Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Nachruf auf Johan Botha: Aus Glanz und Wonne kam er her

Live aus Grafenegg: ´Sommernachtsgala´
Johan Botha bei der ''Sommernachtsgala'' in Grafenegg, die vom ORF übertragen wurde(c) ORF (Milenko Badzic)
  • Drucken

Johan Botha, der sich einen dauerhaften Platz in der Interpretationsgeschichte ersungen hat, erlag im Alter von 51 Jahren seinem schweren Leiden.

Die Strahlkraft dieser Stimme war legendär. Wer hören durfte, wie er noch am Ende einer für alle übrigen Beteiligten hörbar kräfteraubenden "Meistersinger"-Aufführung mit den sogenannten Preis-Liedern des Walter von Stolzing brillierte, wie er ohne jede Mühe endlos scheinende Phrasen über Wagners leidenschaftliche orchestrale Wogen zu wölben wusste, wird das nie vergessen. Es waren Naturereignisse erfüllten Operngesangs; und das Publikum jubelte, denn wer die heldentenoral kärglichen Jahre und Jahrzehnte vor seinem Debüt erlebt hatte, erkannte: Man kann Wagner, man kann Richard Strauss singen, ohne die Ohren der Zuhörer mit Anzeichen steter Überforderung zu strapazieren.

Johan Botha war wirklich der Inbegriff des märchenhaften Gralsritters, der "aus Glanz und Wonne" herkam - und diesen Glanz in wonnigliche stimmliche Strahlkraft umzumünzen verstand.

Unvergesslich das Wien-Debüt des jungen, stattlichen Mannes aus Südafrika: In der Volksoper gab er den Rudolf in Harry Kupfers deutschsprachiger Produktion von Puccinis "Boheme". Schon eine knappe halbe Stunde nach Beginn der Vorstellung war die Sensation perfekt: Die Kunde von dem höhensicheren Tenor, der imstande war, das hohe C in ein lupenreines Piano zurückzunehmen und endlose Phrasen ohne Atemnot zu formen, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. 

Dass er seinen Einstand in einer Inszenierung feierte, die von den Protagonisten allerhand an Beweglichkeit einforderte, mutet aus heutiger Sicht beinah paradox an. Botha galt auf Grund seiner Wohlbeleibtheit als Vertreter des typischen, altvertrauten Opern-Stehtheaters. Doch das war eines jener notorischen, und notorisch unausrottbaren Vorurteile, die sich im internationalen Musikbetrieb durch Künstlerbewertungen und Rezensionen ziehen, ohne dass sie je hinterfragt werden.

Moderner Singschauspieler

Wer die Augen aufmachte, konnte in Botha durchaus auch einen modernen Singschauspieler erblicken; freilich nur dann, wenn sich eine sorgende Regisseurshand bemühte, diesen auch zu fordern. Es war noch in der Volksopern-Zeit, aber schon nach den Debüts des Künstlers an beinah allen wichtigen großen Häusern der Opernwelt, dass ihm Christine Mielitz ihre "Meistersinger"-Produktion auf den Leib schneiderte: Und man staunte, wie agil sich der angeblich unbewegliche junge Meistersänger mit seiner Harfe in der Hand durch die Nürnberger Gassen und über die Tribünen auf der Festwiese bewegte. 

Er konnte also durchaus Theater spielen - vor allem aber: Er sang die heikelsten Partien des Heldenfachs dank seiner strahlenden Stimme und seiner an der Italianità geschulten Technik unvergleichlich. Unvergleichlich schön. Unvergleichlich sicher. Siegmund und Lohengrin, Parsifal und Tannhäuser - was immer er anpackte, gelang wie ein lächelnder Beweis für die These, dass ein Mann wie Wagner nichts unbilliges von seinen Interpreten verlangt hat; es war wie eine Erlösung nach langen Jahren der veritablen Heldentenor-Krise.

Selbst eine Rolle wie die des Apollo in Richard Strauss' "Daphne", die als beinah unsingbar gilt, bereitete diesem Sänger keine Mühe. Ein hohes B, ein hohes H nach dem andern kam mit unglaublicher Strahlkraft über die Rampe - nur so war die Wiederentdeckung dieser leuchtendsten aller späten Strauss-Partituren überhaupt möglich geworden. Botha hat auf diese Weise manches Dornröschen aus dem Schlaf geküsst. 

Trügerisches Comeback mit "Turandot"

Und er hat nie aufgehört, neben dem deutschen auch das italienische Repertoire zu pflegen. Die jüngste Wiener "Turandot" sollte ihn als Kalaf auf der Staatsopern-Bühne sehen, auf der er so viele Triumphe feiern durfte. Der schwere Krankheit folgte eine kurze Genesungsphase, innerhalb derer Botha in einer Budapester "Walküre" sein umjubeltes Comeback feiern durfte.

Doch das war trügerisch. Das Ernennungsdekret zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper liegt, von Kunstminister Thomas Drozda unterschrieben, auf dem Schreibtisch von Direktor Dominique Meyer, der es Botha während der laufenden "Turandot"-Serie gemeinsam mit dem Ehrenring überreichen wollte. 

Es hat nicht sollen sein. Die Krankheit war stärker als die bis zuletzt völlig unverbraucht wirkende Stimme. In der Nacht auf Donnerstag ist Johan Botha 51-jährig seinem schweren Leiden erlegen.

Zur Person

Johan Botha wurde 1965 in Rustenburg, Südafrika, geboren und kam nach seinem Studium nach Europa, wo er erste Engagements in Deutschland erhielt und bald auf den bedeutendsten Opernbühnen weltweit auftrat, darunter ab 1997 regelmäßig an der New Yorker Metropolitan Opera.

Seit 1996 galt die Wiener Staatsoper als seine künstlerische Heimat: Hier sang er alle großen Partien seines Fachs, darunter in "Fidelio", "Tannhäuser", "Parsifal", "Tosca" und "Otello". 2003 wurde er zum Österreichischen Kammersänger ernannt.