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Belgien: Terrorzelle wollte erneut Paris treffen

(c) APA/AFP/THIERRY CHARLIER
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Fahnder haben den gesuchten "Mann mit Hut" vom Brüsseler Flughafen gefasst. Er gab an, dass eigentlich Frankreich das Ziel war. Die Ermittlungen ließen die Extremisten umplanen.

Wien/Brüssel/Paris. Das Ziel war Frankreich. Nach den Anschlägen im Jänner 2015 auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris sowie der Angriffsserie im November mit 130 Toten wollte die französisch-belgische Jihad-Terrorzelle erneut in Paris zuschlagen. Die voranschreitenden Ermittlungen machten den Extremisten aber einen Strich durch die Rechnung. Daher wurde am 22. März Brüssel das Ziel eines weiten Terrorakts. 35 Menschen starben.

Das gaben die belgischen Ermittler bekannt, nachdem sie bis zum Wochenende mehrere mutmaßliche Terroristen festgenommen und befragt hatten – darunter den 31-jährigen Mohammed Abrini. Er gestand, der „Mann mit dem Hut“ von den Überwachungskameras des Brüsseler Flughafens zu sein. Dort hatten sich im März zwei Selbstmordattentäter in die Luft gejagt, Abrini war mit den beiden unterwegs. Dem Belgier mit marokkanischen Wurzeln zufolge hatte die Terrorzelle nach der Verhaftung von Salah Abdeslam die Anschlagspläne geändert: „Wir fühlten uns in die Enge getrieben und gejagt“, zitiert ihn „De Standaard“.

Mit den Festnahmen von Abrini und Abdeslam sind nun alle öffentlich bekannten Attentäter in Haft. Die beiden verdeutlichen einmal mehr die engen Stränge zwischen Brüssel und Paris. So wurde nach Abrini eigentlich im Zug der Paris-Anschläge gefahndet, denn zwei Tage zuvor war er mit Abdeslam in Frankreich unterwegs gewesen – in jenem Renault Clio, der bei den Pariser Attentaten verwendet wurde.

 

Nachbarn im Molenbeek

Abrinis Rolle bei den Paris-Anschlägen ist bis dato unklar. Die Ermittler gehen von zumindest logistischer Unterstützung aus, etwa das Mieten einer Wohnung für die Terroristen. Seine Familie versichert, dass sich Abrini zum Tatzeitpunkt in Brüssel aufgehalten habe, um einen Mietvertrag mit seiner Verlobten zu unterschreiben. Bei dem Brüsseler Anschlag auf den Flughafen hingegen scheint Abrini, entgegen dem ursprünglichen Plan, seine Sprengstoffweste nicht aktiviert zu haben. Die Weste wurde später gefunden.

Auch Abdeslam sprengte sich in Paris – im Gegensatz zu seinem Bruder – nicht in die Luft, sondern flüchtete zurück in den Brüsseler Stadtteil Molenbeek, wo er sich vier Monate lang versteckt hielt. Die Familien Abdeslam und Abrini sind Nachbarn in Molenbeek. Abrinis Schwester zufolge kamen die Eltern 1967 nach Belgien. Wegen krimineller Handlungen saß ihr Bruder auch schon im Gefängnis.

An die Medien gewandt hat sich inzwischen auch der Vater von Abdeslam. Dem französischen Radiosender Europe 1 sagte er über seinen Sohn: „Wer etwas verbrochen hat, der muss dafür bestraft werden. Ich hoffe, dass er redet.“ Und weiter: „Ich verstehe nicht, was im Kopf meines Sohnes vorgeht. Wir kamen vor 40 Jahren nach Belgien. Wir waren hier glücklich. Wir haben hier gut gelebt, wir gingen aus, wir haben gelacht. Aber jetzt traue ich mich kaum mehr auf die Straße.“ (htz/duö/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2016)