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Nur Goldbesitzer freuen sich

Hryvnia Currency Banknotes At The Ukrainian Central Bank
Themenbild: Gold(c) Bloomberg (Vincent Mundy)
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Die Sorge um China, der Ölpreisverfall, die zögernde US-Notenbank und der starke Euro haben vielen Anlegern das erste Quartal 2016 vermiest.

Wien. Im Vorjahr hat die Abwertung des Euro gegenüber Dollar und Franken dazu geführt, dass viele Anleger aus der Eurozone neben den Kursgewinnen Währungsgewinne lukrieren konnten – oder zumindest die Verluste gemildert wurden. Ursache war die Lockerung der Geldpolitik in der Eurozone, während die USA im Dezember erstmals seit der Finanzkrise die Leitzinsen angehoben haben.

Heuer hat sich das Bild gewendet: Die Aktienbörsen legten aufgrund wachsender Sorgen um die Weltwirtschaft (genährt durch China-Krise und Ölpreisverfall) einen Fehlstart ins neue Jahr hin. Trotz der jüngsten Gegenbewegung haben sich die meisten Indizes noch nicht vollständig erholt. Und dort, wo es unterm Strich kleine Gewinne gibt (etwa an der Wall Street), machte der starke Euro diese für Anleger aus der Eurozone zunichte.

Warten auf US-Zinserhöhung

Denn die Gemeinschaftswährung hat gegenüber den meisten wichtigen Währungen deutlich zugelegt (nur der japanische Yen war noch stärker). Was war passiert? Die EZB hat ihre Geldpolitik heuer zwar weiter gelockert (die Zinsen auf null gesetzt und die Anleihenkäufe ausgeweitet), das war jedoch erwartet worden. Bei der US-Notenbank Fed hatten die Marktteilnehmer jedoch mit raschen weiteren Zinsanhebungen gerechnet. Und die sind bisher ausgeblieben, Fed-Chefin Janet Yellen deutete jüngst sogar an, dass man bei weiteren Erhöhungen vorsichtig vorgehen wolle. Der Dollar hat jedoch eine straffere Geldpolitik vorweggenommen und gab daher nach. Gut für USA-Urlauber, schlechter für europäische Inhaber amerikanischer Wertpapiere.

Langfristig sollte der Druck auf den Euro allerdings bestehen bleiben, meint Schoellerbank-Experte Heinz Mayer. Kurzfristig sei der Raus-aus-dem-Euro-Zug schon ziemlich überfüllt gewesen. Immerhin erholten sich Gold- und Silberpreis noch stärker als der Euro, sodass die Anleger zumindest mit Edelmetallen Gewinne einfahren konnten. In Dollar gemessen legte Gold sogar um 16 Prozent zu. Das war nicht nur der erste Quartalsgewinn seit dem zweiten Quartal 2014, sondern auch der stärkste seit 25 Jahren. Die Gründe sind zwei: Zum einen flohen viele Anleger angesichts der wachsenden Konjunkturunsicherheit in den sicheren Hafen Gold. Zum anderen nützte dem Edelmetall derselbe Umstand, der dem Dollar schadete: die zögerliche Zinswende in den USA.

„Die gemäßigten Äußerungen von Yellen, die die Haltung der Fed bekräftigt haben, bei den Zinserhöhungen in diesem Jahr allmählich und vorsichtig vorzugehen, haben auf dem US-Dollarindex gelastet, was sich positiv auf Gold auswirkt“, sagte Vyanne Lai von der National Australia Bank zu Bloomberg.

Auch Öl- und Rohstoffpreise haben sich von ihren Tiefs im Februar entfernt – das Problem des weltweiten Überangebots hat sich zwar nicht entschärft, die Panik, die im Februar die Märkte erfasst hatte, hat sich jedoch ein wenig gelegt. Auch Rohstoffaktien haben einige gute Wochen hinter sich. Schoellerbank-Experte Mayer sieht „antizyklische Chancen“ aufgrund der tiefschwarzen Stimmung.

Der starke Euro – ein Euro kostete Ende März zeitweise 1,14 Dollar und damit so viel wie zuletzt im vergangenen Oktober – verschlechtert die Exportaussichten deutscher Autokonzerne: Daimler, Volkswagen (der zusätzlich unter dem Abgasskandal leidet) und BMW finden sich mit Verlusten zwischen 13 und 17 Prozent im ersten Quartal auf dem DAX-Kurszettel weit unten. Von 30 DAX-Werten schafften nur fünf ein Plus. Das deutsche Börsenbarometer, dem die Angst vor einer Abschwächung beim wichtigen Handelspartner China zusetzt, gab damit das dritte Quartal in Folge nach.

Pessimisten in der Überzahl

Zugleich wächst der Pessimismus der Marktteilnehmer, wie sich am Optionshandel zeigt: Die Zahl der auf Verluste setzenden Kontrakte ist Bloomberg-Daten zufolge um 44 Prozent höher als die Zahl der auf Gewinne setzenden Kontrakte. Im Februar lag die Differenz bei unter 25 Prozent.

Zu den stärksten ATX-Verlierern zählen die Versicherer Uniqa und VIG, die unter dem Niedrigzinsumfeld leiden. Europaweit kamen Banken unter die Räder: Die drei schlechtesten Eurostoxx-Werte waren UniCredit, Deutsche Bank und Société Générale. Bei den Anleihen sind die Risikoaufschläge für High-Yield-Anleihen (Firmen mit schlechter Bonität) gestiegen. Das bedeutet, dass solche Anleihen relativ billiger geworden sind. Ein guter Einstiegszeitpunkt ist das für Mayer trotzdem nicht: Viele Papiere (etwa aus dem Energiebereich) seien zu Recht so billig. Bei Anleihen rät der Experte am ehesten zu inflationsgebundenen Papieren. Denn über kurz oder lang werde die Inflation in der Eurozone – die derzeit primär vom Ölpreis niedrig gehalten wird – zurückkehren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2016)