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Kokain in Red-Bull-Cola: "Müsste 100.000 Liter trinken"

Red Bull-Cola
(c) EPA (Rolf Vennenbernd)
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Nachdem Kokainspuren im Red Bull-Cola gefunden wurden, analysieren österreichische Experten Proben. Indes urteilt das deutsches Institut, das die Spuren gefunden hat: Erst bei großen Mengen gebe es eine Wirkung.

Nach dem Fund von Kokainspuren im Red-Bull-Cola in Deutschland sind die Experten der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) noch am Analysieren ihrer gezogenen Proben. Ergebnisse werden bis Ende der Woche erwartet, berichtete Roland Achatz von der AGES. Über mögliche Maßnahmen wollte man nicht spekulieren: Man werde die Ergebnisse in einer Expertengruppe erörtern und dann weiterentscheiden, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. Für den Nachmittag wurde eine Besprechung einberufen.

100.000 Liter, um Wirkung zu erzielen

0,4 Mikrogramm pro Liter Kokain wurde laut dem nordrhein-westfälischen Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA) gefunden: "Das heißt, dass auf ein Mal jemand 100.000 Liter trinken muss, um eine Wirkung zu erzielen", so eine LIGA-Sprecherin zur APA.

Auch der deutsche Pharmakologe Fritz Sörgel hält die Maßnahmen gegen das Getränk für übertrieben. Er habe bei einem massenspektroskopischen Schnelltest erhebliche Schwankungen zwischen verschiedenen Chargen von Red Bull Cola für die Stoffe Kokain und dessen Abbauprodukt Benzoylecgonin (BEC) gefunden, sagte der Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg laut "Netzeitung".

"Wir haben auch den Koffeingehalt gemessen. Auch er ist sehr variabel", erläuterte er. "Wenn man andere Nahrungsmittel und Getränke auf diesem Level der Empfindlichkeit messen würde, wie jetzt Red Bull Cola, fände man vieles", sagte der Experte. "Dank moderner Analysenmethoden lernen wir immer mehr, dass wir in einem Meer von Drogen und Dopingstoffen leben", so Sörgel.

Die österreichischen Untersuchungen umfassen eine Analyse, Gutachten und Nachanalysen zur Verifizierung der Ergebnisse. Bisher galt das nach zugelassenen Verfahren "dekokainierte" Kokablattextrakt als "sicher" für Menschen. Im Gesundheitsministerium wurde Montagnachmittag ein Treffen einberufen, um "Offenes" zu besprechen, hieß es davor.

"Red Bull gilt als unbedenklich"

Red Bull zeigte sich vorerst auch am Montag recht schweigsam: Man sei mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Kontakt um Bedenken auszuräumen, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. "Red Bull Cola sowie andere Lebensmittel, die Kokablattextrakte enthalten, gelten sowohl in der EU als auch in den USA als unbedenklich und verkehrsfähig."

Der wissenschaftliche Leiter der Wiener Drogenberatungsstelle "ChEckiT!", Rainer Schmid, meinte, die benötigte Kokain-Dosis, um eine pharmakologische Wirkung zu erzielen, sei abhängig vom jeweiligen Konsumenten; sie würde sich "grob gesagt" bei etwa 50 Milligramm einstellen. "Eine Straße Kokain - also einmal saugen - enthält in etwa zwischen 20 und 100 Milligramm", so Schmid. Auch merkte der Experte an, dass die Wirksamkeit bei oraler Einnahme nicht so groß sei wie wenn "geschnupft" werde.

"Kokain wurde schon vor 5000 Jahren verwendet"

"Kokain wurde schon vor 5000 Jahren verwendet", sagte Harald Sitte vom Pharmakologischen Institut der Medizinischen Universität Wien. Boten für Langstrecken seien früher damit abgehärtet worden - Kokablatt-Konsum erhöht z. B. die Ausdauer. Um 1960 wurde die psychoaktiv wirksamen Komponenten des Kokastrauchs von Albert Niemann erstmals chemisch isoliert.

Die Wirkung begeisterte auch den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud - er verfasste die Schrift "Über Coca". Später wurde Kokain als Lokalanästhetikum in der Medizin eingesetzt. 1888 wurde Coca-Cola auf Basis von Koka und Cola-Nuss-Extrakten auf den Markt gebracht, doch 1906 wurde in den USA der Zusatz von Kokain in Getränken und rezeptfreien Arzneimitteln gesetzlich verboten, heißt es auf der Website von ChEckiT!.

(APA)