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Das Geschäft mit den E-Tankstellen

E-Tankstelle
E-TankstelleDie Presse
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Elektroautos sind auf Österreich Straßen immer noch eine Seltenheit. Dennoch investieren immer mehr heimische Start-ups in Elektrotankstellen – und setzen dabei auf erneuerbare Energie und moderne Technik.

Was baut man zuerst – Ladestationen oder Elektroautos? Ein Henne-Ei-Problem, denn ohne Ladestationen keine Elektroautos und ohne Elektroautos keine Ladestationen. Für den Gründer des Start-ups Smartrics, Michael-Viktor Fischer, war die Antwort aber klar: Langsam kommen die Elektroautos, jetzt braucht es Ladestationen. Denn auch wenn die Zahl der E-Fahrzeuge in Österreich vergleichsweise noch immer klein ist, ist er überzeugt, dass sich das bald ändern wird. Zurzeit gibt es etwa 6600 Elektroautos in Österreich. Spätestens seit der EU-Verordnung von 2008 – die durchsetzen soll, dass bis 2021 Autos durchschnittlich nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer verbrauchen –, steht die Autobranche unter Druck: „Die Strafen sind für die einzelnen Autohersteller so hoch, dass niemand auch nur daran denkt, sie nicht zu erfüllen“, erklärt Fischer die Folgen der Verordnung. Autohersteller hätten daher in den vergangenen Jahren verstärkt umgesattelt und in rein elektrische Autos oder hybride Fahrzeuge mit Plug-in investiert.

Die Zahl der Tankstellen steigt. Auch andere bereiten sich vor. Die Zahl der Start-ups, die E-Tankstellen in Österreich bauten, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Smatrics etwa wurde 2013 von Siemens und Verbund gegründet und baut nun Ladestationen im öffentlichen Raum. Derzeit betreibt das Wiener Unternehmen rund hundert Standorte bundesweit. Theoretisch wären sie gar nicht notwendig, denn zum Laden eines Autos reicht schon eine einfache Steckdose. Nur dauert damit das Laden acht bis zwölf Stunden. Mit einem vollen Tank schafft das durchschnittliche E-Auto dann je nach Modell zwischen 180 und 240 Kilometern.

Das ist für viele nicht praktikabel genug. „Vielen potenziellen E-Lenkern dauert das Tanken einfach zu lange vor allem wenn man so oft laden muss. Das schreckt sie vom Kauf eines E-Autos ab“, so Fischer. Mit Highspeed-Ladestationen hingegen kann das Auto in nur zwanzig Minuten zu 80 Prozent geladen werden. Smartrics bietet bereits über zwanzig solcher Ladestationen an, die Strom aus Wasserkraft in die Autos speisen. Dreißig weitere werden derzeit gebaut.

Und das Tankverhalten ähnelt so gar nicht dem bei einem herkömmlichen Auto, sagt Fischer. „Man lädt das E-Auto so wie das Handy eigentlich immer auf. Man kommt ins Büro, in den Supermarkt oder nach Hause und steckt das Auto an.“ Zukünftig, prognostiziert er, werden E-Lenker auch verstärkt kabellos laden: Das Auto wird dann einfach auf dem Parkplatz, in dem die Ladestation zum Beispiel im Boden eingebaut ist, abgestellt. Das Tanken passiert damit automatisch.

Eine Garage liefert Strom. In dieser Nische setzt auch das Wiener Start-up Iconic an. Während Smartrics seine Ladestationen vor allem im öffentlichen Raum anbietet, wollen die Gründer von Iconic, Carina Riepl und Constantin Vallery, sowohl Privatpersonen als auch Firmenkunden erreichen. Die beiden 27-jährigen Wirtschaftsingenieure haben im Zuge ihrer Bachelorarbeit an der Technischen Universität Wien ein Fotovoltaik-Carport entwickelt, das mit Solarenergie betrieben wird.

Das Carport – eine Art Garage im Freien, nur mit Dach und ohne Seitenwände – besteht aus Leichtbauteilen mit integriertem Stromspeicher, für die Sonnenlichtaufnahme sorgt eine flexible Fotovoltaikmembran. Das parkende E-Auto lässt sich direkt oder aus dem Stromspeicher aufladen.

Die App kontrolliert. Wenn sich kein selbst erzeugter Solarstrom im Speicher befindet, kann man auf herkömmlichen Nachtstrom zurückgreifen. Das Monitoring erfolgt dabei über eine App, diese zeigt an, wie viel Energie über die Fotovoltaikanlage erzeugt wird, wie viel vom Netz kommt und wie viel sich im Speicher befindet.

Die Ladestation mit Dach können Kunden in zwei Stunden selbst montieren, auf Wunsch wird das Fotovoltaik-Carport aber auch aufgebaut: „Es war uns wichtig, dass unsere Kunden auch selbst Hand anlegen können, wenn sie das wollen. Wir wollten etwas Benutzerfreundliches machen“, erklären Riepl und Vallery.

Neben der Funktionalität war den Entwicklern auch das Design wichtig. Das Carport ist in schlichten Farben gehalten und besteht aus Stahl und Aluminium, beides wetterfest. Schließlich steht das Carport auf dem Grundstück des Kunden. Und das müsse dann „schon auch gut aussehen“.

Stromtank

Smartrics wurde 2012 von Verbund und Siemens gegründet und baut Highspeed-Ladestationen im öffentlichen Raum. smatrics.com

Iconic hat ein Fotovoltaik-Carport entwickelt, mit integrierter Ladestation.
iconic-product.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2015)