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Kabarett: Die Hektiker feiern ihren 200er

Die Hektiker (v. l.): Viktor Gernot, Werner Sobotka, Fifi Pissecker und Florian Scheuba.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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In den 1980ern kannte sie jeder, nun packen die Hektiker – trotz Solokarrieren – die alten Sketches aus und treten gemeinsam auf.

Fragen zu stellen wie bei anderen Interviews kann man bei den vier Herren gleich wieder vergessen. Wenn sich Florian Scheuba, Werner Sobotka, Wolfgang („Fifi“) Pissecker und Viktor Gernot treffen, gibt es kaum eine Rede- oder Schmähpause, in der man zu Wort kommen könnte.

Macht aber nichts. Sie erzählen auch so ziemlich viel, die Hektiker, die nach 2006 – wieder einmal – ein gemeinsames Bühnen-Comeback geben. Diesmal unter dem Namen „200 Jahre Die Hektiker“. Die Zahl ergibt sich aus der Tatsache, dass alle vier im Vorjahr ihren 50er gefeiert haben. Grund genug, so befanden sie, um die alten Sketches („Bumm, zack, iiin die Goschn“) und Parodien (beliebt: Sportler und Sportreporter, legendär: Toni Polster) auszugraben, die von viel Anarchie und viel, viel Nonsens geprägt waren.

Sobotka, der als Einziger nicht mehr auf der Bühne, sondern als Regisseur diverser Theaterproduktionen arbeitet, hat im ORF-Archiv das alte Material ausgehoben „und das Sensationelle ist, wie sehr sich der Zeitgeist und die Sehgewohnheiten geändert haben. Alles hat so lang gedauert und war so langsam“. Heute, sagt Pissecker, „hast du 90 Sekunden, maximal zwei Minuten für einen Sketch. Damals haben wir uns viel, viel länger Zeit gelassen.“

Dass sich heute so gut wie alle, die 30 Jahre und älter sind, an die Hektiker erinnern, liegt auch daran, dass sie in den 1980ern omnipräsent waren. Wer damals im TV – bekanntlich gab es nur zwei Sender – war, war bekannt. „Und es gab keine Woche, in der wir nicht im Fernsehen waren“, erinnert sich Sobotka. „Wir sind zu egal, welcher Thematik in egal, welcher Sendung vorgekommen. Und haben einfach irgendwas gemacht.“ Denn das Konzept in den ersten Jahren war eher: keines. Oder: Anarchie. „Wir waren oft ohne Plan“, sagt Scheuba. „Hauptsache, wir konnten uns verkleiden und zig Requisiten, die mit der Geschichte möglichst nichts zu tun haben, durch die Gegend tragen.“

 

„Rufts die Hektiker an“

Und dabei so gut wie möglich die Sendungskonzepte von „Wir“ bis „Wurlitzer“ (in letzterer Sendung waren sie Dauergäste, bis sie den Wurlitzer mit „I love Hektiker“-Pickerln verklebten und Auftrittsverbot bekamen) über den Haufen werfen: TV-Moderatoren haben sie den Mund zugeklebt, sie aus dem Studio getragen oder ausgesperrt. „Manche Redakteure haben uns gehasst oder gefürchtet, aber sie wussten: Es ist keine gute Sendung, wenn nicht die Hektiker vorkommen.“ Natürlich gab es damals auch andere Kabarettisten, den Hader oder den Vitásek, sagt Gernot, der selbst erst 1994 – nach dem plötzlichen Ausstieg von Mini Bydlinski – zu den Hektikern kam. „Die haben wahrscheinlich gesagt: Den Blödsinn mach ich nicht. Rufts die Hektiker an.“

Zeitgemäß, da sind sich alle einig, wäre das alles heute nicht mehr. Peinlich? Nein, peinlich sind die alten Sketches den Hektikern aber auch nicht. Man sei nur verwundert, dass das so gut funktioniert hat. Und das hat es: „Wir haben 140.000 Tonträger verkauft, und das ohne von Ö3 gespielt worden zu sein“, sagt Pissecker. Dass Jüngere mit den alten Nummern nicht unbedingt viel anfangen, können sie verstehen. Jan Frankl, der als Regisseur der TV-Aufzeichnung von „200 Jahre Die Hektiker“ das alte Material gesichtet hat, „ist 29, hat uns also damals gerade verpasst und ist fassungslos, was er da sieht“, sagt Sobotka. „Wenn ich mir das so anhöre“, sagt Gernot, „bin ich gar nicht böse, dass ich erst später eingestiegen bin.“ Gernot erinnert sich an seine ersten Wahrnehmungen der Hektiker. „Das war sensationell. Damals hat man sich erzählt, dass die schwer auf Kokain sind. Dann habe ich sie kennen gelernt und bin draufgekommen, die brauchen gar kein Koks, die sind von Natur aus so drauf.“

Mit dem Einstieg von Gernot wurden die Programme nicht nur musikalischer. „Für uns“, sagt Scheuba, „wurde auch der Anspruch wichtiger, einen scharfen Blick auf Gesellschaft, Religion und Politik zu werfen. Das war ein Riesenschritt, uns der Frage zu stellen, was wir denn wirklich wollen.“ Für ihre Reunion im Globe Theater drehen sie die Zeit nun wieder zurück. „Wir haben ein paar alte Nummern wieder einstudiert“, so Scheuba, „aber es gibt keinen fixen Ablauf. Wir entscheiden spontan, was wir erzählen, und welche Sketches wir einspielen.“ „Was mir jetzt erst aufgefallen ist“, sagt Sobotka, „in den ersten Programmen war ziemlich oft einer von uns nackt, warum auch immer.“ Also eines, sagt Gernot, verspreche er den Zusehern: „Wir werden dieses Mal bestimmt nicht nackt sein.“

AUF EINEN BLICK

„200 Jahre Die Hektiker“ ist im Globe Theater (3., Karl-Farkas-G. 19) am 10., 11., und 12. März sowie am 1. und 21. Mai zu sehen. (jeweils 19.30 Uhr). Karten: www.globe.wien.

Scheuba ist zudem solo und mit Robert Palfrader unterwegs (florianscheuba.at), auch Pissecker (pissecker.com) und Gernot (viktorgernot.at) sind solo auf der Bühne.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.03.2016)