Der IS-Chef hätte Trump gewählt

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Der ägyptische Präsident, Abdel Fatah al-Sisi, sorgte vor. Er traf Trump schon im September am Rande der UN-Generalversammlung in New York.(c) APA/AFP/DOMINICK REUTER

Radikale Islamisten setzten ihre Hoffnungen ebenso in Trump wie Arabiens Autokraten. Doch weiß niemand, was er in Bezug auf diese heikle Weltregion eigentlich vorhat.

Kairo. Für markige Sprüche war Donald Trump immer gut. Etwa, dass er als Präsident „den IS in Grund und Boden bombardieren wird“. Auch seine Sicht auf den syrischen Bürgerkrieg ließ er durchscheinen, wobei er Präsident Bashar al-Assad als „Antiterror-Kämpfer“ hofierte. Über allem schwebt seine antimuslimische Rhetorik, die zwar für den Heimgebrauch gedacht war, aber in der arabisch-islamischen Welt natürlich vernommen wurde.

Aber wird Trump ab Jänner eine neue US-Politik für die arabische Welt formulieren? Wird er die USA gegen den IS neu aufstellen? Hier beginnt das Lesen im arabischen Kaffeesatz, denn aus Trumps Worten sind keine Schlüsse für eine außenpolitische Strategie ableitbar. Für die Araber könnte ebenso ein Marsmensch landen, sie würden erstarrt dastehen und warten, was die Kreatur wohl als Erstes macht. Tatsache ist: Trump bekommt von Barack Obama viele Konflikte in der arabischen Welt vererbt, in die die USA verwickelt sind. Aktuell bombardiert das US-Militär in sieben Ländern, vier davon sind arabisch: der Irak und Jemen, Syrien, Libyen. Die anderen sind Afghanistan, Pakistan und Somalia, also ebenfalls mehrheitlich islamisch. Zu all den Konflikten muss Trump eher bald eine Position entwickeln.

 

Syrien: Assad als Freund?

Arabische Medien sind sich einig, dass er im Kampf gegen den IS wenig Neues liefern wird. Auch er wird keine Bodentruppen im großen Stil in den Irak schicken, sich also weiter auf „lokale Partner“ und US-Militärberater verlassen. Die Frage ist, ob er sich gegenüber Syrien anders positioniert: „Ich mag Assad nicht, aber er tötet den IS, genauso wie Russland und der Iran“, hat er gesagt. Assad als Bollwerk gegen den IS zu hofieren wäre eine Wende für die USA. Dabei könnte sich Trump die Rhetorik von Syriens Regime und Russlands aneignen, die alle Rebellen in die Terrorschublade stecken, um das Regime zu erhalten. „Die Rebellion in Syrien könnte das erste Opfer der Trump-Politik sein“, schreibt die in London erscheinende arabische Zeitung Al-Arabi Al-Jadid.

Überhaupt freuen sich arabische Autokraten über Trumps Sieg. So war Ägyptens Abdel Fatah al-Sisi der erste Staatschef, der Trump angerufen und gratuliert hat – da haben sie in Europa noch überlegt, wie man die Glückwünsche unverfänglich formuliert. Al-Sisi nannte Trump einmal „großen Führer“, er den Ägypter „fantastischen Typen“. Dieser hofft, Trump goutiere seinen Führerstil mehr als Obama.

Das denken wohl auch andere hohe Herrn. Außer vielleicht die Monarchen der Golfstaaten: Diese hatten relativ offen Hillary Clinton unterstützt, nach dem Motto „Bewährtes ist besser als Unbekanntes“. Auch Trump-Tweets, worin er schrieb, dass die Saudis Milliarden zahlen müssten, da die USA ihre Sicherheit garantierten, kamen nicht gut an, und nicht nur im Königshaus: Bei einer Umfrage hielten 68 Prozent der Saudis zu Clinton – in einem Land, wo es nie eine Volkswahl gegeben hat und Frauen nicht Autofahren dürfen. Indes: Die USA holen elf Prozent ihres Öls aus Saudiarabien und bekommen einen Gutteil ihrer Dollar zurück, weil sie umgekehrt Waffen liefern. Da dürfte die Trump-Rhetorik schnell in der Wüstenhitze schmelzen.

 

Hassschüren auf beiden Seiten

Ob Trumps antimuslimische Rhetorik Islamisten schadet oder nutzt? Hätte IS-Chef Abu Bakr Al-Baghdadi wählen dürfen, hätte er wohl Trump angekreuzt. Denn er passt gut zum Plan der Jihadisten. Im IS-Magazin „Dabiq“ wurde einst die Idee vom „Eliminieren der Grauzone“ diskutiert, gemeint ist die Koexistenz zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Der IS will andere Gesellschaften polarisieren, um dann die Muslime mit Hass mobilisieren zu können. Damit ist Trump ein „Traumpräsident“ für den IS.