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Whisky: Sprit sparen

Elf Flaschen eines Glenfiddich von 1955 füllte man zu Ehren der Enkelin des Destilleriegründers ab (oben). Ein Beispiel für sagenhafte Preissteigerung: der Yamazaki Single Malt Sherry Cask (unten).
Elf Flaschen eines Glenfiddich von 1955 füllte man zu Ehren der Enkelin des Destilleriegründers ab (oben). Ein Beispiel für sagenhafte Preissteigerung: der Yamazaki Single Malt Sherry Cask (unten).(c) Beigestellt
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Der Witz ist alt – „Wo sonst gibt es 40 Prozent?“ –, doch Investieren in Spirituosen hat durchaus Sinn. Man muss nur wissen, welche Whiskys ihren Preis verfünfzigfachen.

Weinsammler haben es leicht. Für ihre Investments gibt es nachvollziehbare Indizes. Der Branchen-Standard Liv-ex Fine Wine gilt nach wie vor als der wichtigste, wenn es um Preissteigerungen geht. Für den wichtigen britischen Handelsplatz hat ihm aber der vom noblen Handelshaus Berry Bros. & Rudd erstellte BBX fast den Rang abgelaufen. Wer in Spirituosen investiert, braucht nicht ganze Kisten zu kaufen, er kann sich auch auf weitaus höhere Renditen freuen, als sie Mouton ( plus 10 Prozent in zehn Jahren) und Co. bringen. „Es gibt die absehbaren Steigerungen, aber auch noch solche durch Zufall. Bei kleinen Produzenten kann es schon vorkommen, dass sie ihren Preis vervierfachen“, so John Cashman von Beam-Suntory, dessen Whiskyexpertise von Kentucky über die schottischen Hebriden bis Japan reicht.

Genau von dort kommt ein gutes Beispiel für nicht vorhersehbare Preissteigerungen: Der 2013 gefüllte Yamazaki Single Malt aus dem Sherry Cask kam bei seiner Vorstellung mit unter 100 Euro in den Handel. Zwei Jahre und vor allem eine Wertung als weltbester Whisky in Jim Murrays „Whisky Bible“ später wird er nicht unter 2600 Euro gehandelt. Nach wie vor ist Single Malt Whisky die beste Wahl für Investments, denn der Markt hierfür ist global und vergleichsweise groß. Man sollte sich nur von der Idee verabschieden, dass der teuerste auch der beste Whisky ist.

„Nach einer gewissen Zeit, ich würde sagen, nach spätestens 25 Jahren, überwiegt der Fass-Charakter den Destillerie-Stil“, fasst Nicolas Morgan, beim Weltmarktführer Diageo für die Whisky-Sparte verantwortlich, zusammen. Als Historiker kennt sich Nick Morgan aus mit verblassendem Ruhm, und er macht diese Bemerkung bei einem Gläschen 32 Jahre altem Port Ellen-Malt, einem der gesuchtesten Whiskys – denn die Destillerie auf der Insel Islay ist seit 1983 geschlossen. Die letzten Fässer aus solchen Lost Distilleries werden ihren Wert dennoch behalten, dafür sorgt die weltweite Gemeinde der Malt-Heads.

Das „David Stewart Compendium“ von The Balvenie kostet rund 35.000 Euro.
Das „David Stewart Compendium“ von The Balvenie kostet rund 35.000 Euro.(c) Beigestellt

Invest mit Steuervorteil. „Wir haben einige Kunden, die gezielt Spirituosenraritäten sammeln“, bestätigt auch Rafael Topf vom Wiener Getränkehändler Del Fabro. Wichtig sei dabei ein entsprechendes Insiderwissen, so der Fachmann, „dann lassen sich hier hohe Renditen erzielen“. Nicht nur Private, sondern auch Bars investieren ihr Geld in Destillate, berichtet Topf. „Seltene Flaschen sind als Kapital im Unternehmen gewinnbringend angelegt – und bringen so auch steuerliche Vorteile mit sich.“ Zuletzt lud sein Unternehmen zu einer „Acht-Tausender“-Verkostung von Cognac, da jede der acht verkosteten Flaschen zumindest 1000 Euro kostete. Der Weinbrand aus der kühlen Charente zählt zu den beständigsten Bluechips der Spirituosenwelt. Im Extremfall sind darin – wenn auch nur Tropfen – Destillate aus drei Jahrhunderten zu finden. Hier kauft man Geschichte, nicht die G’schichtln des Verkäufers.

Zu den absehbaren Renditebringern zählen Einzelabfüllungen, im Idealfall zu emotionsgeladenen Anlässen erstellt: Eine Flasche zur Unabhängigkeit Jamaikas gefüllter Appleton-Estate-Rum, mittlerweile 63 Jahre alt, wird um etwa 8000 Euro gehandelt. Und hier sprechen wir „nur“ von Rum, wenngleich Experten dieser Kategorie die größten Preissteigerungen in den kommenden Jahren zusprechen. Denn anders als bei Cognac oder Whisky ist die Sammlerszene hier noch klein, zudem ist aufgrund der höheren Verdunstung von bis zu sechs Prozent des Ausgangsdestillats jährlich auch die Menge richtig alter Abfüllungen aus der Karibik kleiner als aus Frankreich oder Schottland. Der Angels’ Share arbeitet natürlich an der Wertsteigerung.

Limitiert. Gerade hat das Grazer Unternehmen Bauer Spirits eine solche Rarität auf den Markt gebracht. Mit 118 Euro Startpreis ist für den Ron Barceló Imperial Premium Blend eine Preissteigerung fast zwingend zu erwarten. Der dominikanische Rum hat auch einen weiteren Vorteil: Er ist erhältlich. Denn längst nicht alle Investoren bekommen das Objekt der Begierde. Das ihrem seit 43 Jahren aktiven Master Blender gewidmete „David Stewart Compendium“ von The Balvenie vereint jährlich fünf ausgewählte Whiskys. Trotz des Kostenpunkts von 35.000 Euro wurde dem deutschen Sprachraum nicht mehr als eine der 50 Sammlungen zugebilligt, obwohl die Nachfrage höher war. Seit vergangener Woche lebt die Chance wieder, im schottischen Dufftown wurde die neue Auflage der „DSC“ präsentiert.

Geht es aber um das Alter an sich, bringt das beste Preis-Leistungs-Verhältnis die iberische Halbinsel mit. „Für 40-jährige Abfüllungen kann man überall sonst noch mindestens eine Null dranhängen“, bringt es Sherry-Educator Reinhard Pohorec auf den Punkt. Um 100 bis 150 Euro sind Portweine und Sherrys zu haben, teilweise sogar Einzelfass-Abfüllungen, wie man sie aus der Whisky-Welt kennt. Auch der Armagnac, von Haus aus weit seltener als Cognac, hat große Wertsteigerungen zu bieten, wird allerdings kaum außerhalb Frankreichs gehandelt.

Wenn die beiden wertentscheidenden Faktoren Alter und Seltenheit zusammenkommen, schlägt der Schnaps locker einzelne Weinrekorde: Nur elf Flaschen eines Glenfiddich-Whiskys aus dem Jahre 1955 füllte man zu Ehren der 110 Jahre alt gewordenen Enkelin des Destillerie-Gründers. Die Flasche mit der Nummer eins der sogenannten Janet-Sheed-Roberts-Füllung steht um 123.000 Pfund zum Verkauf. Beim niedrigen Pfund-Kurs wegen des Brexit wird sie bei Hedonism Wine wohl nicht mehr lang warten.