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Türkische Küstenwache schlägt Flüchtlingsboot mit Stöcken

Ein Schiff der türkischen Küstenwache.
Ein Schiff der türkischen Küstenwache.REUTERS
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Die Beamten haben versucht, das Boot auf dem Weg nach Lesbos zu stoppen, sagt die Küstenwache. Es dürfte nicht der einzige Vorfall sein.

Dem britischen Nachrichtensender BBC wurde ein Video zugespielt, das zeigt, wie Mitglieder der türkischen Küstenwache auf Flüchtlinge in einem Schlauchboot einschlagen. Der Vorfall soll sich am frühen Samstagmorgen in türkischen Gewässern ereignet haben, als die Menschen auf ihrem Weg zur Insel Lesbos waren.

In dem 30-Sekunden-Clip ist zu sehen, wie Menschen in Schwimmwesten in einem Schlauchboot von Männern auf einem Schiff mit Stöcken geschlagen werden. Die Flüchtlinge rufen auf Farsi und Arabisch. Sie beschuldigten die Küstenwache, sie attackiert zu haben, berichtet BBC. Das negieren die Beamten. Sie hätten nur versucht, das Boot zu stoppen, ohne die Insassen zu verletzen.

Womöglich kein Einzelfall

Die Standardprozedur sei, die Gefährte der Flüchtlinge an die Schiffe der Küstenwache zu binden und sie zurück in die Türkei zu bringen, sagte ein Beamter gegenüber BBC. "Aber dieses Flüchtlingsboot schaltete seinen Motor nicht ab und fuhr weiter in Richtung Griechenland", sagte das türkische Küstenwachenmitglied. Laut BBC sei das nicht der einzige derartige Vorfall gewesen: Bereits vergangenes Jahr seien griechische Beamte gefilmt worden, wie sie auf die aufblasbaren Schlauchboote eingestochen hätten.

Sollten hinter den Vorwürfen keine Einzelfälle sondern systematische Übergriffe stecken, wirft das ein schiefes Licht auf den Deal Brüssels mit der Türkei. Die EU setzt darauf, dass spätestens beim Gipfel am 17. und 18. März ein Abkommen mit Ankara zustande kommt. Der beim vergangene Woche im Grundsatz vereinbarte Plan sieht vor, dass die EU künftig alle unerlaubt eingereisten Flüchtlinge von den griechischen Inseln zurück in die Türkei schickt. Für jeden zurückgeschickten Syrer soll die EU einen syrischen Flüchtling legal aus der Türkei einreisen lassen.

Griechenland will Idomeni schnell räumen

Griechenland hat unterdessen seine Bemühungen intensiviert, die Flüchtlinge aus dem provisorischen Camp bei Idomeni in besser ausgestattete Aufnahmelager zu bringen. Zwei Hepatitis-A-Erkrankungen in dem Camp unterstrichen die Befürchtungen, dass es dort zu Seuchen kommen könnte. Bei Idomeni kampieren noch etwa 12.000 Menschen. Nach tagelangem Regen in oft undichten Zelten sind sie durchnässt. Der Boden ist aufgeweicht und matschig. Viele wollen von dort nicht weggehen, weil sie auf eine Öffnung der Grenze zu Mazedonien hoffen.

Die griechischen Behörden verteilten am Samstag Flugblätter in Idomeni, mit denen die Flüchtlinge darüber informiert wurden, dass der Weg über Mazedonien nach Mittel- und Nordeuropa nunmehr versperrt sei. Die Menschen wurden aufgefordert, in die für sie geschaffenen Aufnahmelager zu gehen.

In Häfen und auf den Inseln seien die Flüchtlinge und Migranten angehalten worden, nicht nach Idomeni zu gehen, teilte die Regierung mit. Griechenland werde ihnen Unterkunft, Lebensmittel und Gesundheitsversorgung zur Verfügung stellen. Vize-Verteidigungsminister Dimitris Vitsas, der für die Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge verantwortlich ist, sagte, 400 Personen hätten Idomeni am Freitag verlassen. Er rechne mit steigenden Zahlen in den nächsten Tagen.

>>> Zum Bericht auf BBC.

(maka/APA/Reuters)