Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Günstig fliegen dank Systemfehler

Kondensstreifen - condensation trail
(c) www.BilderBox.com
  • Drucken

Superklick. Auf Internetportalen können Urlauber besonders günstige Reisen buchen. Möglich machen es Buchungsfehler im Onlinesystem. Und klar, dass die Airlines etwas dagegen haben.

Neun Tage Sri Lanka inklusive Flügen und Transfer für 500 Euro. Gabelflüge nach Südamerika für 230 Euro. First-Class-Flüge mit United Airlines für unter 100 Euro. Solche Reiseschnäppchen klingen zu schön, um wahr zu sein. Doch es gibt sie tatsächlich und zwar reihenweise im Internet. Portale wie Urlaubspiraten oder Travel-Dealz haben sich darauf spezialisiert, besonders günstige Reiseangebote ins Netz zu stellen.

„Die Tarife entstehen häufig durch falsch berechnete Flugpreise“, sagt Johannes Kinast vom Portal Travel-Dealz.de auf Anfrage. „Die Ticketregeln der Airlines sind sehr komplex und werden oft falsch interpretiert. Tricks wie Gabelflüge – Abflug in Land A und Rückflug nach Land B – hebeln manchmal die Regeln aus, sodass der Treibstoffzuschlag wegfällt, weil er in Land B geringer ist oder nicht erhoben werden darf.“

Bei den Schnäppchen handelt es sich nicht zuletzt um sogenannte Error Fares – Preisfehler, wo zum Beispiel eine Null beim Flugpreis vergessen wurde. Findige Urlaubsprofis machen sich diese Fehler im Buchungssystem zunutze und verreisen zum Spottpreis. Am 11. Februar 2015 konnte man zum Beispiel einen Flug von London nach San Diego für 77 Euro in der First Class buchen. Champagner, Wein und Deluxe-Menü inklusive. Natürlich war das nicht der Katalogpreis und auch kein Sonderangebot der Airline. Der Fehler lag im Wechselkurs. Der Hintergrund: United Airlines bezieht den Umrechnungskurs von einem externen Dienstleister. So kam ein Spottpreis von 77 Euro zustande. Der Fehler blieb nicht lange unbemerkt. United Airlines gab auf Twitter bekannt, dass sie einen entsprechenden Vorfall untersuchen. Aufmerksam machte die Airline ausgerechnet ein Kunde, der sich auf dem Kurznachrichtendienst erkundigte, ob sein Error-Fare-Ticket bestätigt ist. Auf weiteres Insistieren machte er dann auch noch seinen Buchungscode öffentlich. United Airlines entschied daraufhin, alle Tickets zu stornieren. Ein paar Stunden später trudelten die Stornierungs-E-Mails ein. Dieser Kunde hatte Pech.

„Die meisten Buchungsfehler bleiben jedoch unbemerkt“, sagt Reise-Experte Kinast. „Sie fallen zunächst nicht auf, weil die Airlines jeden Tag tausende Tickets ausstellen. Kein Mitarbeiter überprüft, ob der Preis plausibel ist.“ Den Irrtum melden sollte der Reisende natürlich besser nicht.

Das US Department of Transportation (DOT) hat sehr strenge Regeln für Airlines aufgestellt, die Flüge von oder in die USA anbieten. Grundsätzlich gilt: Auch ein Error-Fare begründet einen Reisevertrag, der beide Seiten rechtlich bindet. „Sind diese Tickets erst einmal ausgestellt und das Geld von der Kreditkarte abgebucht, so ist der Vertrag bereits geschlossen“, erklärt Kinast. „Zwar kann sich die Airline immer noch zum Beispiel auf menschliches Versagen berufen und die Tickets stornieren, doch das kommt nur sehr selten vor.“

Das DOT verpflichtet alle Airlines, ausgestellte Tickets zu honorieren, selbst wenn sie auf einem Irrtum basieren. So verpflichtete die Regulierungsbehörde die Fluggesellschaft Etihad, auf Error Fare gründende Reiseverträge zu erfüllen. Doch das DOT könnte seine Richtlinien ändern. Im Falle von United Airlines entschied die Behörde, dass Passagiere, die einen falschen Wohnort in Dänemark angeben, um von Wechselkursfehlern zu profitieren, nicht auf eine Honorierung der Airlines vertrauen dürfen. Wer also wissentlich und in „bösem Glauben“ Fehler im System ausnützt, hat keinen Anspruch auf Erfüllung des Reisevertrags.

Den Fluggesellschaften sind die Portale ein Dorn im Auge. Bloß: Wie können solche Error Fares vermieden werden? Konkret äußern möchte sich kein Unternehmen. Ein Sprecher von Delta Air Lines teilt auf Anfrage mit: „Das Geschäftsgebaren von Delta Air Lines im Hinblick darauf steht ganz und gar im Einklang mit den Vorgaben des U.S. Department of Transportation zu Preisen von und der Angebotswerbung für Error Fares.“ Will heißen: Delta erfüllt Verträge, die durch einen Buchungsfehler zustande kommen. Wenn auch zähneknirschend. „Die Angst vor einem Imageschaden oder Klagen ist meistens zu groß“, erklärt Kinast.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2015)