Gewalt gegen Migranten: Italien bastelt Integrationsplan

Die Polizei versucht vergeblich, die Gewalt gegen Migranten in Rosarno zu unterbinden
(c) EPA (Ettore Ferrari)

Schwarzarbeit und Intoleranz sollen bekämpft werden. Rund 2000 Migranten sind aus der süditalienischen Stadt Rosarno geflüchtet. Auf den Feldern rund um die Stadt arbeiten zahlreiche Migranten als Tagelöhner.

Ein Integrationsplan, um gegen Schwarzarbeit und rassistische Intoleranz vorzugehen: Mit desem Konzept will die italienische Regierung auf die rassistischen Unruhen in der süditalienischen Kleinstadt Rosarno reagieren. Der Plan soll in den nächsten Wochen vorgestellt werden, erklärte Sozialminister Maurizio Sacconi.

Innenminister Roberto Maroni versprach mit Hilfe der Landwirtschaftsverbände eine "massive Aktion zur Bekämpfung der Schwarzarbeit" auf den süditalienischen Feldern, wo Migranten als Tagelöhner ausgenützt werden. Nach Gewerkschaftsangaben arbeiten afrikanische Migranten bis zu 15 Stunden für 25 Euro. Hinter der Ausnutzung der Tagelöhner stecke meistens die Mafia, die sich mit dem Menschenhandel bereichere.

2000 Migranten ergriffen die Flucht

Der Handel mit illegalen Immigranten, die auf den Feldern Süditaliens ausgebeutet werden, beschäftigt die italienischen Behörden schon seit Jahren. "Die Immigranten kommen gesund nach Italien, erkranken aber bald wegen der verheerenden Lebensverhältnisse auf den Feldern", sagte Teo Di Piazza, Arzt in der süditalienischen Stadt Foggia. 40 Prozent der Ausländer, die in der süditalienischen Landwirtschaft arbeiten, wohnen in Hütten ohne Strom und Wasser. 30 Prozent von ihnen werden misshandelt. In 82,5 Prozent der Fälle war der Angreifer ein Italiener. In kaum einem Landwirtschaftunternehmen werden Saisonarbeiter legal angestellt, berichteten italienische Medien.

Rund 2000 afrikanische Migranten haben seit Beginn der Unruhen am Donnerstagabend Rosarno verlassen. Die meisten von ihnen wurden in Auffanglagern in Kalabrien untergebracht. Die Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung sollen ausgewiesen werden, erklärte Innenminister Maroni. Am Montag wurden eine Ex-Fabrik und einige verlassene Gebäude abgerissen, die die Saisonarbeiter als Notunterkünfte benutzt hatten. Innenminister Maroni lobte das Vorgehen der Behörden als beispielhaft. Schuld für die Unruhen seien Jahre "falscher Toleranz" gewesen.

Bischof fordert "neuen Humanismus"

Der Migranten-Beauftragte der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), Erzbischof Bruno Schettino, forderte einen "neuen Humanismus" im Umgang mit Ausländern. Vor Gott gebe es keine illegalen Einwanderer, sagte der Erzbischof von Capua laut Kathpress in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "Il Messaggero".

Die oppositionellen Linksparteien warfen der Regierung Berlusconi vor, Fremdenhass zu schüren. "Von den Unruhen betroffen sind vor allem Ausländer, die in Italien politisches Asyl beantragt haben, weil sie aus Kriegsgebieten stammen und Opfer von Menschenhändlern sind, die sich mit ihrer harten Arbeit bereichern", hieß es in einer Presseaussendung der Partei der Italienischen Kommunisten (PDCI).

Der Generalsekretär der Rifondazione Comunista, Paolo Ferrero, macht die Einwanderungspolitik der Regierung Berlusconi für die Unruhen in Kalabrien verantwortlich. "Mit dieser Einwanderungspolitik hat auf eklatante Weise die Ausbeutung von Migranten zugenommen", sagte Ferrero. Die einzige Lösung sei, allen in Italien arbeitenden Ausländern eine Aufenthaltsgenehmigung zu sichern, damit die Ausnutzung der Migranten ein Ende finden könne.