Griechenland: Banken bis 6. Juli geschlossen

Bloomberg

Die Barabhebungen an Geldautomaten werden für Griechen auf 60 Euro pro Tag beschränkt.

Wegen eines befürchteten Ansturms beunruhigter Sparer bleiben die griechischen Banken bis mindestens kommenden Montag geschlossen. Die Regierung in Athen teilte nach einer nächtlichen Krisensitzung am Sonntag weiter mit, Geldautomaten könnten diesen Montag bis zum späten Nachmittag nicht genutzt werden. Danach dürfen griechische Kunden 60 Euro pro Tag abheben. Ausländer können weiter höhere Beträge abheben. Online-Überweisungen sind weiter möglich, aber nicht ins Ausland.

Engpässe auch für Ausländer

Die griechische Regierung hatte zuvor mitgeteilt, die Einschränkungen bei Abhebungen an Bankomaten würden nicht für Besucher aus dem Ausland gelten, wenn diese "mit einer in ihrem Herkunftsland ausgestellten Kreditkarte Transaktionen und Abhebungen" vornehmen wollten. Touristen dürften damit weniger unter der aktuellen Krise leiden. Allerdings waren einige Geldautomaten in Griechenland wegen des Ansturms der Kunden bereits leer.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte sowie auch das österreichische Außenministerium am Sonntag Griechenland-Reisenden geraten, sich im Voraus mit ausreichend Bargeld zu versorgen. In Griechenland könne es bei der Bargeldversorgung "zu erheblichen Wartezeiten" sowie zu "Engpässen beispielsweise bei der Ausstattung der Automaten mit Bargeld" kommen, hieß es in den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen des Ministeriums.

Aus Sorge vor Kurseinbrüchen blieb auch die Börse in Athen zunächst geschlossen. In Asien drückte das Scheitern der Schuldengespräche zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern auf die Stimmung. In Japan fiel der Nikkei -Index der 225 führenden Werte am Montag um knapp drei Prozent. Der Dax verlor im vorbörslichen Handel mehr als vier Prozent. Der Euro gab im fernöstlichen Handel fast zwei Prozent nach.

Nachbarländer in Sorge

Als erstes konkretes Anzeichen, dass sich ein Land gegen eine Ansteckung griechischer Finanzmarktturbulenzen zu schützen sucht, wies Mazedonien seine Banken an, ihre gesamten Einlagen bei Geldhäusern in Griechenland abzuziehen. Zudem wurden "vorbeugende Maßnahmen" beschlossen, die den Abfluss von Geldern Richtung Griechenland eindämmen sollen. Die Zentralbank in Skopje teilte am späten Sonntagabend mit, die Schritte seien nur vorübergehend.

US-Finanzminister Jack Lew telefonierte mit Tsipras. Einem Sprecher Lews zufolge muss vor dem von der griechischen Regierung für kommenden Sonntag geplanten Referendum zu den Reformauflagen der internationalen Geldgeber weiter eine Lösung im Schuldenstreit gesucht werden. Athen müsse sich zu Reformen bekennen und alle Seiten über Schuldenerleichterungen für das Krisenland diskutieren.

Die griechische Regierung will mit ihren Maßnahmen verhindern, dass die Banken zusammenbrechen, weil angesichts der drohenden Staatspleite zu viele Kunden gleichzeitig ihre Konten räumen. Nach dem Abbruch der Schuldengespräche hatten sich am Wochenende bereits lange Schlangen vor den Geldautomaten gebildet. Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras erklärte, die Bankguthaben der Griechen seien sicher.

Lage verschärft

Griechenland steuert auf einen Bankrott zu; es droht ein Finanzchaos. Tsipras hatte in der Nacht auf Samstag überraschend ein Referendum über die Vorschläge der Geldgeber für den kommenden Sonntag angekündigt. Die Finanzminister der Eurozone warfen Tsipras daraufhin vor, einseitig die Verhandlungen abgebrochen zu haben, und entschieden, das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm nicht zu verlängern.

Das aktuelle Hilfsprogramm für Griechenland läuft an diesem Dienstag (30.6.) aus. Am selben Tag muss Athen rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. Ohne weitere Rettungsgelder droht dem Land die Pleite.

(APA/AFP/Reuters)