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Diesel wird bis 2025 bedeutungslos

Derzeit sind 50 Prozent aller neu zugelassenen Autos in Europa Dieselfahrzeuge. 2025 werden es nur noch zehn Prozent sein.
Derzeit sind 50 Prozent aller neu zugelassenen Autos in Europa Dieselfahrzeuge. 2025 werden es nur noch zehn Prozent sein.(c) Clemens Fabry
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In den kommenden neun Jahren werde Diesel als Antrieb für Pkw „weitgehend verschwinden“, meinen UBS-Analysten in einer Studie. In Europa werde der Anteil an Dieselfahrzeugen auf zehn Prozent sinken.

Wien. Diesel als Antrieb für Pkw sorgt seit dem VW-Abgasskandal zunehmend für kritische Diskussionen. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) bekräftigte jetzt seine Aussagen in einem früheren „Presse“-Interview, wonach er das Steuerprivileg für Diesel abschaffen will, und in Deutschland können Gemeinden ab kommendem Jahr temporäre Fahrverbote für Dieselautos verhängen, um so die Luftbelastung zu senken. Diese Entwicklung passt zu einer Studie der Schweizer Bank UBS, in der Experten zu einem bemerkenswerten Urteil kommen: Diesel werde bis 2025 als Antrieb für Pkw „weitgehend verschwinden“.

Die Schlussfolgerung der Experten ist vor allem deshalb überraschend, weil Dieselmotoren derzeit in vielen Ländern die Pkw-Verkäufe dominieren. In Europa sind aktuell etwa 50 Prozent aller verkauften Pkw Dieselfahrzeuge. In Korea sind es 45 Prozent, in Indien mehr als 40 Prozent. Weltweit liegt der Anteil von Dieselfahrzeugen an allen verkauften Pkw bei 13,5 Prozent.

 

Weltweit nur noch vier Prozent

In den kommenden neun Jahren, schreiben die UBS-Experten in der 43-seitigen Analyse für Investoren, werde die Attraktivität von Dieselautos aber kontinuierlich sinken, vor allem in Europa. „Wir erwarten, dass Diesel bis 2025 als Antrieb für Personenkraftwagen weitgehend verschwinden wird, ersetzt durch eine Kombination aus Hybrid- und Elektroautos.“

Die Analysten legen sich sogar auf konkrete Zahlen fest: Weltweit prognostizieren sie in diesem Zeitraum einen Rückgang auf einen Anteil von vier Prozent. In Europa wird der Einbruch weitaus dramatischer sein: Statt zurzeit 50 Prozent der verkauften Neufahrzeuge werden 2025 nur noch zehn Prozent Dieselfahrzeuge sein. In Deutschland sah man bereits im November einen deutlichen Rückgang: Der Dieselanteil an den verkauften Neuwagen sank um fünf Prozentpunkte auf 44,9 Prozent.

Gründe für den Rückgang gibt es laut UBS mehrere: steigende Umweltanforderungen, sinkende Kosten von Hybrid- und Elektrofahrzeugen, strenge Auflagen und Verbote für Dieselautos (höhere Steuern, die eingangs erwähnten Fahrverbote), Sorgen der Konsumenten um den Wiederverkaufswert der Fahrzeuge. „Sinkendes Vertrauen der Kunden in Diesel könnte zu einem Teufelskreis führen und den Wechsel beschleunigen“, meinen die Experten gar.

Das Kostenargument, das viele Käufer zu einem Dieselfahrzeug greifen lässt, werde es in wenigen Jahren nicht mehr geben. Konsumenten würden von Benzin-Hybrid-Fahrzeuge mehr profitieren, nach 2020 würden in Europa mit großer Wahrscheinlichkeit vor allem Elektrofahrzeuge „die günstigsten Gesamtbetriebskosten (Cost of Ownership, Anm.)“aufweisen und damit eine interessante Alternative darstellen. Diesel werde nur in Nischen überleben, etwa bei großen Geländeautos, bei Pick-ups und bei Lkw.

Der Wandel hat auch Auswirkungen auf die Autohersteller, wenn auch nur relativ geringe. Der Gewinn pro Aktie werde um bis zu zwei Prozent zurückgehen. Schwerer trifft es die PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën), weil ihr Hauptmarkt Europa sei: Ihr Gewinn werde um neun Prozent zurückgehen, glauben die USB-Experten. Generell warnt die Bank vor „stranded investments“ bei neuen Dieselmotoren und Motorenfabriken.

Diesel stößt nicht erst seit dem VW-Abgasskandal auf wachsende Skepsis und Ablehnung. Dieselmotoren erzeugen wesentlich mehr gesundheitsschädliche Stickoxide als Benzinmotoren. In Österreich gibt es schon länger die Möglichkeit, in bestimmten Fällen Fahrverbote zu verhängen.

Deutschland will nun nachziehen. Allein im vergangenen Jahr wurde der Stickoxidgrenzwert in 80 Städten überschritten. Nach Plänen des Verkehrsministeriums sollen Kommunen künftig Plaketten ausgeben können, damit nur noch Fahrzeuge mit Benzin- oder umweltfreundlichen Dieselmotoren in eine Verbotszone fahren dürfen.

Es könnten aber auch ganze Innenstädte für Dieselfahrzeuge gesperrt werden, wie dies Paris, Mexiko-Stadt, Madrid und Athen Mitte des nächsten Jahrzehnts planen. Auch in London gibt es Bestrebungen, Dieselfahrzeuge zu verbannen. In Indien, wo 60 Prozent der Pkw von einem Dieselmotor angetrieben werden, verfolgt man seit einigen Jahren eine strenge Anti-Diesel-Politik.

Weitere Infos: www.diepresse.com/economist

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2016)