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Der Goldmarkt und die Analysteneuphorie

Symbolbild.
Symbolbild.(c) imago/Hannelore Förster (Hannelore Foerster)
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Marktbeobachter prophezeien dem Edelmetall einen kräftigen Aufschwung im Herbst. Noch ist der Markt aber flau.

Bei Analysten blitzt in regelmäßigem Abstand Euphorie auf, aber die Realität auf den Märkten will da nicht so recht mit: Die jüngsten kleinen Anstiege der Goldnotierungen haben sehr positive Prognosen für den Herbst nach sich gezogen. Das Anlegermagazin „Der Aktionär“ sah diese Woche beispielsweise den nächsten „Goldrausch“ kommen und prophezeite einen Anstieg der Notierung auf 1500 Dollar je Feinunze noch in diesem Jahr.

Im realen Goldmarkt tun sich die Anleger derzeit aber noch schwer: Wann immer die Notierung zum neuen Aufschwung ansetzt – bei 1300 Dollar ist meist Schluss. Ab da geht es wieder nach Süden. Ein bleierner Deckel, der sich bereits mehrmals als stärker erwiesen hat als der Drang des Edelmetalls nach oben.

Charttechnisch sieht es kurzfristig jedenfalls nicht nach großen Aufwärtsbewegungen aus. Es könnte sogar noch ein bisschen nach unten gehen, ehe der nächste Anlauf unternommen wird.

Allerdings präsentiert sich die Lage fundamental nicht so schlecht. Die Nachfrage nach physischem Gold steigt vor allem in Asien kräftig an. Die Zinsen werden trotz steigendem Druck auf die Notenbanken, an den entsprechenden Schrauben zu drehen, wohl noch eine Zeit lang recht niedrig bleiben, und der Dollar schwächelt weiter vor sich hin. Dazu kommt die erratische Politik Donald Trumps und die nicht gerade stabile Weltlage. Ein Cocktail, der durchaus in der Lage wäre, dem Krisenmetall Schwung zu verleihen.

Allerdings sind die „Papiergold“-Investoren sehr zurückhaltend geworden. Sie zeigen sich zunehmend genervt von der ständigen Berg- und Talfahrt. Das konnte man zwischenzeitig sehr schön an den Abflüssen aus Goldfonds und -ETFs sehen.

Wer sich kurzfristig am Goldmarkt umtun will, sollte jetzt also die 1300-Dollar-Marke im Auge behalten. Kann die Notierung den dort liegenden Deckel, an dem sie zuletzt ein paar Mal gescheitert ist, einigermaßen nachhaltig sprengen, dann könnte es tatsächlich ein Stück nach oben gehen. Zumindest das Vorjahreshoch von 1366 Dollar wäre dann kurzfristig in Reichweite.

Als Instrument zum Investieren bieten sich hier übrigens auch Goldminenaktien an. Die sind in ihrer überwiegenden Zahl durch die Preiskapriolen beim Rohstoff tief in den Keller geprügelt worden und weisen entsprechend günstige Einstiegskurse auf. Gut möglich, dass sie auf einen Aufschwung stärker reagieren als das Metall selbst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2017)