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Brüssel-Terror: Staatsanwalt bestätigt Anschläge durch Bakraoui-Brüder

Die drei Verdächtigen am Flughafen in Brüssel.
Die drei Verdächtigen am Flughafen in Brüssel.(c) Reuters

Zwei Selbstmordattentäter wurden als die Brüder Bakraoui identifiziert. Nach einem dritten Verdächtigen wird weiterhin gefahndet.

Immer mehr wird am Mittwoch über die Attentäter der Anschläge von Brüssel bekannt. Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte, dass das Brüderpaar Bakraoui Attentate am Flughafen Zaventem und bei der Metro-Station Maelbeek verübt hat. Bei den Anschlägen wurden insgesamt 31 Menschen getötet und 270 verletzt.

Ibrahim El Bakraoui zündete eine Sprengstoffweste in der Abflughalle des Flughafen. Seine Mittäterschaft sei durch Fingerabdrücke bewiesen worden. Der 30-Jährige war belgischer Staatsbürger. Der zweite Selbstmordattentäter des Flughafens sei noch nicht identifiziert worden, sagte Generalstaatsanwalt Frederic van Leeuw in einer Pressekonferenz.

Irbrahims Bruder, Khalid El Bakraoui, sprengte sich in der U-Bahn in die Luft, sagte Leeuw. Der Zug sei noch in Bewegung gewesen, als die Bombe hochging. Auch ihn identifizierte die Polizei mit Fingerabrdrücken. Er sei im Jänner 1989 geboren worden und belgischer Staatsbürger gewesen.

Ibrahim hinterlässt eine Art Testament

Beide Bakraoui-Brüder seien der Polizei wegen zahlreicher Delikte bekannt gewesen, hätten aber nicht unter Terrorismusverdacht gestanden. Sie haben beide Verbindungen zu dem am Freitag festgenommen Terrorverdächtigen Salah Abdeslam, der für die Anschläge von Paris am 13. November 2015 verantwortlich gemacht wird. 

Die drei Flughafen-Attentäter seien von dem Brüsseler Bezirk Schaerbeek mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Bei einer Durchsuchung des Appartments in Schaerbeek, in dem sich die Islamisten vor den Anschlägen aufgehalten hatten, fand die Polizei von Ibrahim El Bakraoui verfasste Dokumente. "Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, überall gejagt, nicht mehr sicher", schrieb er. Er wolle nicht wie Abdeslam in einer Zelle enden.

Dritter Verdächtiger noch nicht identifiziert

Unklar ist, wer der dritte Verdächtige ist, der mit Ibrahim El Bakraoui auf Videobildern am Flughafen aufgenommen worden war. Der Mann trägt eine helle Jacke und einen dunklen Hut. Er wurde dabei beobachtet, wie er aus dem Flughafengebäude rannte. Er sei noch nicht identifiziert worden, nach ihm werde weiterhin gefahnt, sagte Leeuw. Der Sprengsatz in der von ihm zurückgelassenen Tasche sei der größte gewesen. Er sei erst explodiert, als Sicherheitskräfte ihn kontrolliert sprengen wollten, "weil er so instabil war".

Medien hatten zuvor berichtet, bei dem Mann handle es sich um den Belgier Najim Laachraoui. Der Staatsanswalt äußerte sich dazu allerdings nicht. Mittwochvormittag berichteten einige belgische Medien zudem, Laachraoui sei bei einer Razzia im Brüsseler Viertel Anderlecht gefasst worden. Diese Meldung wurde später wieder zurückgezogen. Der 24-Jährige befindet sich nach wie vor auf freiem Fuß.

Verbindung zu Paris-Attentaten

Laachraoui war bereits in die Anschläge in Paris involviert. DNA-Spuren des Belgiers waren auf dem Sprengstoff entdeckt worden, der dort zum Einsatz kam. Zuvor, am 9. September 2015, war er bei einer Polizeikontrolle an der österreichisch-ungarischem Grenze mit Abdeslam im Auto gesessen. Laachraoui, ein Syrien-Rückkehrer, hat einen Abschluss in Elektrotechnik (mehr zu dem belgofrankischen Terrornetzwerk hier).

Najim Laachraoui
Najim Laachraoui(c) APA/AFP/BELGIAN FEDERAL POLICE/- (-)

Die Brüder El Bakraoui lebten in Brüssel, meldete RTBF. Unter ihrem Namen seien beide polizeibekannt gewesen, einer der beiden wegen Terrorismus. Khalid Bakraoui hat den Angaben zufolge allerdings unter falschem Namen ein Terrorversteck im Brüsseler Stadtteil Forest gemietet, in dem sich nach Erkenntnissen der Ermittler eben auch Abdeslam aufgehalten hat. In der Vorwoche war es bei einer Razzia in der Wohnung zu einem Schusswechsel gekommen. Von dort führte die Spur die Ermittler zu Abdeslam, der am Freitag im Brüsseler Problemviertel Molenbeek verhaftet wurde.

Brüssel am Tag danach: Ein Soldat patrouilliert vor dem geschlossenen Flughafen
Brüssel am Tag danach: Ein Soldat patrouilliert vor dem geschlossenen FlughafenAPA/AFP/JOHN THYS

Bei einer Razzia im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek wurden unterdessen am Abend in einer Wohnung eine Nagelbombe und eine Fahne der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) entdeckt, die sich zu den Taten bekannt hatte. Auch 15 Kilo Sprengstoff wurden gefunden. Zu der Wohnung führte die Ermittler offenbar ein Taxifahrer. Er sagte dem Sender VTM, er habe drei Verdächtige Männer von Schaerbeek zum Flughafen gefahren. Sie hätten sich nicht von ihm bei ihrem Gepäck helfen lassen wollen. Ein bei der Razzia gefasster Verdächtiger ist weiterhin in Polizeigewahrsam.

Verdächtige Fahrzeuge

Rätsel geben zudem drei verdächtige Fahrzeuge auf, die unmittelbar vor dem Anschlag am Airport angehalten haben sollen, darunter ein Renault Clio und ein scharzer Audi A4. In dem Audi befanden sich drei bis vier Männer. Sie stiegen allerdings nicht aus, sondern fuhren zurück in die Brüsseler Innenstadt. Die Zeitung "La Derniere Heure" spekuliert nun, dass es sich dabei um jene Zelle handeln könnte, die später den Anschlag in der U-Bahn-Station Maelbeek verübte.

Die Spur habe dabei zu einem 22-jährigen türkischstämmigen Mann in Limburg geführt, dem Besitzer des Wagens. Der Mann steht auf der Liste der Terrorverdächtigen, nachdem er vergangenes Jahr nach Saudiarabien gereist war. Dabei sei er in Begleitung dreier weiterer Limburger im Alter von 22, 25 und 26 Jahren sowie eines 33-jährigen Marokkaners aus Antwerpen gewesen.

(APA)