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Wien. Abwarten. Diese Empfehlung gaben die Analysten der Deutschen Bank den Aktionären der Raiffeisen Bank International (RBI) am Dienstag, indem sie ihre Empfehlung „Hold“ für die Papiere der heimischen Bank bekräftigten. Als Grund dafür wurde von den Deutschen die Unsicherheit für die Investoren angesichts der wieder zunehmenden Gerüchte über mögliche Fusionen innerhalb des Raiffeisen-Sektors genannt. Schon seit Monaten steht ein mögliches Zusammengehen von einzelnen Raiffeisen-Unternehmen im Raum, „Die Presse“ berichtete mehrmals. Als mögliche Kandidaten gelten dabei neben der RBI die Raiffeisen-Zentralbank (RZB) sowie die einzelnen Raiffeisen-Landesbanken. Anfang der Woche sorgte ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg dabei erneut für Aufregung.

Demnach soll es derzeit intensive Diskussionen über einen Plan geben, laut dem RBI, RZB sowie deren größte Aktionärin, die RLB Niederösterreich-Wien, miteinander fusioniert werden sollen. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen – in den kommenden Monaten soll es jedoch so weit sein.

 

Hameseder für Einsparungen

Bei den beteiligten Unternehmen heißt es unisono, dass Gerüchte nicht kommentiert werden. Dennoch denken auch prominente Vertreter des Raiffeisen-Sektors zuletzt immer wieder öffentlich über Einsparpotenziale und dafür notwendige Umstrukturierungen nach. So meinte etwa Erwin Hameseder, Aufsichtsratschef von RLB-NÖ Wien und RZB, erst Ende Oktober bei einem Funktionärsforum in St. Pölten, dass man bei der Strukturdiskussion „noch nie so weit war wie jetzt“. Allerdings habe ein Umbau nur dann einen Sinn, wenn schlussendlich die Eigentümer – also die kleinen genossenschaftlich organisierten Raiffeisen-Banken – entlastet werden. Laut Hameseder sollten diese bei den Kosten um 20 bis 25 Prozent entlastet werden.

Die komplizierte Struktur des Raiffeisen-Sektors ist einer der Gründe für die aktuelle Diskussion. Denn anders als etwa die Bank Austria, die wie ein Konzern organisiert ist (und der italienischen UniCredit gehört), bildet Raiffeisen quasi Österreich nach. Den 473 lokalen Raiffeisen-Banken gehören die acht Landesbanken. Und diese sind wiederum die Eigentümer von RZB und über sie zu rund 60 Prozent von der börsenotierten Osteuropa-Tochter RBI.

Und wie in der politischen Verwaltung gibt es innerhalb des formal zusammengehörenden Sektors kostspielige Eigenbrötlerei. So wurden beispielsweise erst im Vorjahr die IT-Systeme zwischen den beiden größten Landesbanken – Niederösterreich-Wien und Oberösterreich – vereinheitlicht. Ein Schritt, der langfristig Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich bringen soll. Von einheitlichen Systemen über den ganzen Sektor ist man aber noch weit entfernt.

 

Regulierung bringt Kosten

Verschärft wird diese Problematik durch die zunehmende Regulierung des Bankensektors. So werden sowohl die Landesbanken in Nieder- und Oberösterreich als auch die RZB inzwischen von der EZB aus Frankfurt überwacht. Dies bedeutet bei allen drei Instituten hohe Kosten für die dafür notwendigen Spezialisten. So meinte ein hoher Raiffeisen-Manager unlängst zur „Presse“, dass er überall sparen müsse, im Bereich der Regulierung aber ständig zusätzliche teure Mitarbeiter brauche, die schlussendlich für die Bank jedoch keine wirtschaftlich verwertbare Produktivität brächten. Und zu guter Letzt kann die strukturelle Zersplitterung bei Raiffeisen es den einzelnen Instituten in Zukunft auch schwieriger machen, die von den Behörden ständig nach oben geschraubten Kapitalquoten zu erfüllen.

In Wien spricht man daher hinter vorgehaltener Hand schon seit Längerem von der Notwendigkeit für Fusionen. Allerdings gibt es aus den anderen Bundesländern große Widerstände. So meinte etwa RLB-OÖ-Chef Heinrich Schaller Anfang September: „Aus unserer Sicht ist eine Fusion mit einer anderen Landesbank oder der RZB ausgeschlossen.“ Und auch in der drittgrößten Landesbank – jener in der Steiermark – wurde in der Vergangenheit vor allem betont, wie wichtig die Eigenständigkeit der einzelnen Institute sei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2015)