Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Sonnenfinsternis für Stromnetz "nicht mehr als normaler Tag"

20 03 2015 xfux Vollstaendige Sonnenfinsterniss mit Strahlenkranz v l Die Sonne wird durch den M
imago/Jan Huebner
  • Drucken

Vor allem in Deutschland waren Betreiber im Vorfeld nervös. "Sofi" war letztendlich aber nur ein "Sturm im Wasserglas", resümierte der E-Control-Vorstand Boltz.

Angesagte Katastrophen finden nicht statt: Das österreichische Stromnetz hat die Sonnenfinsternis gut überstanden. Auch in Deutschland, wo die Verdunkelung des Himmels als Belastungstest für die Netze galt, gab es keine Probleme. Das, obwohl die Solarstrom-Produktion binnen kurzer Zeit eingebrochen und dann rasch wieder hochgefahren ist. Auf den Stromverbrauch wirkt sich "Sofi" kaum aus.

Ob die Österreicher am Freitagvormittag häufiger das Licht eingeschaltet haben als an einem vergleichbaren Tag, kann nicht gemessen werden. "Wir haben maximal 60 bis 70 Prozent Abdunklung. Das ist deutlich heller als an einem trüben Tag", so E-Control-Vorstand Walter Boltz zur APA. Auch bei den Wiener Netzen hieß es, die Auswirkungen der Sonnenfinsternis auf den Stromverbrauch seien "vernachlässigbar", wie Unternehmenssprecher Patrick Reiterer der APA sagte.

Zusätzliche Kraftwerke hochgefahren

Europas Stromnetzbetreiber haben sich seit eineinhalb Jahren auf die partielle Sonnenfinsternis vorbereitet. Obwohl gut planbar, war die dreistündige Verdunklung eine Art Stresstest für die Netze, da es bisher kein vergleichbares Ereignis gab. Bei der letzten Sonnenfinsternis im Jahr 1999 gab es noch wenige Solaranlagen und Windräder, nun liefern diese in einzelnen Ländern, speziell Deutschland, beträchtliche Strommengen. Das Problem: Es kann nicht wirklich vorausgesagt werden, wann der Wind besonders stark weht oder die Sonne scheint, so kommt es im Netz zu großen Schwankungen. Diese müssen mit sogenannter Regelenergie ausgeglichen werden.

Am heutigen Sonnenfinsternistag wurden in Deutschland Gas- und Kohlekraftwerke hochgefahren, um die ausbleibende Photovoltaik-Produktion zu kompensieren. In Österreich werden dafür hauptsächlich Pumpspeicherkraftwerke eingesetzt.

Voltaik in Österreich nur acht Prozent

In Österreich spielt Photovoltaik eine vergleichsweise geringe Rolle bei der Stromproduktion. 800 Megawatt Strom werden hierzulande durch Sonnenenergie erzeugt, das sind in Spitzenzeiten rund acht Prozent des Stroms. Der maximale Leistungseinbruch kann laut Berechnungen des Netzbetreibers Austrian Power Grid (APG) 120 MW betragen. Zum Vergleich: Das Donaukraftwerk Freudenau hat eine installierte Leistung von 172 MW.

Anders die Situation in Deutschland. Dort gibt es mehr als eine Million PV-Anlagen, die meisten davon in Bayern. Zusammen haben sie eine Leistung von knapp 39.000 MW, was ungefähr 40 Atomkraftwerken entspricht. Die Netzbetreiber waren vor der heutigen Sonnenfinsternis durchaus angespannt, auch wenn sie bereits Reserveenergie eingekauft hatten. Die Kosten dafür, rund 3,5 Mio. Euro, tragen die Endkunden.

Die eigentliche Herausforderung für die Stromnetzbetreiber ist nicht das Ausbleiben von Wind und Sonne, sondern ein Überangebot, wie Österreichs Chef-Energieregulator Boltz erklärt. "Die Stunden, in denen zu viel Strom produziert wird, sind schwieriger und teurer zu managen." In Deutschland ist die Solarleistung am Freitag binnen 75 Minuten von 16.000 auf unter 7.000 MW abgesackt, zu Mittag ist sie dann in ebenfalls 75 Minuten auf bis zu 22.000 MW hochgesprungen - da stand nämlich die Sonne höher und es wurde mehr Solarstrom produziert als am frühen Vormittag. Dennoch mussten die deutschen Netzbetreiber laut Eigenangaben nur moderat eingreifen, es habe weder Engpässe noch Blackouts gegeben, berichteten sie zu Mittag.

Deutschland als Maßstab

Der Blick nach Deutschland hat die österreichische Energiebranche im Vorfeld alles andere als kaltgelassen. "Wir haben gesagt: hoffentlich passiert den Deutschen nichts", so Boltz. Österreich exportiert große Strommengen aus dem Nachbarland. Übers Jahr gesehen sind es 10 bis 12 Prozent, stundenweise können es aber auch 20 bis 30 Prozent sein - vor allem, wenn in Deutschland viel Sonne scheint und Wind weht. "Sofi" war letztendlich aber nicht mehr als ein "Sturm im Wasserglas", resümierte der E-Control-Vorstand. Weder in Österreich und Deutschland, noch in anderen europäischen Ländern mit hohem Photovoltaik-Anteil, etwa Italien, Frankreich oder Spanien, habe es Probleme gegeben. "Die Vorbereitungen haben sich gelohnt. Die Netzbetreiber haben konnten für künftige Situationen viel lernen."

In der Bundeshauptstadt Wien war der "Sofi"-Freitag ebenfalls nicht mehr als normaler, etwas bewölkterer Tag, wie Wiener-Netze-Sprecher Reiterer der APA sagte. Der Leistungsverlust sei mit 17 bis 19 MW überschaubar gewesen und habe sich im Rahmen des Vorhergesagten bewegt. Auch bei Wien Energie hatte die teilweise Sonnenfinsternis "keine gravierenden Auswirkungen auf die Energieproduktion", so Unternehmenssprecher Christian Ammer. Wien Energie hat während der Sonnenfinsternis in Traiskirchen das 18. Bürger-Solarkraftwerk eröffnet.