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Migranten auf dem Arbeitsmarkt: Sprache ist größtes Hindernis

Flüchtlinge unterwegs nach Österreich.
Die Flüchtlingswelle stellt auch den Arbeitsmarkt vor große HerausforderungenEPA
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Ein Viertel der Migranten fühlt sich für ihren Job überqualifiziert. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration auf dem Arbeitsmarkt ist laut Statistik Austria die Sprachkenntnis.

Mitten in der Flüchtlingswelle hat die Statistik Austria am Montag eine Studie zur Arbeitsmarktsituation von Migranten vorgestellt. Diese analysiert zwar die Situation des Vorjahres, laut Behördenchef Konrad Pesendorfer kann man daraus aber auch Schlüsse für die Folgen der aktuellen Situation ziehen. "Integration funktioniert über Sprache", sagte er im Klub der Wirtschaftspublizisten. Eine wesentliche Ursache, warum die Arbeitslosenquote bei nicht in Österreich Geborenen höher liege, sei die Sprachkenntnis. Nach der Sprache folgt als wichtigstes Kriterium die Bildung, so der Statistik-Austria-Chef am Montag.

Veraltete Berufsqualifikationen

Was man hier aber nicht vergessen dürfe, ist, dass während des Erlernens der Sprache die ursprünglichen Berufsqualifikationen nicht weiterentwickelt werden und damit veralten. Wenn etwa ein Akademiker zwei, drei Jahre fürs Erlernen von Deutsch brauche und einstweilen als Lagerarbeiter seinen Unterhalt verdiene, dann sage sich wohl jeder potenzielle Arbeitgeber, dass er diesen nicht mir nichts dir nichts als Akademiker in seinem Unternehmen einsetzen könne, erklärte der Statistiker.

Prinzipiell fühlen sich, wie aus der aktuellen Studie der Statistik Austria hervorgeht, Migranten weit öfter für ihren Job überqualifiziert als in Österreich Geborene. Bei Einwanderern sind es 23,5 Prozent, bei Österreichern 8,8 Prozent.

Pesendorfer lobte das Projekt des AMS, bei dem zuallererst in der Muttersprache Qualifikationen und Fähigkeiten von Nicht-Österreichern erhoben würden. "Das ist ein wesentliches Element, um relativ schnell zu differenzieren, ob es sinnvoll ist, sehr viel Geld und Zeit in die Weiterbildung der Person zu investieren - oder ob auch nach einer kostenintensiven Weiterbildung die Chance auf einen besseren Job eher gering ist." So ergeben sich zwei Aspekte für die Integration am Arbeitsmarkt - jene der Sprache und jene der Qualifikation, auch unabhängig vom formalen Bildungsabschluss.

"Von Anfang an reinen Wein einschenken"

Bezogen auf die Integration insgesamt und am Arbeitsmarkt ließ Pesendorfer auf Nachfragen eine gewisse Sorge wegen des Asyls auf Zeit anklingen. Wenn sich die Situation im Herkunftsland normalisiert hat, können Leute nach drei Jahren zurückgeschickt werden. Dies könnte sich "letztendlich leerlaufen, wenn alle Integrationsbemühungen erfolgreich sind. Es ist wichtig, den Leuten von Anfang an reinen Wein einzuschenken".

Für im Ausland Geborene spielen persönliche Netzwerke eine größere Rolle beim Finden von einem Job als bei hier Geborenen. Blindbewerbungen schreiben sie weniger. Pesendorfer sagte, hier spiele öfters der Nachname eine Rolle, um zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

Nicht-Österreicher haben öfter nur eine Pflichtschul-Ausbildung - aber auch öfter eine tertiäre Ausbildung. "Es gibt eine in den Extremen angesiedelte Bildungshöhe bei Migranten. Die sich sehr stark nach Herkunftsländern differenziert", so Pesendorfer. Hier kommen die vielen Deutschen Migranten aber auch jene aus Südtirol (Italien) ins Spiel, die oft auch hierzulande studieren.

Die Migrationsmotive seien in erster Linie die Arbeit und auch der Familiennachzug. Hier gab Pesendorfer zu bedenken, dass der Familiennachzug praktisch nicht steuerbar sei.

(APA)