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Erstmals mehr Frauen und Kinder als Männer auf dem Weg nach Europa

In Griechenland kommen immer mehr Frauen und Kinder an.
In Griechenland kommen immer mehr Frauen und Kinder an.APA/AFP/LOUISA GOULIAMAKI
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Mehr als ein Drittel der Flüchtlinge, die von der Türkei nach Griechenland aufbrechen, sind Kinder, sagt Unicef - damit steigen auch die Todesfälle Minderjähriger.

Erstmals seit Beginn der Flüchtlingskrise sind mehr Frauen und Kinder auf dem Weg nach Europa als Männer. 60 Prozent der Menschen, die die Grenze von Griechenland nach Mazedonien überquerten, seien aktuell Frauen und Kinder, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) am Dienstag in Genf mit.

Auch über das Meer nach Griechenland kommen immer mehr Kinder: "36 von 100 Flüchtlingen, die derzeit die gefährliche Seereise von der Türkei nach Griechenland wagen, sind Kinder", sagte Unicef - mit dramatischen Folgen: Die Entwicklung bedeute, dass mehr Menschen auf dem Meer in Gefahr seien, besonders im Winter.

Laut einer Statistik der Internationalen Organisation für Migration (IOM) war eines von fünf Todesopfern, die im Jänner zwischen der Türkei und Griechenland im Mittelmeer ums Leben kamen, minderjährig - 60 von 272 Todesopfern waren Kinder. Erst am Dienstag waren die Leichen von zwei Babys von der türkischen Küstenwache geborgen worden.

Anteil der Kinder verdreifacht

Zudem sei mehr Schutz am Land für Kinder und Frauen notwendig, sagte Marie Pierre Priorier, die Unicef-Koordinatorin für die Flüchtlingskrise. "Wohlfahrt-, Schutz- und Gesundheitssysteme müssen auf jeder Station auf dem Weg ausgebaut werden, damit Kinder und Frauen nicht ausgebeutet werden können oder durch den Raster fallen." Erst vor Kurzem war das Verschwinden von 10.000 Flüchtlingskindern in Europa bekannt geworden.

Im Juni 2015 waren noch zu 73 Prozent der Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa Männer. Binnen eines halben Jahres habe sich der Anteil der Kinder verdreifacht. Sie kommen nicht nur in Begleitung von Erwachsenen, auch viele unbegleitete Minderjährige mischen sich unter den Flüchtlingsstrom.

Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR veröffentlichte neue Zahlen. Im Jänner sind demnach 60.502 Flüchtlinge und Migranten aus der Türkei auf dem Seeweg nach Griechenland gekommen - trotz des winterlichen Wetters. Im Juni 2015, als der große Migrationszustrom in der Ägäis einsetzte, kamen knapp 55.000 Migranten an. Am 1. Februar setzten knapp 1250 weitere Flüchtlinge und Migranten von der Türkei auf die griechischen Inseln über.

Frontex fordert mehr Grenzbeamte

Der Direktor der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, sprach mit Blick auf die aktuellen Flüchtlingsbewegungen von einem "historischen Ereignis". "2015 haben wir 1,8 Millionen irreguläre Grenzübertritte auf EU-Ebene festgestellt. Das ist historisch. Kein EU-Mitgliedsstaat kann alleine dieses Problem lösen."

Im ZDF-"Morgenmagazin" forderte er am Mittwoch zur Sicherung der EU-Außengrenzen mehr Beamte für seine Behörde. "Ich erwarte von den EU-Mitgliedsstaaten, dass sie mehr Grenzbeamte zur Verfügung stellen."

Frontex setze derzeit allein in Griechenland mehr als 750 EU-Grenzbeamte ein, erläuterte Leggeri. Davon helfen nach seinen Angaben 200 bei der Registrierung der Flüchtlinge. Wegen des Mangels an Grenzbeamten müsse auch über den Einsatz "anderer Beamter oder anderer Arbeiter in einem privaten Vertrag" nachgedacht werden.

Der Türkei warf der Franzose vor, illegal eingereiste Flüchtlinge nicht - wie in bilateralen Abkommen festgelegt - zurückzunehmen und auch im Kampf gegen Schmuggler nicht durchzugreifen. Eine bessere Zusammenarbeit mit der EU und mit den Nachbarn Griechenland und Bulgarien sei notwendig, forderte der Frontex-Chef in Richtung Ankara.

(APA/dpa)