Piraten treiben Versicherungs-Prämien in die Höhe

KENYA PIRATE BAR
(c) EPA (Sarah Elliott)

"Die Piraten sind die einzigen, die 2008 ein gutes Jahr hatten", sagt ein Sicherheitsexperte. Versicherungen für Frachter sollen bereits auf den zehnfachen Preis gestiegen sein.

Die jüngsten Piratenangriffe vor der Küste Somalias lassen den Frachtverkehr über den Golf von Aden immer teurer werden. Die Gefahr der Überfälle treibt die Versicherungsprämien für die Frachter deutlich in die Höhe. Doch die Reeder haben kaum Alternativen: Der lange Umweg um das südafrikanische Kap der Guten Hoffnung ist kostspielig und auch nicht ungefährlich, denn die Piraten haben zuletzt auch in der Straße von Mosambik, weit südlich von Somalia, zugeschlagen.

"Die Piraten sind die einzigen, die 2008 ein gutes Jahr hatten", sagt ein Sicherheitsexperte der Olive Group aus Dubai. Bereits im vergangenen Mai hatten Versicherungen beschlossen, die Preise für Polizzen deutlich zu erhöhen. Inzwischen sollen die Versicherungen, die auch Piraterie und mögliche Lösegelder in Millionenhöhe einschließen, auf den zehnfachen Preis gestiegen sein. Neil Smith, der führende Manager der Lloyd's Market Association in Großbritannien, wollte diese Zahlen mit Hinweis auf den verstärkten Wettbewerb der Anbieter nicht bestätigen.

"Bis vor kurzem sahen Versicherer Frachter noch als relativ sicher an, wenn sie eine bestimmte Distanz zur somalischen Küste einhielten", sagte Smith. Das habe sich jetzt geändert, räumte der Manager bereits im Februar ein. Die zusätzlichen Kosten - und Risiken - durch die Piraterie treffen die Schifffahrtsindustrie hart, denn die Frachtraten waren zuletzt infolge der Wirtschaftskrise deutlich gesunken. Zudem kann eine Entführung ein Schiff monatelang blockieren: Derzeit haben die Piraten noch 13 Schiffe mit 228 Besatzungsmitgliedern an Bord in ihrer Gewalt.

Nach Auskunft der Internationalen Seefahrtsbehörde gab es in diesem Jahr vor Somalia bereits 74 Piratenangriffe, 15 mal gelang es den Seeräubern, ein Schiff in ihre Gewalt zu bringen. Im ganzen vergangenen Jahr gab es nur 111 Angriffe. Daran lässt sich ablesen, dass die Sicherheit trotz der verstärkten Präsenz internationaler Truppenverbände in der Küstenregion weiter abgenommen hat. Das Land am Horn von Afrika hat mit über 3.000 Kilometern die längste Küste des Kontinents - und die Piraten haben ihr Einsatzgebiet längst nach Süden in Richtung der Seychellen ausgeweitet.

Damit wird es für Reeder attraktiver, ihre Frachter den ganzen Weg um das Kap der Guten Hoffnung zu schicken. Die Route für einen Öltanker, der von Saudi-Arabien an die Ostküste der USA fährt, würde sich dadurch um rund 4.500 Kilometer verlängern. Das würde trotz der derzeitig niedrigen Spritpreise jährlich Zusatzkosten von 3,5 Millionen Dollar (2,64 Millionen Euro) verursachen, wie die US-Seefahrtsbehörde schätzt. Zudem könnte der Tanker die Reise in einem Jahr nur noch fünfmal schaffen, nicht mehr sechsmal. Die Transportkapazität würde um ein Viertel schrumpfen. An Schluss werden dann die Verbraucher für die steigenden Frachtkosten zur Kasse gebeten.

Die weltgrößte Reederei Maersk hat bereits beschlossen, Öltanker den langen und kostspieligen Weg um Südafrika fahren zu lassen. Andere könnten folgen, wenn sich die Lage im Golf von Aden weiter zuspitzt: Entweder durch den Kostendruck oder wegen der Besatzungen, die sich weigern, durch die Piratengewässer zu fahren. Die Einnahmen der ägyptischen Regierung aus der Passagegebühr für den Suez-Kanal sind seit vergangenem Jahr bereits drastisch gefallen.

Sicherheitsexperte David Johnson betont jedoch, es gebe keinen Königsweg. Der saudische Supertanker "Sirius Star" beispielsweise sei weit draußen im Indischen Ozean angegriffen worden, sagt der Direktor der in London ansässigen EOS Risk Management. "Welchen Weg man auch immer nimmt, irgendwo kommt man in eine Piratenhochburg."

(AP)