Presse“-Bericht meldet sich Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou zu Wort und fordert harte Maßnahmen.

Die Presse: Gegen Immobilien-Spekulation vorzugehen, ist ein grünes Kernwahlkampfthema. Sie haben drastische Maßnahmen angekündigt. Welche sind das?

Maria Vassilakou: Die derzeitige Rechtslage ist so, dass schöne Altbauhäuser außerhalb der Schutzzonen einfach abgerissen werden können. Man muss es nur melden. Ich will eine verpflichtende Frist zwischen Abbruchmeldung und Beginn der Abbrucharbeiten. In dieser Frist prüft die MA 19, zuständig für das Stadtbild, ob dem stattgegeben werden kann. So können wir die historischen Häuser besser beschützen.

Das heißt übersetzt, dass es keinen Abriss mehr ohne die Einwilligung Ihres Ressorts gibt?

Vassilakou: Ja, kein Altbau-Abriss mehr ohne mein Okay. Das ist mein Ziel.

Innerhalb der Schutzzonen gilt die sogenannte „technische Abbruchreife“. Das heißt, Häuser dürfen nur abgerissen werden, wenn es sich nicht lohnt, sie wieder aufzubauen. Auch das ist relativ.

Vassilakou: Ich bin für eine völlige Streichung der Option der technischen Abbruchreife. Und wenn jemand ein historisches Haus absichtlich so verkommen lässt, dass es zusammenfällt, wie das jetzt in einigen Fällen war, dann sollen sie es wieder neu aufbauen müssen. Und zwar so wie es vorher ausgesehen hat.

Eine weitere drastische Maßnahme hat Ihr Parteikollege Christoph Chorherr gefordert. Nach Paragraph 6 des Mietrechts ist es für Gemeinden möglich, Eigentümern Instandhaltungen aufzutragen. Dazu übernimmt die Stadt die Verwaltung des betreffenden Gebäudes. Es kommt einer Enteignung gleich. Sind Sie auch für diese Maßnahme zu haben, die bisher noch nie angewendet wurde?

Vassilakou: Ich bin eher für Prävention, aber ja, auch das ist eine Maßnahme, die ich mir vorstellen kann, wenn vorher keine anderen Wege gefunden werden konnten.

Was ist mit kleinen Immobilienbesitzern, die es sich nicht leisten können, ein Haus zu renovieren. Wird die Stadt sie unterstützen?

Vassilakou: Aus Armut hat noch niemand ein Haus abreißen lassen. Es steckt immer die Absicht zu mehr Geld dahinter. Egal, ob es der kleine Profit ist oder die große Profitgier. Die Altstadt  so ständig stückweise angeknabbert. Seitens der öffentlichen Hand gibt es ja bereits Unterstützungen bei Sanierungen von historischen Häusern. Aber die Eigentümer tragen auch Verantwortung für das Stadtbild. Eigentum verpflichtet. Wir alle haben die Aufgabe die einzigartigen Gründerzeitgrätzeln Wiens zu erhalten.