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Prater: Streit um Events auf der Kaiserwiese

(c) APA/HERBERT NEUBAUER
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Eine Bürgerinitiative macht gegen die Veranstaltungen auf der Kaiserwiese vor dem Riesenrad mobil. Der Bezirk kündigt nun eine Beschränkung auf 60 Tage an.

Wien. Sie macht zwar nur einen kleinen Teil des Grünen Praters aus, ist aber zweifellos eine seiner prominentesten Grünflächen: die Kaiserwiese vor dem Riesenrad. Mit ihrer zentralen Lage ist die Kaiserwiese auch ein beliebter Ort für Veranstaltungen (wie das traditionelle Fest zum Ersten Mai). Für zu viele, wie die Bürgerinitiative (BI) „Kaiserwiese für Alle!“ findet. „Seit 2011 ist die Kaiserwiese zu einer extremen Veranstaltungswiese geworden“, kritisiert Nicole Raker von der Bürgerinitiative.

Durch wochenlange Events wie das Wiesn Fest (den Wiener Ableger des Münchner Oktoberfests) und die damit verbundenen tagelangen Auf- und Abbauarbeiten sei die Kaiserwiese für die Allgemeinheit viel zu selten nutz- und begehbar. Auch ein Teil der Prater Hauptallee sei durch Container oder Lkw immer wieder blockiert. Im Vorjahr war die Kaiserwiese laut Raker überhaupt nur elf Wochen frei zugänglich – und das, obwohl sie als Erholungs- und Parkfläche gewidmet ist.

Bei der Prater Wien Gmbh, die die Nutzungsrechte an der Wiese hält und die Veranstaltungen organisiert, versteht man die Aufregung nicht ganz. Immerhin brächte die Bespielung der Kaiserwiese eine Million Menschen jährlich in den Prater, davon würden auch die Betriebe im Wurstelprater profitieren.

 

„Genügend andere Wiesen“

Zudem mache die Kaiserwiese, wie eine Sprecherin sagt, nur 0,17 Prozent der Grünfläche des Prater aus: Die Wiener fänden im Prater also zahlreiche andere Wiesen zur Erholung. Natürlich sei es kein schöner Anblick gewesen, dass die Kaiserwiese nach dem Gastspiel der Dinner-Show „Palazzo“ monatelang eingezäunt und gesperrt gewesen sei. Auf eine Wiederherstellung des Rasens im Winter habe man aus Kostengründen verzichtet und erst jetzt im Frühling mit einem Schotterrasen (der der Belastung durch Lkw besser standhält) begonnen.

Dem Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Karlheinz Hora (SPÖ), sind die Veranstaltungen mittlerweile auch zu viel geworden. Vor allem das Gastspiel des „Palazzo“, „das überhaupt nichts mit dem Prater zu tun hat“, war ihm ein Dorn im Auge. Hora will, wie er im „Presse“-Gespräch ankündigt, die Veranstaltungen auf der Kaiserwiese künftig auf 60 Tage inklusive Auf- und Abbau beschränken. Gegen Events wie das Samariterbundfest, bei denen die Wiese konsumfrei zugänglich bleibt, habe er (wie auch die BI) nichts. Problematisch seien Konzerte – heuer im Juli gastiert etwa Xavier Naidoo auf der Kaiserwiese – bei denen die Wiese kommerziell genutzt wird.

Der Bürgerinitiative geht Horas Vorschlag nicht weit genug. Sie fordert eine Beschränkung auf maximal 30 Tage. Heute, Montag, findet auf Antrag der Bezirksgrünen eine Bürgerversammlung zur Causa statt (16 Uhr, Planetarium), bei der die BI erstmals auf Vertreter der Prater Wien Gmbh treffen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2015)