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Berlin warnt vor weiterer Eskalation in der Katar-Krise

Ein Mann schreibt auf ein Bild des Scheichs von Katar, Tamim Bin Hamad Al-Thani, in Doha.REUTERS
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Katar hat seine offizielle Antwort auf ein Ultimatum vier arabischer Staaten übergeben. Auch der deutsche Außenminister will deeskalieren: Europäische Interessen stehen auf dem Spiel.

48 Stunden länger haben Saudi-Arabien und drei weitere arabische Staaten Katar gegeben, um die von ihnen gestellten Forderungen zu erfüllen - zwei Tage länger in einem Konflikt, aus dem in den nächsten Tagen weiteres Eskalationspotenzial erwachsen könne, meint die deutsche Bundesregierung.

Mit der Fristverlängerung sei man einer Bitte aus Kuwait, das in der Krise als Vermittler auftritt, nachgekommen, meldete die saudische Nachrichtenagentur SPA am Montag. Denn vor Ablauf des Ultimatums an Katar laufen die Bemühungen für eine Lösung der diplomatischen Krise am Golf auf Hochtouren: Am Montag hat der Außenminister Katars, Scheich Mohammed bin Abderrahman al-Thani, seine offizielle Antwort auf die Liste von 13 Forderungen an den Emir von Kuwait übergeben. Details wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Auch US-Präsident Donald Trump versuchte zu vermitteln: Er telefonierte mit führenden Politikern der Konfliktländer, darunter mit Katars Emir Scheich Tamim und dem saudischen König Salman, wie lokale Nachrichtenagenturen meldeten. Zudem befindet sich Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel auf dem Weg zu einem dreitägigen Besuch in der Golf-Region. Er trifft am Montagnachmittag zunächst in der saudische Hafenstadt Jeddah ein.

Sanktionen drohen

Deutschland maße sich zwar keine Vermittlerrolle an, sagte ein Sprecher des Außenministeriums am Montag in Berlin. Es gehöre aber zu den wenigen Ländern, die mit allen handelnden Akteuren am Golf und um den Golf herum gute bis sehr gute diplomatische Beziehungen pflegten. Zudem beeinträchtige die Krise massiv deutsche und europäische Interessen wie den Kampf gegen die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS).

Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) werfen Katar Unterstützung von Terroristen vor und haben am 5. Juni ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zum Emirat gekappt. Die Regierung in Doha weist die Vorwürfe zurück. Ursprünglich sollte Katar bis Sonntag 13 Forderungen erfüllen, darunter die Schließung des TV-Senders Al-Jazeera und einer türkischen Militärbasis. Anderenfalls sollen weitere Sanktionen verhängt werden. Einzelheiten wurden nicht genannt. Banker gehen jedoch davon aus, dass dann Geld aus Katar abgezogen werden könnte

Wettstreit zwischen Saudiarabien und Iran im Hintergrund

Die Regierung der VAE ist allerdings Befürchtungen entgegengetreten, der Konflikt könne eskalieren. Außenminister Anwar Gargasch deutete an, stattdessen könne Katar aus dem Golf-Kooperationsrat ausgeschlossen werden. Kuwaits Außenminister hatte erklärt, die Forderungen seien drakonisch und offenbar so gewählt, dass sein Land sie ablehnen müsse. Die vier Staaten haben die Bedingungen als nicht verhandelbar bezeichnet.

Hintergrund des Konflikts ist die Konkurrenz zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran, zu dem Katar diplomatische Beziehungen unterhält. Saudi-Arabien und die USA wollen den Iran isolieren. Auch die Wirtschaft ist über den Konflikt besorgt. Die Banken in der Region leiden ohnehin unter dem Ölpreisverfall der vergangenen Jahre. Neben den umfangreichen Energie-Reserven Katars ist die Krise auch wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen des Landes von überregionaler Bedeutung.

(APA/AFP/dpa/Reuters)