Bischofskandidat Bürgler: Kurz' NGO-Schelte "unerträglich"

Boot mit Flüchtlingen im MittelmeerAPA/EPA/ALESSANDRO DI MEO

Jakob Bürgler hält es für "fehl am Platz", Hilfsorganisationen zu beschuldigen, das Sterben von Flüchtlingen quasi "mitzubefördern". Außenminister Kurz hatte ein Ende des "NGO-Wahnsinns" im Mittelmeer gefordert.

Der Innsbrucker Diözesanadministrator Jakob Bürgler, der auch als Bischofskandidat gehandelt wird, hat scharfe Kritik an Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) nach dessen Schelte für Nicht-Regierungsorganisationen wegen deren Rettungseinsätzen im Mittelmeer geübt. Von einem "NGO-Wahnsinn" zu sprechen sei "unerträglich", sagte Bürgler am Dienstag. "Ich bin irritiert über die Art, wie hier kommuniziert wurde", richtete er Kurz aus. NGOs zu beschuldigen, das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer quasi "mitzubefördern", sei "fehl am Platz".

Bürgler verteidigte die Haltung der Amtskirche in der anhaltenden Flüchtlingskrise. Zwar werde die Kirche "nicht ganz korrekterweise als Stimme der Willkommenskultur" betrachtet, aber es gebe nun einmal viele Menschen, die traumatisiert und arm seien. Die Kirche schaue "auf die konkreten Menschen", die ein besseres Leben suchen würden. Wer vor Krieg und Gewalt flüchte, müsse Asyl bekommen. Vor einer immer wieder georteten, drohenden "Islamisierung" Europas fürchte er sich dabei nicht. "Ich weiß auch nicht, wie da Widerstand geleistet werden soll", meinte der einstige Generalvikar. Das beste Mittel sei ein "aktiveres christliches Leben" und die "Wiederentdeckung des Glaubensschatzes". Die momentane Situation sei eine Chance für die Kirche, er spüre bereits eine "starke Bewegung zur Kirche zurück".

"Verunsicherung" in der Diözese

Dass der Innsbrucker Bischofssitz auch in der Karwoche nach wie vor vakant ist - 16 Monate nach dem Wechsel von Manfred Scheuer nach Linz - sei "unangenehm", räumte Bürgler ein. Es sei "nicht einfach damit zu leben und zu arbeiten". In der Diözese herrsche "Verunsicherung", Priester in den Pfarrgemeinden würden ihn immer wieder fragen, wann denn der neue Bischof endlich feststehe. Der Unmut sei aber außerhalb der Diözese größer als intern, fügte der Diözesanadministrator hinzu. Zuletzt hatte etwa auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) Kritik an der langen Sedisvakanz geäußert.

Auf die Frage, ob er selber hoffe, zum Bischof der Diözese ernannt zu werden, meinte Bürgler, er halte nichts davon, wenn man ein solches Amt anstrebe. Er versuche, personenunabhängig zu denken. Er sei jedenfalls dankbar über die "vielen guten Rückmeldungen", die er seit seiner Wahl zum Diözesanadministrator erhalten habe.

(APA)