Wenn ein AMS-Berater Autor wird

Johann Allacher: Musiker, AMS-Berater und nun auch Krimiautor.(c) Stanislav Jenis

Johann Allacher war Skiverkäufer, Lkw-Fahrer, nebenher stets Musiker und ist nun mit dem „Watschenmann“ auch unter die Krimiautoren gegangen.

Wien. Eine gewisse Experimentierfreudigkeit in Sachen berufliche Tätigkeiten kann man Johann Allacher nicht absprechen: Der gebürtige Wiener hat schon als Lkw-Fahrer gearbeitet, als Versetzer von Grenzsteinen, als Platzwart, am Fließband, er hatte jahrelang sein eigenes Sportartikelgeschäft, das auf den Skiverkauf spezialisiert war. Als er dieses aufgeben musste und er arbeitslos wurde, half er in der Gemeinde beim Heckenschneiden und Rasenmähen aus, weil „es mir zuwider war, nur zu Hause rumzuhocken“.

Nebenher war und ist Allacher, 51, auch immer wieder als Musiker tätig. Beim Verfassen eigener Songs bekam er Lust, auch einmal etwas Längeres zu schreiben. Einige Jahre später hatte er seinen Krimi fertig, nach – vergleichsweise – kurzer Zeit mit Emons auch einen Verlag gefunden, sodass sich nun auch Krimiautor in die lange Liste der Berufe Allachers einreihen darf. (Wie auch AMS-Berater, der er nun schon etwa zwei Jahre lang ist.)

„Der Watschenmann“ heißt das Debüt, ein Krimi voller Lokalkolorit (Wien!), Protagonist ist Erik Neubauer, ein Bummelstudent („Da erkennt man durchaus autobiografische Elemente“, sagt Allacher, der selbst lange Jus studiert hat), der „sehr verhaltensoriginell agiert und sich immer wieder in komplizierte Situationen manövriert“.

Ein leichtsinniger Student als Hauptfigur: Er habe, erzählt Allacher, bewusst nach einer Geschichte gesucht, „die nicht nach dem immer gleichen Schema abläuft: Es passiert ein Mord, die Ermittler treten auf, und am Schluss war es der Gärtner“. Ermittler gibt es in Allachers Roman zwar auch, „sie hinken der Handlung aber hinterher“. (Und ja, ein Mord passiert natürlich auch.)

 

Genie oder Scharlatan

Wiewohl ein leicht zu lesender Krimi, finden sich im „Watschenmann“ als Hintergrundgeschichte auch wissenschaftliche Elemente wie auch Kritik am rücksichtslosen Umgang der Menschen mit der Natur und Energieverschwendung. Denn Allacher verwebt in die Handlung die Thesen des österreichischen Naturforschers Viktor Schauberger (1885–1958), der sich lange vor allen anderen mit alternativer – und umweltfreundlicher – Energiegewinnung auseinandergesetzt hat. Und schon im frühen 20. Jahrhundert Kritik an dem Umgang der Menschen mit den natürlichen Ressourcen geübt hat. „Eigentlich war er der erste Grüne in Österreich“, sagt Allacher, der begonnen hat, sich mit „dem fast vergessenen Forscher“ Schauberger auseinanderzusetzen, als er mit seiner Frau in Niederösterreich ein Ökohaus gebaut hat. „Bis heute ist unklar, ob Schauberger ein Scharlatan gewesen ist oder ein Genie, auf jeden Fall aber eine sehr faszinierende Persönlichkeit mit einem komplett neuen Technologieverständnis“, sagt Allacher.

Beim Verfassen des 256 Seiten langen Romans habe die Musik durchaus eine Rolle gespielt, meint Allacher. Denn ähnlich wie ein Song habe auch sein Roman einen ganz bestimmten musischen Aufbau: Nach einem eher langsamen Intro wird das Tempo ab dem fünften Kapitel angezogen, in der Mitte gebe es dann einen „Instrumentalteil“, ehe die Geschichte zum Schluss ausklingt.

Und das „hoffentlich wohlklingend“, wie Allacher sagt. Wichtig sei ihm auch der Schmäh in seinem Roman, „ich schätze es auch an anderen Krimis, wenn darin hintergründiger Humor verpackt ist“. Die skandinavischen Krimis, „die so dunkel und finster daherkommen“, mag er weniger.

Heute, Dienstag, Abend wird Allacher im Rahmen der Wiener Kriminacht aus dem Roman lesen (siehe Infobox), Erfahrung darin hat er durchaus schon: Seit einiger Zeit verfasst er nämlich Gedichte in Wiener Mundart, die er immer wieder gern vorträgt. Mit dem Feedback zum ersten Roman (der zweite ist in Planung), sei er durchaus zufrieden, sagt Allacher. Dass ihn das Polizeipräsidium Bonn zu einer Lesung in seinen Krimiklub eingeladen hat, sieht er als gutes Zeichen: Dort sind normalerweise nur renommierte Autoren – zuletzt etwa Veit Heinichen oder Friedrich Ani – zu Gast.

DIE KRIMINACHT IM WIENER KAFFEEHAUS

Johann Allacher wird bei der Wiener Kriminachtheute, Dienstag (18.10.), aus seinem ersten Krimi „Der Watschenmann“ lesen und zwar um 18.30 Uhr im Café Weidinger am Lerchenfelder Gürtel 1.

Insgesamt sind bei der Kriminacht mehr als 40 Autoren im Einsatz, eine kleine Auswahl: Im Café Hawelka liest Beate Maxian (20 Uhr). Franz Zeller liest aus seinem Krimi „Sterben ist das Letzte“ um 20 Uhr im Grand Hotel Wien, Thomas Raab schon um 19 Uhr aus seinem neuen „Metzger“-Krimi im Café Bräunerhof. Der international erfolgreiche Bernhard Aichner wiederum ist um 20 Uhr auf der Summerstage samt jüngstem Krimi „Interview mit einem Mörder“ zu Gast. Herbert Dutzler liest um 19 Uhr im Thalia W3 (Wien Mitte). Bei einigen Orten ist eine Reservierung möglich und empfehlenswert, bei anderen kann nicht vorab reserviert werden. Infos dazu sowie das komplette Programm: www.kriminacht.at