Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Politischer Tauschhandel im ORF

ORF-STIFTUNGSRAT MIT WAHL DES ORF-GENERALDIREKTORS: GRASL
Richard GraslAPA/GEORG HOCHMUTH
  • Drucken

Gibt es kein Fairnessabkommen zum ORF, dürften ÖVP und ORF-Chef einander das Leben schwer machen.

Am Freitag ließ der geschlagene ORF-Herausforderer Richard Grasl in der Frage einer Gebührenerhöhung aufhorchen. „Der Generaldirektor muss entscheiden, ob und in welcher Höhe er im November oder Dezember einen Gebührenantrag stellt“, sagte der scheidende ORF-Finanzdirektor der „Presse“. Er werde Wrabetz „selbstverständlich“ unterstützen. Und man fragt sich: Was kriegt er dafür? Oder ist nach der ORF-Wahl die Kampfzone auf dem Küniglberg schon wieder befriedet?

So schnell wird das nicht gehen. Vorerst leckt die ÖVP ihre Wunden. Freundeskreisleiter Thomas Zach könnte abgelöst werden, meinen Insider, weil er die Mehrheit für Grasl nicht zustande brachte. Und die ÖVP könnte Entscheidungen im Stiftungsrat blockieren. Die Gebührenerhöhung zum Beispiel: Hier wird Wrabetz Stimmen aus dem bürgerlichen Lager brauchen, denn die fünf Betriebsräte im Rat (vier davon haben Wrabetz gewählt) dürfen nicht mitstimmen. Es brauche eine Art Fairnessabkommen – das aber „muss man auf Regierungsebene finden“.

 

Brunhofer: Zu Radio oder ORF2?

Auch Wrabetz hat Druckmittel. Er kann die ÖVP und ihre Wünsche bei Postenbesetzungen ignorieren. Gerüchte über das Postenkarussell sind bereits im Umlauf. Radiodirektor soll einer der drei Radio-Channel-Manager werden. Derzeit kursieren zwei Namen: Burgenlands SPÖ-naher Landesdirektor Karlheinz Papst könnte seinen Posten räumen (die burgenländische SPÖ ist seit ihrer Koalition mit der FPÖ mit der Berichterstattung nicht mehr zufrieden) – er könnte in Wien Ö1-Chef und Radiodirektor werden. Der noch unter SPÖ-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller bestellte Salzburger Landesdirektor Roland Brunhofer soll unter ÖVP-Landeshauptmann Wilfried Haslauer seinen Sessel räumen. Er wird gleich für zwei Ämter gehandelt: Als Ö3-Chef und Radiodirektor – oder als Channel-Manager von ORF2. Ö3-Chef Georg Spatt könnte dafür ORF-Unterhaltungschef Edgar Böhm nachfolgen, wenn dieser in Pension geht.

In der Steiermark könnte Landesdirektor Gerhard Draxler trotz des Landeshauptmannwechsels von Rot auf Schwarz von einem Deal profitieren: Der steirische ORF-Stiftungsrat ist schwarz (Klaus Poier), der Landesdirektor rot – Draxler dürfte also bleiben. In Tirol wünscht man sich, dass Landesdirektor Helmut Krieghofer bis zur Landtagswahl 2018 bleibt – obwohl er in Pension gehen könnte. Zumindest für die Verlängerung von Krieghofer und den Abzug von Brunhofer dürfte Wrabetz von den Stiftungsräten dieser Länder eine Gegenleistung erwarten – die Abstimmung über die Gebührenerhöhung wäre eine erste Gelegenheit. (i. w.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.08.2016)